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Stromausfälle: Bleibt der Tannenbaum zu Weihnachten beleuchtet?

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Stromausfälle: Bleibt der Tannenbaum zu Weihnachten beleuchtet?

11.12.12  09:30 | Artikel: 954854 | Proteus Fach-Artikel

Stromausfälle: Bleibt der Tannenbaum zu Weihnachten beleuchtet?Da gibt es tatsächlich jede Menge Leute, die Angst haben, dass es jetzt im Winter einfach mal dunkel wird.
Stromausfall und so. Weihnachten ohne Licht.
Spricht eigentlich nichts dagegen. Mit Kerzen ist ja viel besinnlicher, und auch mal die Blockflöte wieder rausgeholt, statt Christmas-Songs von der CD. Aber mal ohne Flachs: Viele haben wirklich diese Bedenken.

Das Thema Stromausfälle war sogar in den letzten Tage eines der Top-Themen im Radio. SWR3 berichtete, dass es laut einer Umfrage sehr viele Leute gibt, die Angst vor Blackouts haben. Dies sei auch ein Grund dafür, das so wenige Menschen ihren Stromanbieter wechseln würden. Die erneuerbaren Energien machen das System ja instabil.

Hier wird wieder deutlich, wie viel Aufklärung und Information der Endkunde noch benötigt. Informationen, die wir, die in der Branche der erneuerbaren Energien tätig sind, den Bürgern vermitteln müssen. Die Panikmache vor Stromausfällen ist in keiner Weise gerechtfertigt und meist gewünschte Propaganda der Energieversorger.

Dabei geht es um folgende Missverständnisse:

Ein Wechsel des Stromanbieters erhöht das Risiko des Ausfalls. Klares NEIN. Es gibt über Tausend Stromanbieter auf dem freien deutschen Markt. Letztendlich wird der Strom aber über die jeweiligen Netzbetreiber bis zum Kunden geliefert. So ist es durchaus möglich, den Strom von einem Hamburger Anbieter zu beziehen, aber an den Leitungen eines Netzbetreibers aus Konstanz angeschlossen zu sein. Das Risiko eines Stromausfalles besteht nur von Seiten der Netzbetreiber. Ein Wechsel des Energieversorgers, weg von der Grundversorgung, bringt in vielen Fällen nur eine monatliche Ersparnis beim Strompreis; kein erhöhtes Risiko.

Aber es heißt doch immer, das die Energiewende das Netz instabil macht und es dadurch zu Ausfällen kommen kann?

Richtig ist, dass die erneuerbaren Energien heute schon mehr als 25 Prozent unseres Energiebedarfs decken können. Allerdings kann es durch das Wetter tatsächlich einmal passieren, das es für kurze Zeit nicht genug Wind und Sonne gibt, um die Nachfrage decken zu können. Dies ist eben vor allem in den Wintermonaten möglich. Dieser Engpass entsteht aber nicht durch den Aufbau von Photovoltaik- und Windkraftanlagen oder die Einspeisung in die Netze sondern resultiert eigentlich aus dem Abschalten der Atomkraftwerke.

Wären die erneuerbaren Energien nicht so rasant ausgebaut worden, wäre das Stromangebot noch wesentlich geringer, als derzeit; auch im Winter. Bei niedrigen Außentemperaturen im Winter und viel Sonne erreichen Solaranlagen erst ihre höchste Leistungsfähigkeit, sofern diese nicht mit Schnee bedeckt sind.

Für den Fall, dass die aktuell produzierte Energiemenge nicht ausreicht, hat die Bundesnetzagentur die sog. Kaltreserve in den letzten Monaten geplant und dabei auf die Erfahrungen im letzten Winter zurückgreifen können. Insgesamt stehen 2,5 Gigawatt an Kraftwerksleistung zur Verfügung, die sehr kurzfristig die fehlenden Energiemengen produzieren und ausgleichen können. Selbst wenn diese nicht reichen würden, wäre ein Transfer aus dem Ausland jederzeit möglich. Dass alle Staaten rund um Deutschland Engpässe haben, ist kaum ein realistisches Szenario.

Letztendlich hört man bisweilen, dass die Energieversorger solche Blackouts auch provozieren würden, um damit zu demonstrieren, dass die Energiewende zu schnell vonstatten geht und dies folgen haben kann.

Energieversorger und Netzbetreiber haben üblicherweise zwei primäre Ziele: Geld verdienen und den störungsfreien Normalbetrieb aufrecht erhalten. Bei einem absichtlich ausgelösten Blackout kann nahezu niemand sagen, welche Folgen das Ganze haben wird, welche Schäden auftreten können oder wann der Normalbetrieb wieder hergestellt ist. Dieses Risiko ist auch der Energieindustrie viel zu hoch.

Weihnachten werden wir also wieder im strahlenden Glanz der Lichterketten verbringen können. Aber jeder einzelne kann mithelfen, dass die Kaltreserve gar nicht erst benötigt wird, denn diese besteht auch aus Kohle- oder Gaskraftwerken.

Für den Anfang würde es reichen, eine Lichterkette mit sparsamen LEDs zu verwenden: Die ist nicht mehr wirklich teurer, als die konventionellen, hält aber länger und benötigt nur ein Bruchteil der Energie. Die Energiewende fängt bei jedem einzelnen zu Hause an.




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Netze | Öffentlichkeit

Schlagworte:

Energiewende (541) | Blackouts (6) | Stromausfälle (6) | Bundesnetzagentur (54) | Anbieterwechsel (5) | Kaltreserve (6)




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