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Kohle machen ohne Kosten: die Schizophrenie der Verlage

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Kohle machen ohne Kosten: die Schizophrenie der Verlage

27.08.12  07:30 | Artikel: 954566 | Proteus Statement

Kohle machen ohne Kosten: die Schizophrenie der VerlageEin bitterer Kommentar zum Leistungsschutzrecht.

Schon seit längeren sinken die Auflagen der gedruckten Zeitungen. Um dem entgegenzuwirken unternehmen diverse Verlage die Anstrengung, Inhalte auch im web zu veröffentlichen. Dumm dabei war, dass dies erst mal jeder ohne Abo lesen konnte und in vielen Bereichen bis heute kann. Geiz ist geil und 'für Umme' kommt beim Leser natürlich gut an.

Logischerweise finden die Online-Zeitungen dann an ihre Seiten mit Werbung zu überfrachten, so dass wenigstens nicht ganz so viel Verluste produziert werden, was den Nachteil hat, dass es heute Online-Zeitungen gibt bei denen die Nachricht gerade mal 1 Prozent des Seiteninhaltes ausmacht. Der Rest ist gefüllt mit Werbung zu allen möglichen Themen von Kochrezepten bis Singlebörse. Hauptsache der Werbekunde zahlt. Hier wird in vielen Fällen der normale Leser gar nicht mehr beachtet.

Irgendjemand hat dann gemerkt: Je mehr Besucher auf der Seite, desto mehr zahlen ja die Werbekunden. Also hat man versucht mehr Besucher auf die überfrachtete Seite zu bekommen. Hier bot dann vor Jahren Google eine echte Alternative: Google News.

Ganz nach dem Motto des Suchmaschinen-Giganten "Don't be evil" wurde es Verlagen oder besser gesagt Nachrichtenquellen oder Verlegern ermöglicht, Inhalte in Form von Titel und einem kleinen Textauszug auf der Google News Seite zu veröffentlichen.

Die Verlage machen regen Gebrauch von der - KOSTENLOSEN - Möglichkeit, die Google da anbot. Ganz im Sinne einer Demokratie konsolidierte Google alle Nachrichten zu einem Thema und zeigte an, wer darüber berichtet. Toller Service für den Leser. Und auch die Verlage waren glücklich über die vermehrten Zugriffe, die den neuen Dienst natürlich gerne in Anspruch genommen haben.

Um Nachrichten in Google News veröffentlichen zu können ist übrigens ein entsprechender Antrag gegenüber Google notwendig und ggf. sollten auch noch Änderungen an der eigenen Website vorgenommen werden. Von alleine kommen Nachrichten also nicht in die Google News.

Für kurze Zeit knallten die Champagner-Korken in den Redaktionen, weil es jetzt auf einmal massenhaft Zugriffe gab. Das währte nicht lange. Jedenfalls nur so lange, bis die Verlage gemerkt haben, das die Printauflagen weiter sinken und nicht genug Geld in die Kasse kommt. Kurzfristige Erhöhungen der Werbepreise haben halt auch Ihre natürliche Grenze.

Dann wurde hektisch überlegt, wie man sonst noch online Kasse machen kann. Das war dann die Geburtsstunde von ePaper und Co, die teilweise heute noch von manchen Verlagen als Meisterstück des Dilettantismus zu betrachten sind; wer möchte schon am Bildschirm DIN A2-PDFs lesen?

Entsprechende Apps für Smartphones und andere Online-Vermarktungsversuche folgten. Kaum jemand hat in dieser zeit einen Gedanken an die eigentlichen Kunden verschwendet: die Leser. Wir selbst haben schon vor knapp zwei Jahren den Dialog zum Verlagen gesucht und erklärt, welche Leistungen sinnvoll (für uns und so manche Unternehmen) wären und das wir dafür auch zahlen würden, wie für eine normale Zeitung. Pustekuchen! Die meisten haben gar nicht kapiert, was wir wollten.

