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Medienpanik: Stromknappheit nicht dramatisch

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Medienpanik: Stromknappheit nicht dramatisch

13.02.12  06:00 | Artikel: 954304 | News-Artikel (Red)

Medienpanik: Stromknappheit nicht dramatisch
Dr. Norbert Allnoch
Direktor IWR
Bild: uni-muenster.de
Seit mehreren Tagen hört man in den Medien Meldungen über mögliche Stromausfälle, weil der Strom im eigenen Land knapp wird. Als Grund wird auch die reduzierte Liefermenge aus Russland via Gazprom genannt. Die Realität sieht allerdings ein wenig anders aus.

Die Gaslieferungen der Gazprom sind tatsächlich reduziert worden, weil die daraus gewinnbare Energie im eigenen Land benötigt wird. Trotz der eingeschränkten Liefersituation wird vermutlich in Deutschland keiner im Dunklen sitzen, denn speziell für diesen Fall haben Bund und Industrie vorgesorgt. Die Gasversorgung ist dank der Vorratshaltung in unterirdischen Kavernen in Deutschland generell gesichert.

Bereits Mittel letzten Jahres wurde im Zuge des Atomausstieges die sog. Kaltreserve neu definiert. Kaltreservekraftwerke sind Kraftwerke, die seit längerer Zeit nicht in Betrieb sind, jedoch nicht stillgelegt sind. Speziell für den Fall der Energieknappheit, wie z.B. auch ein extrem kalter Winter, sind diese Kraftwerke mit ein wenig Vorlaufzeit wieder einsatzfähig.

Als Kaltreserve hat die Bundesnetzagentur das Kraftwerk 2 Mainz-Wiesbaden, das Großkraftwerk 3 in Mannheim und den Block C des Kraftwerk in Ensdorf sowie das Kraftwerk Freimann in München definiert. Damit stehen über 1000 Megawatt an zusätzlicher Leistung zur Verfügung, ohne dass ein Kernkraftwerk reaktiviert werden muss. Zudem stehen in Österreich noch Kapazitäten zur Verfügung, auf die im Notfall zurückgegriffen werden kann.

Grund für die Aktivierung dieser Kaltreservekraftwerke ist derzeit das hohe Exportaufkommen. In einer Pressemitteilung des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) heißt es:

"In der Zeit zwischen dem 07. und dem 10.02.2012 war Deutschland jederzeit Netto-Stromexporteur", sagte IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch in Münster. Frankreich war dagegen in dem untersuchten Zeitraum die gesamte Zeit über auf Stromhilfe und Importe aus seinen Nachbarländern angewiesen, so Allnoch.

Die Stromnachfrage erreichte in diesem Zeitraum in Deutschland im Mittel 49.400 Megawatt (MW). In dieser Zeit wird die Kaltreserve aktiviert, was in den Medien etliche Diskussionen über eine vermeintliche Stromknappheit in Deutschland ausgelöst hat. Der Höchstbedarf an Strom wird in Deutschland am 08.02.2012 zwischen 18 und 19 Uhr mit 57.023 MW erreicht. Selbst zu dieser Zeit mit hoher Nachfrage konnte Deutschland an seine Nachbarstaaten noch erhebliche Mengen an Strom exportieren, u.a. in die Schweiz (1.603 MW), Frankreich (761 MW), Polen (1.034 MW) und Österreich (614 MW). Insgesamt erreicht der Stromexport in dieser Höchstlaststunde per saldo rd. 2.900 MW. Das entspricht der Leistung von fast drei Kernkraftwerken.

Die Gesamtleistung aller Stromerzeugungs-Kapazitäten in Deutschland beträgt auch nach der bisherigen Abschaltung von Atomkraftwerken noch rd. 160.000 MW.

Wind- und Solaranlagen zusammengenommen haben in dem genannten Zeitraum jederzeit zur Stromerzeugung in Deutschland beigetragen, in der Spitze wurde Strom aus Wind und Sonne mit einer Leistung von über 11.000 MW geliefert.




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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Energiepolitik | erneuerbare Energien

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Energie (1388) | Photovoltaik (210) | Kaltreserve (6) | Sparen (3) | IWR (8) | Allnoch (5)




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