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Caspar geht gegen Gesichtserkennung Facebooks vor

03.08.11  06:00 | Artikel: 953221 | News-Artikel (Red)

Caspar geht gegen Gesichtserkennung Facebooks vor
Prof. Dr.
Johannes Caspar
Datenschutzbeauf-
tragter Hamburg
Bild: datenschutz-
hamburg.de
Johannes Caspar, der Datenschutzbeauftragte Hamburgs fordert Facebook erneut auf, die automatische Gesichtserkennung abzuschalten. Diese verstößt nach Meinung Caspars gegen geltendes Recht.

In einer Pressemitteilung erklärt der Hamburger Datenschutzbeauftragte, dass er das soziale Netzwerk Facebook aufgefordert hat, die gespeicherten biometrischen Daten, die über die automatische Gesichtserkennung erlangt worden sind, zu löschen. Ferner sei die automatische Gesichtserkennung an die datenschutzrechtlichen Standards Deutschlands und der EU anzupassen oder alternativ abzuschalten.

Mit dem Einsatz der Gesichtserkennung baut Facebook nach Ansicht Caspars die wohl größte Datenbank mit biometrischen Merkmalen weltweit auf. Dabei sei nicht der Einsatz der Software das eigentliche Problem, sondern das Füllen einer entsprechenden biometrischen Datenbank. Derzeit sind über 75 Milliarden Fotos auf Facebook hochgeladen worden und nach Angaben von Facebook bereits mehr als 450 Millionen Personen erfasst worden sein. Hier seien die Risiken, die sich aus einer derart großen Datenmenge ergibt, sehr groß.

Beim Erkennungsvorgang dreht Facebook, wie beim vielen anderen Funktionen auch, schlichtweg die Widerspruchsoption um. Es muss aktiv widersprochen werden, sollte der Nutzer die Erkennung nicht wünschen. Selbst bei akribischen Einstellungen in Bereich Privatsphäre sind Angaben in den Einstellungen gegenüber dem Hilfesystem widersprüchlich. Caspar geht davon aus, das trotz entsprechender Einstellungen, die bereits gespeicherten Daten nicht gelöscht werden. Explizite Funktionen zum löschen solcher Daten bestehen nicht.

Bedenklich erscheint es Caspar auch, das die Default-Einstellungen zu Gesichtserkennung auch bei Kindern eingeschaltet ist.

Nach nationalem und europäischem Recht ist eine Speicherung von biometrischen Daten nur statthaft, wenn der Nutzer eine unmissverständliche Einwilligung dazu gegeben hat.

"Wir haben Facebook wiederholt aufgefordert, die Funktion der Gesichtserkennung abzuschalten und die bereits gespeicherten Daten zu löschen. Sollte Facebook diese Funktion weiterhin aufrechterhalten, muss sichergestellt werden, dass nur Daten von Personen in die Datenbank eingehen, die zuvor wirksam ihre Einwilligung zur Speicherung ihrer biometrischen Gesichtsprofile erklärt haben. Die automatische Gesichtserkennung ist ein schwerer Eingriff in das informationelle Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen. Das muss auch ein global agierendes Unternehmen berücksichtigen. Daher darf Facebook nicht lediglich auf ein intransparentes Widerspruchsverfahren verweisen. Eine selbstbestimmte Entscheidung macht die Einwilligung des informierten Nutzers erforderlich. Facebook sollte dies erkennen und unseren Forderungen schnell nachkommen.", so Caspar in der Pressemitteilung.

In einer ersten Stellungnahme von Seiten Facebook heißt es dazu: "Wir werden die Aussagen des Hamburger Datenschutzbeauftragten zu den Markierungsvorschlägen von Fotos prüfen, jedoch weisen wir ausdrücklich jegliche Vorwürfe von uns, die besagen, dass wir unseren Verpflichtungen gegenüber den Datenschutzgesetzen der Europäischen Union nicht nachkommen". Viele User fänden es bequem die Erkennungsfunktion nutzen zu können.




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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Datenschutz (189) | Johannes Caspar (3) | Hamburg (10) | Facebook (37) | Gesichtserkennung




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