Dann kam mit einem Mal die große zündende Idee! eigentlich klaut Google uns ja Inhalte und veröffentlicht diese selbst (Das dies im Auftrag passiert, interessiert ja niemanden, schon gar nicht den Springer Verlag).

Also wird der Ruf laut, das Google gefälligst für die Veröffentlichung zahlen soll. Das muss sich noch mal langsam in Logik-Häppchen reintun: Google bietet einen kostenlosen Dienst an. Verleger müssen sich dort quasi bewerben und werden aufgenommen. Dann packen diese dort Nachrichten rein. Und fordern dann Geld von Google, weil die die Dreistigkeit haben und die Inhalte des Verlegers veröffentlichen. Wie bitte?

Weil der erste Ansatz nichts bringt, rennen die Verlage zu Mutti (Angela Merkel) und weinen sich dort aus. Also muss ein Gesetz her. Weil, wenn wir weniger Zeitungen verkaufen, dann machen wir Pleite und müssen Leute entlassen. Ja, doof, aber das nennt man unternehmerisches Risiko. Wenn ich als Inhaber oder Chef zu blöd bin mich dem Markt anzupassen, dann ist es Zeit die Bude zuzumachen (was im Falle der BILD wohl auch kein Fehler wäre).

Google kontert dann elegant und sagt: Wir können euch ja aus unserem Dienst rausnehmen. Ja klar, das will aber auch keiner. Denn die Millionen von Zugriffen, die die Verlage von Google News erhalten werden natürlich verzweifelt gebraucht. (Liebe Verlage! Veröffentlicht doch mal bitte eine Statistik über Zugriffsquellen!) Wettbewerbsverzerrung nennt so mancher Verlag die Drohung dessen Inhalte aus dem Index zu werfen.

Letztendlich hat Google einen taktischen Fehler gemacht. Wäre das Angebot von Anfang an kostenpflichtig gewesen, so wäre die Diskussion kaum entstanden. Dann hätten die Verlage gleich gewusst, das diese Art der Werbung für sie Geld kostet.

Heute werfen die Verlage Google vor, mit den News-Seiten horrende Einkünfte zu erzielen. Ein Blick auf die News-Seite zeigt jedoch, das dieser Dienst komplett Werbungs- und Anzeigenfrei ist. Woher bekommt Google also die Kohle?

Die Verlage werfen Google vor nicht sachlich zu diskutieren. Schaut man sich die Interviews und Statements an, dann merkt man jedoch schnell, dass das nicht stimmt. Die Verleger wollen schlichtweg Geld dafür kassieren, weil sie über Leistung nicht mehr punkten können.

Eine Ausnahme allerdings muss man den Verlagen zugestehen: Es gibt so manche Seite, die als News-Aggregatoren tatsächlich Geld verdienen und keinerlei eigenen Inhalte produzieren und die Verlage auch nicht gefragt haben, ob die Veröffentlichung in Ordnung ist. Hier ist die Einstellung der Verlage durchaus korrekt. Diese Seiten verdienen nur durch Datenklau und gehören platt gemacht.

Allerdings ist durch Plattmachen auch kein neuer Euro verdient, also geht die Debatte um die Staatshilfen weiter und Google ist der Buhmann, weil die ja bekanntlich Geld haben. Außerdem scheint die Diskussion wesentlich einfacher zu sein, als den eigenen kopf einzuschalten und sich neue Geschäftsmodelle zu überlegen, die den Laden wieder rentabel machen. Hier hilft bei vielen Verlagen und Redaktionen allerdings auch der Blick ins Impressum und eine kurze Recherche: Opa und Oma gehören nicht wirklich zur Generation Web 2.0.

Zu krass ? Kommentare sind natürlich willkommen.


 
 
 
Wir unterstützen:

IGEL
Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage

leistungsschutzrecht.info
 
 
 




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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Themenbereiche:

Leistungsschutzrecht | Zeitung | Internet

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Verlage (16) | Zeitungssterben (5) | Kommentar (56) | Abzocke (13) | Leistungsschutzrecht (12)




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