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Leitartikel: Datenmeldungen von PV-Anlagen: Schlamperei oder Systemfehler?

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Leitartikel: Datenmeldungen von PV-Anlagen: Schlamperei oder Systemfehler?

17.04.12  09:30 | Artikel: 954355 | News-Artikel (Red)

Leitartikel: Datenmeldungen von PV-Anlagen: Schlamperei oder Systemfehler?Derzeit wird in verschiedenen Medien erneut über die Zuverlässigkeit der gemeldeten Anlagendaten der Bundesnetzagentur diskutiert. Es werden installierte Leistungen und Strommengen aus verschiedensten Datenquelle verglichen und die Daten der Bundesnetzagentur (BNetzA) werden angezweifelt. Vor allem vor dem Hintergrund der oft sehr späten Veröffentlichung. Zunehmend wird auch von Manipulationsmöglichleiten geredet. Was ist dran an dieser Diskussion?

Erfassung der Daten durch die Netzagentur

Betreiber einer Photovoltaik-Anlage sind verpflichtet diese der Bundesnetzagentur zu melden, sofern die Anlage dem EEG unterliegt. Die Meldung kann sowohl über das Online-System der BNetzA erfolgen oder alternativ auf dem schriftlichen Weg als Brief oder Fax. Papierhafte Meldungen werden dann per Hand in den Datenpool eingetragen, was erfahrungsgemäß eine hohe Fehlerquote mit sich bringt. Die Tendenz gehe ganz klar zur Online-Eingabe erklärte ein Mitarbeiter der BNetzA auf Anfrage. Angaben zur prozentualen Verteilung konnten allerdings nicht gemacht werden.

Anlagenmeldungen können relativ einfach über das Online-System eingegeben werden. Ob diese stimmen, wird nur im Einzelfall bei Auffälligkeiten geprüft. Das zuständige Referat in Kassel hält die Sicherheit auch für durchaus ausreichend.

Die Registrierung im System erfolgt im ersten Schritt über die Eingabe einer eMail-Adresse nebst Passwort und der nachfolgenden Bestätigung per Mail ähnlich wie bei einer Newsletter-Anmeldung. Nach erneutem Login können nach belieben Anlagen eingegeben werden. Eine weitere Manipulationssicherheit ergibt sich nach Angaben der Netzagentur über die schriftliche Bestätigung per Post, Tage nach der Online-Eingabe. Käme eine Brief als unzustellbar zurück, würde die entsprechende Meldung wieder gelöscht werden. Das klingt doch alles sehr nach "old school"; so richtig sicher ist das nicht.

Das zuständige Referat 605 in Bonn erklärte auf Anfrage, dass derzeit kein Update des Melde-Systems geplant sei. Auf die Frage, wer denn für Softwareupdates verantwortlich sei, erklärte eine Mitarbeiterin, das dies ein "Verfahren der Bundesnetzagentur" sei. Detailliertere Aussagen konnten nicht gemacht werden.

Trotz verschiedener Möglichkeiten der Manipulation muss man sich natürlich immer die Frage stellen, wem diese nützen würde.

Vergleich mit Datenbasis der Übertragungsnetzbetreiber

Die Agentur ist allerdings nicht die einzige Stelle, die diese Art der Daten erfasst und veröffentlicht. Hier sind die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNBs) in Zusammenarbeit mit den Energieversorgern in der gesetzlichen Pflicht die Daten zeitnah zu publizieren. Derzeit liegen "zeitnah" Daten bis inkl. 2010 vor.

Vergleicht man die Daten der BNetzA mit denen der ÜNBs, so ergibt sich ein sehr kurioses Bild. Bei der Agentur sind für 2009 insgesamt 159.820 Meldungen eingegangen; 2010 waren es 249.733. Dagegen stehen die Daten der ÜNBs mit 182.323 für 2009 und 244.860 für das Jahr 2010. Bei der BNetzA könnten es mehr Meldungen sein, weil die Anzahl der Datenmeldungen angegeben wird, nicht die der Anlagen. Das erklärt jedoch nicht warum es 2009 über 22.000 Anlagen mehr gab als gemeldet wurden. 2010 wechselt das Vorzeichen: es gab knapp 5.000 Anlagenmeldungen mehr.

Gruppiert man die Daten beider Quellen auf Einzelmonate (bezogen auf die Leistung), so ergibt sich ein ebenso chaotisches Bild.

Proteus Solutions Statistik: Datenvergleich BNetzA und UNBs 2009-2010

Proteus Solutions Statistik: Datenvergleich BNetzA und UNBs 2009-2010 Differenzen

Hier schwanken die Leistungs-Differenzen zwischen 5 MW und 592 MW!

Fazit:

Derzeit lassen sich die Unterschiede kaum sinnvoll erklären. Sie zeigen jedoch, dass es hier für alle Beteiligten einen dringenden Handlungsbedarf gibt, um diese Problematik zu lösen und vor allem die entsprechenden Diskussionen vermeiden zu können. Optimal wäre eine gemeinsam betriebene oder auch eine verknüpfte Datenbasis. Alleine damit könnte Manipulationen weitestgehend vorgebeugt werden, indem der Meldende den Anlagenschlüssel eingeben müsste, eine 33-stellige eindeutige Nummer, die auch einer Prüfung Stand hält. Damit hätte die deutsche Solarwirtschaft, ebenso wie Politik und Energieversorger eine verlässliche Grundlage für Planung und (politische) Aussagen zur Hand, die von allen anerkannt werden könnte.

Genauere Aussagen sind derzeit nicht zu treffen. Möglicherweise bringen die Daten für 2011 - von der Netzagentur sind diese ja schon öffentlich - neue Erkenntnisse, wenn die ÜNBs ihre voraussichtlich Mitte Mai zur Verfügung stellen.

[UPDATE]
Leitartikel: Meldung von PV-Anlagen: Antworten von BNetzA und Regierung [Update]



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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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Themenbereiche:

Leitartikel | Anlagenleistung | Photovoltaik | Statistik

Schlagworte:

Statistik (141) | Photovoltaik (210) | Bundesnetzagentur (54) | Übertragungsnetzbetreiber (58) | Datengrundlage (2)




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