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Energiewende: Sicher durch den Winter

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Energiewende: Sicher durch den Winter

13.12.12  06:00 | Artikel: 954874 | News-Artikel (e)

Energiewende: Sicher durch den WinterAn der Versorgungssicherheit wird der Erfolg der Energiewende gemessen. Um für alle Fälle gewappnet zu sein, haben die Netzbetreiber für diesen Winter mehr Reservekapazität unter Vertrag genommen.

Wie immer steigt die Lastkurve an, als die Bewohner aufstehen, duschen und die Kaffeemaschinen anwerfen. Doch an diesem Morgen gibt es plötzlich Probleme an einer Stromleitung im Netz der Stadtwerke München. Um 7 Uhr fällt in der Hälfte der Stadt der Strom aus. Erst nach 90 Minuten stabilisiert sich die Lage.

Auch wenn die genauen Ursachen noch offen sind: Stromausfälle wie diese haben in Deutschland Seltenheitswert. Naturkatastrophen wie Jahrhundertsturm Sandy in den USA, der Millionen Menschen von der Stromversorgung abschnitt, sind hierzulande so gut wie unbekannt. Im europäischen Vergleich gilt das deutsche Stromnetz als sehr zuverlässig. Im Jahr 2011 mussten die Endverbraucher im Durchschnitt nur 15,31 Minuten ohne Strom auskommen. In den Niederlanden waren es dagegen 33,7 Minuten, in Frankreich 62,9 Minuten.

Konventionelle Kraftwerke liefern gesicherte Leistung
Eine sichere Stromversorgung, wie die Menschen sie hierzulande gewohnt sind, basiert auf leistungsfähigen Netzen und gesicherter Kraftwerksleistung. Doch in beiden Feldern gibt es Herausforderungen. So wächst der Anteil erneuerbarer Energien schneller als das Stromnetz ausgebaut wird, und die Stromproduktion der Erneuerbaren schwankt, je nachdem ob der Wind weht oder die Sonne scheint. Konventionelle Kraftwerke gleichen diese Schwankungen aus, sie liefern gesicherte Leistung. Je mehr Strom aus Erneuerbaren es gibt, desto höher ist der Aufwand beim Rauf- und Runterfahren der Kraftwerke. An der Strombörse bekommen die Betreiber derzeit nur niedrige Tarife. Viele Kraftwerke arbeiten unter diesen Bedingungen unrentabel, ihre Eigentümer kündigten jüngst an, die Anlagen vorübergehend stillzulegen.

Aber Kohle- und Gaskraftwerke werden gebraucht, besonders im Winter, wenn es längere Phasen ohne nennenswerte Einspeisung aus Wind und Sonne gibt und der Verbrauch am höchsten ist. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, haben die Netzbetreiber in Abstimmung mit der Bundesnetzagentur deshalb für diesen Winter etwa 2,6 Gigawatt Kraftwerksleistung an Reservekapazität unter Vertrag genommen. Das ist eine Aufstockung um ein Gigawatt gegenüber dem Vorjahr und entspricht in etwa der Leistung von zweieinhalb großen Kohlekraftwerken. Die Reservekraftwerke befinden sich vor allem in Süddeutschland und Österreich. Denn in Süddeutschland ist die Versorgungslage unter Druck geraten, weil hier große Kernkraftwerke außer Betrieb gegangen sind, der Strombedarf aber nicht gesunken ist.

Wie wichtig die Vorsorge ist, haben die Erfahrungen des Winters 2011/2012 gezeigt. Die Lage im deutschen Stromnetz war sehr angespannt. Besonders in den kalten Februarwochen 2012 mussten die Reservekraftwerke in Deutschland und Österreich einspringen. Gaslieferungen aus Russland blieben wegen der Kältewelle aus, in der Folge konnten einige Gaskraftwerke in Deutschland nicht wie geplant laufen. Gleichzeitig stieg der Stromverbrauch hierzulande, und das Nachbarland Frankreich geriet wegen des hohen Anteils von Stromheizungen in Schwierigkeiten, fragte Strom aus Deutschland nach. Die Übertragungsnetzbetreiber mussten in dieser Situation die sogenannte Regelenergie, mit der sie kurzfristige Lastschwankungen und Kraftwerksausfälle kompensieren, zeitweise vollständig ausschöpfen. Um zu verhindern, dass Stromverbraucher vom Netz gehen müssen, stockten sie die Regelenergie unter Einsatz der Reservekraftwerke auf.

Mittelfristige Maßnahmen für Versorgungssicherheit
Für diesen Winter steht deshalb erneut Reservekapazität zur Verfügung. Die Bundesnetzagentur erwartet zwar eine zeitweilig angespannte, aber beherrschbare Lage. Darüber hinaus hat der Bundestag am 29. November eine Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes beschlossen, die die Versorgungssicherheit weiter erhöht:

  • Kraftwerksbetreiber müssen Stilllegungspläne zwölf Monate im Voraus bei Übertragungsnetzbetreibern und Bundesnetzagentur ankündigen.

  • Systemrelevante Kraftwerke können bei Gefährdung der Versorgungssicherheit gegen Kostenerstattung als Netzreserve in Betrieb gehalten werden.

  • Strom- und Gasnetzbetreiber werden zum engeren Informationsaustausch verpflichtet. Die Eigentümer systemrelevanter Gaskraftwerke müssen feste, nicht unterbrechbare Versorgungsverträge abschließen, soweit dies wirtschaftlich und technisch möglich ist.

  • Im ersten Halbjahr 2013 soll eine bis 2017 befristete Verordnungsermächtigung verabschiedet werden, um die bestehende Praxis der Bindung von Reservekraftwerken zu systematisieren. In begründeten Einzelfällen soll auch der begrenzte Neubau von Reservekapazitäten möglich sein.

Den Vertretern aus Politik wie Industrie ist bewusst, dass diese Maßnahmen spürbar in das Marktgeschehen eingreifen. Sie sind zwar aus Gründen der Versorgungssicherheit derzeit unvermeidlich, dürfen aber nur vorübergehend gelten. Mittel- und langfristig brauchen wir auch hier marktwirschaftliche Lösungen für gesicherte Kraftwerksleistung und ausreichende Reserven.

Diese wie andere Zukunftsfragen kommen im Kraftwerksforum des Bundeswirtschaftsministeriums auf den Tisch. Hier tauschen sich Politik, Energiewirtschaft und Umweltverbände regelmäßig zu wesentlichen Fragen der Stromerzeugung aus. Die nächste Plenarsitzung findet im Februar 2013 statt.




(Quelle: BMWi)


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Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Netze | Öffentlichkeit

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