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Kurios: Offshore-Haftungsumlage - kassieren wenns nicht funktioniert

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Kurios: Offshore-Haftungsumlage - kassieren wenns nicht funktioniert

19.11.12  09:20 | Artikel: 954801 | Proteus Statement

Kurios: Offshore-Haftungsumlage - kassieren wenns nicht funktioniert»Der Ausbau von Offshore-Windparks gilt als zentraler Punkt der Energiewende.« schreibt das Handelsblatt vor einiger Zeit in einem Bericht über die Energiewende und die neue Offshore-Umlage. Wer diese Aussage festgelegt hat, ist allerdings unklar. Kaum jemand in der Branche der erneuerbaren Energien sieht in der Offshore-Stromerzeugung den zentralen Punkt.

Viel mehr sind es wieder mal die großen Vier: Vattenfall, RWE, E.On und EnBw, die solche Aussagen in die Medien bringen. Noch ist die sog. Offshore-Haftungsumlage gesetzlich nicht verabschiedet worden; aber das ist wohl nur noch eine Frage der Zeit.

Viele Bürger sind sich mit Branchenvertretern und Experten einig: Strom sollte möglichst dort erzeugt werden, wo er auch benötigt wird. Wird der Ausbau der erneuerbaren Energien, hauptsächlich Photovoltaik und Windkraftanlagen, in ganz Deutschland vorangetrieben, so gibt es nur kurze Wege von der Erzeugung bis zum Verbraucher.

Dieser Ausbau ist den großen Energieversorgern allerdings ein Dorn im Auge. Denn, hier ist für das eigene Unternehmen nichts verdient. Und Aktionäre können ja bekanntlich lästig werden.

Der Plan lautet nun: Ausbau der Windenergie auf hoher See. Nur große, finanzstarke Unternehmen können sich solch kapitalintensiven Bauvorhaben leisten. Läuft so eine Anlage dann mal, ist damit auch gut Geld verdient. Ausgehandelt wurde ja auch, das es mehr Geld für Wind-Energie gibt. Das dann der Strom jedoch am anderen Ende von Deutschland gebraucht wird, ist kaum ein Hindernis. Dafür werden dann schnell mal neue Leitungen geplant, um die erzeugte Energie bis nach Garmisch zu transportieren. Steht im aktuellen »Netz-Entwicklungsplan Strom«.

Was hat es aber jetzt mit dieser Offshore-Haftungsumlage auf sich?
Wir wollen das mal mit ganz einfachen Worten versuchen darzustellen:


  • Der Energieversorger - nennen wir ihn RheinWasserStrom AG (RWS) - möchten eine Anlage in der Nordsee errichten, weis jedoch, dass es von dort noch kein Anschlusskabel zum Festland gibt. Den Anschluss muss der sog. Übertragungsnetzbetreiber machen - nennen wir ihn Tee-Net.
  • Tee-Net hat aber kein Geld für die neuen Leitungen, ist aber eigentlich verpflichtet, diese zu legen.
  • RWS weiß das, baut aber trotzdem den geplanten Windpark.
  • Bei Fertigstellung wendet sich RWS wieder an Tee-Net und will den Anschluss haben.
  • Tee-Net hat immer noch weder Zeit noch Geld dafür.
  • Also verklagt die RWS Tee-Net auf Schadenersatz.
  • Da Tee-Net ja bekanntlich kein Geld hat und sonst Pleite machen würde, ruft man dort in Berlin an und sagt, dass es jetzt finanziell ein wenig eng wird.
    Ob man da nicht was machen kann.
  • Kann man natürlich.
    Politik und Tee-Net einigen sich darauf, dass die Kosten, die man sich durch die Klage eingehandelt hat, auf den Endkunden abgewälzt werden. Das bedeutet also, das der RWS Schadenersatzzahlungen von Tee-Net bekommt, solange der Windpark nicht am Netz ist. Tee-Net bekommt das Kleingeld dann vom Endkunden wieder.
    Dafür machen die Politiker ein Gesetz.
  • Da das nicht so richtig gut ankommt beim Wähler, müssen die Politiker das ein wenig anders verpacken.
  • Windkraft ist eine gute Sache. Energiewende und so. Muss ja irgendwie.
    Und bei Fahrlässigkeit muss Tee-Net ja schließlich auch was zahlen. So einigt man sich.
  • Frau Aigner sagt dann, die Risikoverteilung sei zugunsten der Verbraucher verändert worden.
    Na, dann ist ja gut.


An die Alternative hat irgendwie keiner gedacht. Dass man dem Energieversorger einfach sagt:
leg doch selbst ein Kabel.
Will er ja nicht, ist ja teuer. Und rechnet sich auch nicht.
Gut, soll er es doch sein lassen mit dem Windpark im Wasser.
Will er aber auch nicht, Aktionäre und so. Außerdem gibt’s ja noch Geld von der EU; bei alpha ventus waren das 30 Mio. Euro.
Kleingeld.
Deshalb eben die Sache mit der Umlage. Klappt ja immer wieder gut.

Aber Stopp, jetzt haben wir was vergessen. Endkunden sind ja quasi alle Stromverbraucher. Gibt auch solche, die richtig viel Strom brauchen. Die müssen natürlich nichts zahlen. Warum?
Die waren auch schon in Berlin und haben einen eigenen Deal.
Muss man respektieren.
Schließlich hackt ja eine Krähe der anderen kein Auge aus. Sie kennen das.




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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Themenbereiche:

OffShore | erneuerbare Energien | Energiepolitik

Schlagworte:

Offshore-Haftungsumlage (3) | Offshore-Windpark (4) | Energiewende (372) | Energieversorger (64) | Aktionäre | Netz-Entwicklungsplan Strom | EU-Förderung | Subvention (30)




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