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Computer, Informatik und junge Leute: Welten treffen aufeinander

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Computer, Informatik und junge Leute: Welten treffen aufeinander

05.06.13  10:00 | Artikel: 955598 | Proteus Statement

Computer, Informatik und junge Leute: Welten treffen aufeinanderDie Ausbildung im Bereich Informatik wird zusehends schlechter; in ganz Europa und nicht nur in Deutschland. Aber das Problem ist wohl eher hausgemacht und hat auch ein bisschen was mit der Entwicklung des Internets zu tun. Ein Kommentar zur Bildungslage. Vielleicht auch mit ein wenig Zynismus.

«Schlechte IT-Ausbildung in Schulen schadet Menschen in EU» so ein Titel bei golem.de. Naja, richtigerweise müsste es «in Europa» heißen, aber zur PISA-Studie erst später was. Vor ein paar Tagen dann die Entscheidung aus Hamburg, Informatik in einigen Schulen nur noch als Wahlpflichtfach anzubieten.

Aktuell gibt es in Deutschland 43.000 freie Stellen für Informatiker und IT-Spezialisten. Doch die Unternehmen finden kaum Leute und so müssen entsprechende Fachkräfte teilweise aus dem Ausland importiert werden.

Doch warum ist das so? Sicherlich spielen zwei Gründe eine Rolle:

klassische Allgemeinbildung ist nicht mehr zeitgemäß

Zum einen hat der allgemeine Bildungsgrad in den letzten Jahren stark gelitten. PISA und Co. belegen, dass wir nicht mehr wirklich das Land der Dichter und Denker sind. Die Hauptschulen sind überfüllt und verschiedene Bildungsminister diskutieren darüber, diese abzuschaffen. Doch damit ist das Problem kaum aus der Welt. Was nutzt eine Zusammenlegung von Schulsystemen, wenn letztendlich das Gleiche dabei rauskommt?

Unser Schulsystem krankt letztendlich schon an den Lehrkräften. Natürlich nicht immer und überall. Sicherlich gibt es viele motivierte Lehrkörper, die den Heranwachsenden auch was beibringen; wenn denn die Saat des Weisheit auf fruchtbaren Boden fällt. Bildungsfern heißt der Euphemismus, wenn man von Schülerinnen und Schülern redet, die entweder "keinen Bock auf Schule" haben oder alternativ den IQ einer dünnen Nudelsuppe.

Konfrontieren Sie doch mal ein paar Jugendliche verschiedener Bildungssysteme mit Begriffen oder Aufgabenstellungen wie "Gewaltenteilung", "Hans-Peter Friedrich", "250 Euro plus Umsatzsteuer?", "Goethe", "Euthanasie", "Flagellantismus", "Joachim Gauck" oder "Currywurst rot/weiß".

Was passiert? - Richtig. Die Currywurst kennt jeder. Sonst gibt es im allgemeinen nur lange Gesichter. Von Bildung keine Spur, trotz Schulabschluss. Die Mehrzahl der heutigen Jugendlichen haben dann mit rund 25 Jahren, freiwillig nicht ein einziges Buch gelesen, kennen aber gefühlt 28.000 Videos bei YouTube.

Klar verändert sich unsere Gesellschaft. Aber tut sie das auch in die richtige Richtung? Ist es nicht im Sinne der Werbeindustrie, dass wir ein Volk von Dummen großziehen, die konsumieren und nicht mehr blöd nach dem Warum fragen?

Der Fehler scheint im System zu liegen; haben doch unsere Damen und Herren Politiker mithin das gleiche Ziel, wie die Werbung.

So kann es nicht verwundern, dass auch im Bereich der Lehrkörper zunehmend Defizite zu verzeichnen sind. Aber gerade auch die Informatik-Ausbildung bietet kaum das, was sie sollte. Vor wenigen Jahren erzählte mir ein Berufschullehrer, der IT-Systemkaufleute ausbildet, das Turbo-Pascal eine der Sprachen sei, die er unterrichten würde. Ich suchte kurz in meiner Tasche, hatte aber ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt keinen Rentenantrag dabei.

Das Internet als Wurzel allen Übels

Das andere Übel heißt schlichtweg "Internet".
Ja sicher, Sie lesen diesen Text hier online. Und wenn Sie bis hierher gekommen sind: Respekt!

Aber das Internet liefert heute zunehmend Antworten für den täglich Gebrauch. Das ist ja prinzipiell gut. Aber was bleibt denn übrig, wenn wir mal offline sind? Keine Kommunikation, kein Gesprächsthema, kein "like"? Und, haben die Heranwachsenden denn die Qualifikation, sich aus diversen Quellen selbst eine Meinung zu bilden und die Verlässlichkeit dieser Quellen einschätzen zu können? Ich glaube kaum. Viel, was im Netz geschrieben, noch besser per Video verbreitet wird, wird ungeprüft geglaubt.

Für die Masse unserer Einwohner ist der Bildungszug mit Sicherheit abgefahren. Und es liegt an uns Eltern, den Kindern und Jugendlichen eine gute Basis zu bieten, die über die schulischen Erfordernisse hinausgeht. Die PISA-Studie hat gezeigt, dass wir im Laufe der Jahre immer weniger auf dem Kasten bzw. in den Köpfen haben. Jetzt belegt eine Studie der Informatikfachgesellschaft Association for Computing Machinery (ACM), dass es im Bereich Informatik in Europa auch desaströs aussieht.

Wie wird sich dann unsere Gesellschaft verändern? Wird esnur noch eine kleine, intelligente Elite geben, die den Dummen sagt wo es langgeht?

Vielleicht lohnt es sich, mal darüber nachzudenken. Oder mit den Kinder darüber zu reden und ein Folge "Die Simpsons" auszulassen für ein gutes Gespräch.


externe Beiträge zum Thema:

Focus: Die Frage nach dem Bildungskanon
Welt.de: Abschied von der alten Allgemeinbildung
Das Programme for International Student Assessment (PISA)
Netzwelt: Endlich bewiesen: Fernsehen macht dumm
Macht das Internet dumm? Dorothee Bär antwortet Prof. Manfred Spitzer

interne Beiträge:

30.05.13: BITKOM zur Herabstufung des Informatikunterrichts in Hamburger Schulen
02.04.13: BITKOM: Mittelständler vernachlässigen IT-Fortbildungen



Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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Themenbereiche:

Internet | Informatik | Ausbildung | Kommentar

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