PwC-Studie: Nutzern ist kostenloses Medienangebot wichtiger als Datenschutz

04.07.18  09:00 | Artikel: 981006 | News-Artikel (e)

PwC-Studie: Nutzern ist kostenloses Medienangebot wichtiger als DatenschutzPwC-Umfrage zur Mediennutzung: Glaube an Wahrheitsgehalt von Medien sinkt / Nur 18 Prozent der Befragten vertrauen Facebook / Datenweitergabe finden vier von zehn Nutzern unproblematisch

Die Bundesbürger misstrauen den Medien. Das gilt insbesondere für die sozialen Netzwerke. Nur 18 Prozent trauen Facebook. Das belegt eine repräsentative Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 1.000 Bundesbürgern. Jeder Vierte hegt generell Misstrauen gegenüber deutschen Medien, in Ostdeutschland ist es sogar jeder Dritte. Der Glaube an den Wahrheitsgehalt in den Medien ist bei einem Drittel der Nutzer in den vergangenen zwei Jahren gesunken. Den größten Verlust verbuchen dabei die sozialen Medien: 39 Prozent schenken Facebook heute weniger Vertrauen als noch vor zwei Jahren. Bei Twitter sind es 31 Prozent weniger, bei YouTube 29 Prozent. Am besten schneiden öffentlich-rechtliche Sender und Printmedien ab.

Klassische Medien punkten auch auf Social Media mit seriösen Nachrichten

Den klassischen Medien vertrauen die Deutschen noch immer mehr. Dort erwarten sie, wahrheitsgemäße Meldungen zu erhalten. Daher verwenden auch 56 Prozent der Befragten Tages- und Wochenzeitungen als Informationskanal - aber nur 27 Prozent Facebook, Twitter und Co. Auch in Social Media ist entscheidend, wer den Inhalt zur Verfügung stellt: 54 Prozent derjenigen, die diesen Kanal für News verwenden, lesen die Beiträge von Zeitungen.

"Klassische Medien nutzen Social Media zur Reichweitensteigerung, gerade die Jüngeren erreichen sie nicht mehr vor dem Fernsehgerät und hinter der Tageszeitung", sagt Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC Deutschland. "Allerdings gelingt es klassischen Medien noch nicht, diese gewonnene Reichweite auch zu monetarisieren." Die Online-Werbeeinnahmen, auch jene von Facebook, Twitter und anderen Netzwerken, steigen zwar kontinuierlich, die klassischen Medien können von diesem Trend bisher aber nur wenig profitieren.

Gewünscht ist ein kostenloses, werbefinanziertes Medienangebot

"Um Medien kostenlos nutzen zu können, hinterfragen die Nutzer die Verwendung ihrer Daten deutlich weniger als man es aufgrund des gesunkenen Vertrauens erwarten würde", sagt Ballhaus. "Für ein Social-Media-Angebot wollen die meisten Bundesbürger kein Geld ausgeben. Wenn sie die Wahl hätten, würden sie allerdings lieber nicht mit ihren Daten bezahlen, sondern Werbetreibende die Finanzierung übernehmen lassen."

74 Prozent der Befragten bevorzugen ein soziales Netzwerk, das sich ausschließlich über nicht-personalisierte Werbung finanziert, keine Nutzerdaten verkauft und trotzdem kostenfrei für den Verwender bleibt. Für die Nutzung zu bezahlen, damit keine Daten verkauft werden, findet hingegen weniger Zuspruch. Der Kostenfaktor spielt vor allem für die 18- bis 29-Jährigen eine Rolle - in dieser Altersgruppe sind nur 39 Prozent dafür. Unter den jungen Deutschen sehen 41 Prozent das optimale Geschäftsmodell darin, dass ihre Daten an andere Unternehmen verkauft werden, damit das soziale Netzwerk weiterhin kostenfrei bleiben kann. 44 Prozent der 30- bis 39-Jährigen stimmen dem zu.

Nutzer machen soziale Netzwerke für Datenmissbrauch verantwortlich

Die Deutschen bemängeln allerdings das Fehlen von Kontrollmechanismen, die eine Verbreitung von Hass- und Falschmeldungen verhindern. "Diese Lücke können die klassischen Medien füllen. Sie sollten ihren gut recherchierten Qualitätsjournalismus in den Vordergrund stellen. 85 Prozent der Menschen wünschen sich dafür sogar mehr Personal in den Redaktionen", erklärt Ballhaus.

"Aber nicht nur das Thema 'Fake News', auch Datenmissbrauchsskandale haben das Vertrauen der Deutschen in soziale Medien erschüttert", so Werner Ballhaus weiter. Im Frühjahr gerieten die sozialen Medien in die Schlagzeilen: Facebook hatte die Daten von 87 Millionen Nutzern an die Datenanalysefirma Cambridge Analytica weitergegeben. Zwar stammten die meisten Betroffenen aus den USA, doch auch in Deutschland sorgte der Vorfall für Empörung. Die Verantwortung schiebt die Hälfte der Befragten den sozialen Netzwerken wie Facebook zu. Nur für elf bzw. acht Prozent tragen das Datenunternehmen oder der Nutzer eine Mitverantwortung. 30 Prozent halten es für die Aufgabe der Nutzer, Maßnahmen gegen Datenmissbrauch zu ergreifen. 32 Prozent sehen den Gesetzgeber in der Pflicht.

Nur jeder Zehnte möchte wissen, was mit den Daten passiert

Doch selbst durch Datenskandale ist die Mehrheit der Deutschen nicht vorsichtiger geworden. 44 Prozent der Nutzer haben zwar auf den Cambridge-Analytica-Vorfall reagiert: Aber nur sieben Prozent haben ihr Profil gelöscht, lediglich 18 Prozent ihre Datenschutzeinstellungen überprüft. Bemerkenswert ist, dass vier von zehn Deutschen die Weitergabe ihrer Daten nicht stört, wenn dafür das Angebot kostenlos ist. Und nur jeder Zehnte möchte tatsächlich wissen, was mit den eigenen Daten passiert.

Die Weitergabe der Daten knüpfen die meisten jedoch an Bedingungen: 23 Prozent wollen zumindest sehr sensible persönliche Daten geschützt wissen, neun Prozent nehmen die Weitergabe bewusst in Kauf, um Gratisangebote zu erhalten und acht Prozent möchten wissen, wohin die Daten genau gehen. Ein lockerer Umgang mit den eigenen Daten ist vor allem bei den 18- bis 29-Jährigen erkennbar: In dieser Altersgruppe versuchen nur 35 Prozent die Preisgabe ihrer Daten auf ein Minimum zu beschränken.

Über die Studie:

Für die Studie "Vertrauen in Medien" wurden 1.000 Deutsche ab 18 Jahren im Mai 2018 bevölkerungsrepräsentativ befragt. Die Befragung fand anhand eines Onlinepanels im Auftrag der PricewaterhouseCoopers GmbH statt. Weitere Informationen finden Sie unter www.pwc.de/medienvertrauen




(Quelle: PwC Communications)


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