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Kommentar: Websiteoptimierung (SEO): die dunkle Seite der Macht

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Kommentar: Websiteoptimierung (SEO): die dunkle Seite der Macht

19.09.12  06:00 | Artikel: 954606 | Proteus Statement

Kommentar: Websiteoptimierung (SEO): die dunkle Seite der MachtDon't be evil - Sei nicht böse

Das ist das (informelle) Motto des Suchmaschinengiganten Google. Man mag in vielen Bereichen über Google denken, wie man will ... Datenschutz, Werbung, Leistungsschutzrecht ... bei der Webseiteoptimierung gibt Google ganz klare Regeln vor, wie man besser in den Ergebnissen gelistet werden kann. Nur einzigartige, qualitativ hochwertige Inhalte haben laut Google auf Dauer die Chance sich nachhaltig zu etablieren.

Natürlich ist der Weg unter Umständen anstrengend. Und so manches Unternehmen, vor allem die mit richtig Geld, möchte abkürzen. Und geben richtig Kohle dafür aus, möglichst schnell auf Position eins zu stehen. Dass dabei die Regeln, die Google mal aufgestellt hat nicht unbedingt eingehalten werden, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

In den letzten Monaten reagiert Google auf die Techniken der verschiedenen Anbieter, die es mehr oder weniger geschafft haben die Bots und Algorithmen auszutricksen. Immer öfter werden entsprechende Anpassungen vorgenommen, um die schwarzen Schafe bzw. die Websites abzustrafen, die ihren Rang nicht verdient haben. Stichwort: Panda-Update.

Um ein möglichst gutes Ranking in den Ergebnislisten zu erreichen, schrecken Firmen, Institutionen und Politiker mittlerweile jedoch vor nichts mehr zurück.

Online-Werbung in Form von bezahlten Werbebannern mag ja noch in Ordnung sein. Hinweise setzen und Aufmerksamkeit erregen ist ja legitim. Das Kaufen Tausender Links über Linkfarmen ist da schon eher kritisch zu betrachten. Vor allem weil Google diese Sites immer öfter prüft und feststellt, dass diese gar keine eigenen Inhalte mehr haben; nur noch Links und blödsinnige, Keyword-optimierte SEO-Texte.

Ruft ein User diese Seiten auf, so klickt dieser schnell wieder Weg. Nichts, was von Interesse wäre. Hier geht es nur um Manipulation. Das Erschleichen von Leistungen, die zwar teuer bezahlt werden, aber nicht wirklich erarbeitet wurden.

Das neue Produkt soll natürlich innerhalb kürzester Zeit auf Platz eins stehen. Ganz egal, ob es das Wert ist, oder nicht. Mittlerweile geht Google aber dazu über, verdächtige Seite genauer zu prüfen. Notfalls auch per Hand, also quasi per Mensch, wie jüngst wieder berichtet wurde. Irgendwo sitzen also Mitarbeiter, die den ganzen Tag Websites aufrufen und gruppieren, klassifizieren, bewerten oder abstrafen. Guter Ansatz.

Ein auch nicht mehr so ganz alter Trick ist das Engagement in sozialen Netzwerken. Irgendwann haben die Marketingabteilungen der großen Unternehmen mitbekommen, dass mehr Follower oder Freunde ein höheres Rating bewirken können. Mehr Interaktion gleich mehr Interesse der User. So werden in diesem Bereich de facto Freunde und Follower eingekauft, die dann künstliche Gespräche auf Pinnwand und Co. initiieren. Der Aufwand dabei ist immens. Die Kosten oft ebenso. Die Ehrlichkeit bleibt dabei auf der Strecke. Mitunter ein Beweis, das die großen Unternehmen, vermutlich hauptsächlich die Markenunternehmen, die User und damit Kunden eigentlich nur für dumm verkaufen.

Gut, Marketing war schon immer professionelles und kreatives Lügen. Aktuell ist das aber teilweise so dreist, dass es realitätsfern ist und einem schon fast die Cerealien hochkommen.

Welche Personen außer Marketingmitarbeiter haben noch im Tagesgeschäft mit Unwahrheiten zu tun?
Klar Vorstandsvorsitzende und Co. auch, aber denken wir mal an Politiker. Genau.

Die machen derzeit genau das Gleiche. Statista veröffentlichte jüngst eine Grafik über die sog. Fake-Follower bei Politikern. Da findet man Namen wie Gregor Gysi (gut, das wundert jetzt nicht so), Peter Altmaier (das schon eher), Hubertus Heil, Christian Lindner (zählt ein virtueller Follower bei der FDP auch als Mitglied?) oder Kristina Schröder.

Die Liste ist vermutlich gut weiter zu führen. Sind es die Politiker selbst? Sind es die Berater? Sind es die Firmen, die auf Staatskosten richtig Kasse machen wollen? Man weiß es nicht genau. Trotzdem sehe ich eine Gefahr in diesen Fake-Followern. Wie weit ist der Schritt vom
Internet-Betrug über gefälschte User bis zum Wahl-Betrug?

Google kennt die Techniken wohl alle. Die (erwünschten) White-Hat-Methoden, wie auch die (dreckigen) Black-Hat-Methoden, wie diese im internen Sprachgebrauch von Google genannt werden. Bleibt zu hoffen, dass Google sich schneller entwickelt, als die Marketing-Budgets der Markenunternehmen. Aber vermutlich wird dann der Klageweg gegen Google beschritten.

"Wir haben betrogen und viel Geld dafür investiert. Da können die uns doch nicht einfach aus dem Index rauswerfen. Das ist ja wettbewerbsverzerrend."

Kommt einem irgendwie bekannt vor oder?






Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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Themenbereiche:

Kommentar | Proteus | Google | SEO

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