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Die Top 5-Solargemeinden in Deutschland

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Die Top 5-Solargemeinden in Deutschland

18.09.12  07:00 | Artikel: 954603 | News-Artikel (Red)

Die Top 5-Solargemeinden in DeutschlandIn Brandenburg und Schleswig-Holstein liegen fünf Orte, die die Spitze der deutschen Photovoltaik-Nutzung ausmachen. Nirgendwo sonst in der Republik ist mehr Solarleistung zur Stromerzeugung installiert.

Vor dem Hintergrund sich verändernder Förderbedingungen für Solarenergie durch die Bundesregierung und den schon länger anhaltenden Diskussionen zwischen Politik und der Solarindustrie zeigen diese Gemeinden, wie die Energiewende in die Tat umgesetzt werden kann. Sie ebnen den Unternehmen und Privatleuten den Weg für die Installation sauberer Sonnenkraftwerke und stehen außerhalb jeder Kritik, die Energiewende würde nicht wirklich Fahrt aufnehmen.

Da wird nicht gebremst; da wird gebaut und umweltverträglich Strom produziert.

Selbstverständlich geht das auch bei kleinen Gemeinden nicht im Eilverfahren. Entsprechende Verwaltungsverfahren müssen ordnungsgemäß durchlaufen werden und insbesondere Fragen zum Naturschutz werden genauestens unter die Lupe genommen. Erst wenn alle offenen Punkte geklärt sind steht der Umsetzung von Projekten jeder Größenordnung nichts mehr im Wege.

Auf Basis der aktuellen Daten der Bundesnetzagentur, in der Solaranlagen bis inkl. Juni 2012 erfasst sind, ergibt sich folgende Rangliste*:

  • 03238 Finsterwalde, Brandenburg, Landkreis Elbe-Elster mit insgesamt 96.141 kW Anlagenleistung, bei 187 installierten Anlagen

  • 24852 Eggebek, Schleswig-Holstein, Landkreis Schleswig-Flensburg mit insgesamt
    88.180 kW Anlagenleistung, bei 115 installierten Anlagen

  • 01968 Senftenberg, Brandenburg, Landkreis Oberspreewald-Lausitz mit insgesamt
    84.005 kW Anlagenleistung, bei 67 installierten Anlagen

  • 16909 Wittstock/Dosse, Brandenburg, Landkreis Ostprignitz-Ruppin mit insgesamt
    77.309 kW Anlagenleistung, bei 157 installierten Anlagen

  • 03185 Turnow-Preilack, Brandenburg, Landkreis Spree-Neiße mit insgesamt
    73.789 kW Anlagenleistung, bei 136 installierten Anlagen
Die etwa 419 Megawatt Gesamtleistung, die die Gemeinden in Summe bereithalten liefern dann jährlich mehr als 300 Millionen Kilowattstunden sauberen Sonnenstrom. Dies entspricht dem Jahresstrombedarf von mehr als 85.000 Haushalten. Aber die Sonnenkraftwerke liefern nicht nur sauberen Strom, sondern sparen auch jährlich rund 250.000 Tonnen des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 ein.

Schaut man sich die Datengrundlage genauer an, so stellt man fest, das durchweg Anlagengrößen in großer Bandbreite realisiert wurden. Private oder industrielle Dachanlagen im Bereich 5 kW bis 300 kW sind ebenso vorhanden, wie große
Megawattparks.

Wir haben die Gemeinden auf ihren Status angesprochen und um ein paar Erklärungen und Stellungnahmen ersucht, die zum Teil gerne abgegeben wurden. So z.B. die Solargemeinde Nummer 1, Finsterwalde:

Logo der Stadt FinsterwaldeGelegen im Süden Brandenburgs und damit in einer Region, die geprägt ist von reichlich Sonnenschein, lebt Finsterwalde sein Stadtmotto: "Sängerstadt Finsterwalde – Bei uns spielt die Musik", auch auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien.

"Dass wir mit rund 100 MW installierter Leistung im Bereich der Solarenergie ganz weit vorn rangieren würden, wussten wir", so Bürgermeister Jörg Gampe. "Nun aber bestätigt zu bekommen, dass damit auch Platz 1 in ganz Deutschland verbunden ist, das freut uns natürlich ganz besonders und erfüllt uns auch mit gewissem Stolz", so Gampe weiter.

Erfreulich dabei ist, dass die Anlagen nicht in Konkurrenz zu einer möglichen landwirtschaftlichen Nutzung stehen, da sie auf ehemaligem Bergbaugelände und damit Konversionsflächen errichtet wurden. Finsterwalde beschreitet somit neue Wege innerhalb einer historisch geprägten Energieregion. "Auch künftig wird Finsterwalde mit dem Schlüsselthema Energie verbunden sein, insbesondere weil wir hier vor Ort eine starke industrielle Struktur haben, die den Produktionsfaktor Energie natürlich im Auge hat", so der Bürgermeister ergänzend. "Ein nachhaltiger, sauberer und vor allem bezahlbarer Energiemix ist daher notwendig, um den Erneuerbaren Energien auch die notwendige Akzeptanz zu verschaffen".

Seitens der Stadt gilt es in diesem Zusammenhang für die notwendige Bewusstseinsbildung und Wertschöpfung vor Ort zu sorgen. Ein Baustein auf diesem Weg ist das verstärkte Engagement der Stadtwerke im Bereich der Erneuerbaren Energien. Regionale Akteure sind die besten Multiplikatoren, um die Energiewende zu erklären und voranzubringen. In Finsterwalde werden daher, wo wirtschaftlich sinnvoll, planerische Weichen unternehmerfreundlich gestellt und die Voraussetzungen geschaffen, um in der Stadt zu investieren.

Für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien ist es jedoch notwendig, dass der Energietransfer im doppelten Sinne realisiert wird. Es gilt den erzeugten Strom mittels Ausbau geeigneter Leitungsnetze zum Abnehmer zu transportieren und die Entwicklung von Speichermedien voranzutreiben. Die Bedingungen in Finsterwalde sind dafür mehr als günstig und erlauben es, dass die Sängerstadt auch künftig im Hinblick auf Erneuerbare Energien den Ton angibt.

Dass der Bau einer großen Solaranlage nicht immer reibungslos verläuft, ist aus der Zusammenfassung der Gemeinde Turnow-Preilack ersichtlich. Hier waren erhebliche Altlasten während der Bauphase zu beseitigen, da der Park auf ehemals militärisch genutztem Gelände gebaut wurde. Jetzt profitieren Natur und Besucher:

Wappen der Gemeinde Turnow-PreilackSeit nunmehr 3 Jahren ist der Solarpark Lieberose am Netz und hat mehr als 200 Mio. KWh CO2 freien Strom produziert.

Vor fast 2 Jahren ist dann die Erweiterung ans Netz gegangen, so dass nunmehr jährlich 71 MW Leistung der erneuerbaren Energie zur Verfügung stehen.

Mit den vorhandenen Einnahmen sind mehr als 500 ha Fläche von allen gefährlichen Abfällen und der Munition beräumt. Insbesondere Chlorverbindungen wurden beim Übungsbetrieb der chemischen Truppen verwendet und gelangten ins Grundwasser.

Es wurden im Laufe der Zeit 718 Fässer mit z.B. Chlorpekrin gefunden. Darüber hinaus 118 Minen, 1.892 Granaten in der Größe von 5 bis 5 cm, 950 Raketen und vieles mehr. Leider sind auch unzählige ausgeschlachtete Altbatterien gefunden worden, die sicher erst kurz nach der Wende ihren Weg auf den Truppenübungsplatz gefunden haben.

Im Juli 2009 wurde dann auch etwas gefunden, was bisher alle vermutet haben, aber bisher aber nicht nachgewiesen werden konnte - eine Kiste (so groß etwa wie der Rotkreuzkasten im Kfz) mit tödlichem Inhalt. Es waren Gläschen mit mehreren Gramm Yperit, Diphosgen, Blausäure, Lewisit oder Adamsit.
Glücklicherweise konnten alle diese Dinge fachgerecht entsorgt werden.
Für die gesamte Entsorgung hat der Landesbetrieb Forst mehrere Millionen Euro vorfinanziert, die erst im Laufe der Zeit über die Beteiligung an der Energieeinspeisung wieder zurückfließen. So konnte eine große Fläche für die Waldbesucher wieder gefahrlos begehbar gemacht werden.

Doch auch für den Artenschutz hat der Bau des Solarparks positive Wirkungen hervorgebracht. Die Flächen werden jährlich kontrolliert um die Artenzusammensetzung bei Tieren und Pflanzen gegenüber dem optimalen Zustand einzuschätzen. Die Flächen um die Solarparks sollen dem Biotoptyp "Trockene europäische Heiden" entsprechen. In diesem Zustand sind sie auch vor einigen Jahren unter Schutz gestellt und als Europäisches Schutzgebiet ausgewiesen worden. Auf Grund der Gefahren, die von Munition und Altlasten ausgingen war jedoch eine Beweidung oder eine Entnahme von Bäumen nicht möglich. So verschlechterte sich der Biotopzustand immer mehr. Gerade die Vogelarten Heidelerche und Brachpieper fanden nicht mehr optimale Brutbedingungen.
Durch die jährliche Pflege, finanziert durch den Betreiber der Parks, kann der optimale Zustand für die Vogel- und Pflanzenarten erhalten werden. Gerade jetzt zur Heideblüte kann dort die Schönheit der Natur bewundert werden.

Mit den jährlichen Einnahmen aus der Stromerzeugung wird die Forstverwaltung auch weiterhin Flächen der Lieberoser Heide von Altlasten und Munition befreien und für Waldbesucher öffnen.

Die Mehrzahl der verbauten Photovoltaikplatten (90 %) wurden in Frankfurt/Oder hergestellt und haben dort für mehrere Monate ca. 600 Beschäftigten Arbeit gegeben. Sollte ein Abbau der Platten nach 20 Jahren erfolgen ist bereits jetzt eine Bankbürgschaft hinterlegt worden, um dann mit diesem Geld die Platten entsorgen zu können.
Als Eigentümer der Fläche sind wir jedoch daran interessiert, dass zu diesem Zeitpunkt die modernsten Photovoltaikplatten auf die dann immer noch funktionstüchtigen Gestelle montiert werden, um weiterhin umweltfreundlich Strom erzeugen zu können.

Bei der Eröffnung des Parks im August 2009 wurde von einem ökologischen Leuchtturmprojekt gesprochen (siehe auch www.solarpark-lieberose.de). Diese Feststellung gilt nach wie vor, denn neben den Arbeitsplätzen haben auch der Natur- und Umweltschutz von dieser Anlage profitiert.

Solarparks der Megawattklasse haben im Vergleich zu konventionellen Kraftwerken einen entscheidenden Vorteil: Sie können in sehr kurzer Zeit installiert und ebenso schnell am Ende der Laufzeit rückgebaut werden.

Auch die Gemeinde Senftenberg blickt mit Stolz auf ihre großen Solarparks, wie ein paar Statements deutlich machen:

Wappen der Gemeinde SenftenbergZur Einweihung im September 2011 sagte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck: "Solare Großkraftwerke wie die Anlagen hier in Senftenberg und Schipkau spielen eine immer wichtigere Rolle für die Deckung des Energiebedarfs von Deutschland und beschleunigen die angestrebte Energiewende. Brandenburg ist im Vergleich zu anderen Bundesländern führend beim Ausbau und bei der Förderung erneuerbarer Energien."

Senftenbergs Bürgermeiser Andreas Fredrich begrüßt die getätigten Investitionen: "Aufgrund hoher Sonneneinstrahlung, der Vielzahl ehemaliger Tagebauflächen sowie ausgebauter Energienetze ist unsere Region ein idealer Standort für große Photovoltaikanlagen. Unsere Stadt profitiert nicht nur von den zu erwartenden Gewerbesteuereinnahmen, sondern auch von den lokal vergebenen Bau- und Betriebsführungsaufträgen."

Besonderes Augenmerk wurde bei der Planung der Anlage auf die Berücksichtigung naturschutzrechtlicher Belange gelegt. Torsten Käsch, Geschäftsführer des Projektentwicklers unlimited energy GmbH, erläutert: "Für die Feldlerche haben wir insgesamt 24 ha Ausgleichsflächen außerhalb der Photovoltaikanlage eingerichtet. Darüber hinaus sind die PV-Modulreihen eingebettet in Wind- und Grünschutzstreifen, die als Lebensraum für Vögel bedeutsam sind."


Werden Megawattparks geplant, so regt sich in vielen Fällen Widerstand. Das dieser jedoch überwunden werden kann und die ökologischen Belange bei jedem Bau berücksichtigt werden, zeigen diese Beispiele. Im Falle des Solarparks Lieberose ist die Umwelt sogar sauberer als zuvor.

Wir gratulieren den Gemeinden zu ihrem wirtschaftlichen und ökologischen Erfolg.




www.finsterwalde.de
www.senftenberg.de
www.peitz.de (Turnow-Preilack)





_______________
* Die Auswertungen basieren auf den Daten der Bundesnetzagentur bis inkl. Juni 2012 und sind bezogen auf die Postleitzahl. Bei Großanlagen kann die installierte Leistung größer sein. Dann wurden die Anlagenteile jedoch nicht unter gleicher PLZ registriert.





Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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Themenbereiche:

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Top5-Solargemeinden | Detuschland | Portrait | Stellungnahme (6) | Bürgermeister (2) | Natur (20) | Auszeichnung | 01968 Senftenberg | 03185 Turnow-Preilack | 03238 Finsterwalde




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