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PV-Kleinstanlagen bieten enormes Potenzial - zum Nachteil der klassischen Energieversorger

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PV-Kleinstanlagen bieten enormes Potenzial - zum Nachteil der klassischen Energieversorger

19.07.13  09:00 | Artikel: 955760 | Proteus Fach-Artikel

PV-Kleinstanlagen bieten enormes Potenzial - zum Nachteil der klassischen EnergieversorgerDas Europäische Parlament veröffentlichte in den letzten Tagen einen «Entschließungsantrag zur Strom- und Wärmeerzeugung in kleinem und kleinstem Maßstab». Hinter dem etwas merkwürdig klingenden Dokument verbirgt sich jedoch ein guter Ansatz für die dezentrale Energiewende.

Klein- und Kleinstanlagen auf dem Bereich Photovoltaik, Mini-Heizkraftwerke oder andere Kleinanlagen, die in privater Hand sind, sollen dabei stärker berücksichtigt werden. Bisher sei der Bau von Anlagen eher mit hohen Investitionen verbunden - nun hat die EU erkannt, dass auch in Kleinstanlagen großes Potenzial steckt. Hauptsächlich der Eigenverbrauch steht hier im Vordergrund. Eine Einspeisung und eine Vergütung nach dem EEG ist nicht angedacht oder notwendig.

Kleinstanlagen im Bereich der Photovoltaik sind beispielsweise die sog. Balkon-Anlagen, die aus ein bis 4 Solarmodulen bestehen und bis zu einer Leistung von ca. 1 kW betrieben werden können. Erst vor kurzem gab es hier eine rege Diskussion, ob man diese Anlagen denn über die normale Haussteckdose anschließen dürfe (VDE: PV-Kleinanlagen mit Stecker-Anschluss ans Hausnetz nicht erlaubt [Update]). Der VDE und einige Hersteller befinden sich gerade in der Diskussion.

An dieser Stelle soll aber mehr das Potenzial dieser Anlagen dargestellt werden. Dazu nachfolgende Beispielrechnung:

Eine Mini-PV-Anlage mit einem Kilowatt Nennleistung erwirtschaftet bei einer Neigung von 35 Grad und einer Ausrichtung nach Süden ca. 1.020 kWh Energie pro Jahr. Der Wert kann in Abhängigkeit vom Standort leicht variieren. Da nicht jeder Betreiber seine "Balkonmodule" so optimal installieren kann, nehmen wir für die Berechnung auch andere - wesentlich schlechtere - Ausrichtungen mit weniger Ertrag hinzu.

Dabei nehmen wir eine Neigung von 90 Grad an - also quasi an der glatten Hauswand - und berechnen Werte für Süden (672 kWh), Westen (480 kWh) und Osten (468 kWh). Die Datengrundlage bildet hier die europäische PVGIS-Datenbank, die die zu erwartenden Erträge auf Grund von Sonnen-Einstrahlung und Ausrichtung berechnen kann.

Bildet man den Mittelwert dieser vier Installationen, so kommt man auf 660 kWh Energie, die im Laufe eines Jahres erzeugt werden können.

Weiterhin gibt es in Deutschland (basierend auf Daten aus dem Jahr 2012) 40,6 Mio. Haushalte und 18,204 Mio. Wohngebäude (Ein- und Mehrfamilienhäuser - Daten: Statista). Für unsere Beispielrechnung ziehen wir von den Wohngebäuden noch die rund 800.000 bereits bestehenden (gemeldeten) Anlagen ab, so bleiben rund 17,4 Mio. Installationsmöglichkeiten für Kleinstanlagen. Für eine konservative Berechnung unterstellen wir, dass doch nicht jedes Gebäude geeignet ist und nicht alle Bewohner eine Kleinanlage installieren. Gehen wir jedoch mal von 35% aus, die eine Kleinst-PV-Anlage installieren, was dann rechnerisch 6.091.000 Anlagen bedeutet.

Multipliziert man nun die Anzahl der Anlagen mit der möglichen Energiemenge, so produzieren diese in Summe ca. 4 TWh (4.020.324.000 kWh). Bei einem Strompreis von durchschnittlich 27,5 €-Cent sind das dann stolze 929 Mio. Euro plus 176 Mio. Euro Mehrwertsteuer Bei einem Strompreis von durchschnittlich 27,5 €-Cent brutto (23,1 €-Cent netto) sind das dann stolze 929 Mio. € netto plus 176 Mio. Euro Mehrwertsteuer.


Ja, aber was bedeutet denn diese Summe jetzt?

Die Summe von 929.066.470 € fehlt den diversen Energieversorgern - vom Anbieter bis zum Netzbetreiber - in der Kasse. Und dem Staat entgehen nochmals 176 Mio. € an Steuereinnahmen. Korrekter ausgedrückt: Die deutschen Stromkunden kaufen für rund 1105 Mio. € weniger Strom. Das wird so manchen Anbieter nervös machen. Hinzu kommen dann noch die Bestrebungen kleiner und mittelständischer Unternehmen ihre Energiekosten über Energieeffizienz und Eigenverbrauchslösungen zu minimieren.

Da das o.g. Papier dazu noch für die gesamte EU gelten soll, lässt sich schon erahnen, wie denn die Rechnung bei gut 500 Mio. Einwohnern in der Europäischen Union aussieht (die Anzahl der Wohngebäude lässt sich hier nicht ermitteln), zumal auch unsere Energieversorger mittlerweile international agieren. Die möglichen Ausfälle - wenn man das so sagen darf - dürften für ordentlich politischen Zündstoff sorgen. Erfahrungsgemäß versuchen die Großen Vier (und verbundene Unternehmen) die Verluste durch politische Aktivitäten wieder reinzuholen. Letztendlich würde rechnerisch die erzeugte Energiemenge ca. fünf 100MW-Kohlekraftwerke überflüssig machen (Berechnungsbasis).

Ob in diesem Falle jedoch der Endkunde wieder die Zeche bezahlen muss, bleibt offen.

Unser Berechnungsbeispiel gilt nur für die PV-Kleinstanlagen. Nimmt man jedoch auch noch den Bereich der Kleinwindanlagen dazu, so potenziert sich dieser Wert schlagartig nochmals.

Es wird jedoch noch einige Zeit ins Land gehen, bis aus diesem EU-Papier ein Gesetz werden kann. Zu viele Fragen sind bis heute unbeantwortet.

Doch die ersten Ansätze lassen hoffen, denn: die Energiewende gehört in Bürgerhand.

An dieser Stelle noch schöne Grüße an Herrn Öttinger. Wird wohl nicht lange dauern, bis der gekaufte gemietete überzeugte Kohle-und-Atom-Mann wieder gegen den aktuellen Vorstoß wettert.








Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



3 Kommentar(e) zum Artikel.
Kommentar schreiben

Hendrik Dienstag, 23. Juli 2013 um 11:57

27,5 Cent/kWh ist heute (Ökostrom) und inkl. MwSt. Da kann man die Steuer nicht draufrechnen! Und in den 27,5 Cent sind viel mehr Steuern als nur Mehrwertsteuer...

1kWp PV Leistung sind ca. 4 Panels a 250Wp, mit eine Fläche pro Panel von 1x1,7m. Das passt nicht auf den Balkon!

Hallo Hendrik,
danke für deinen Kommentar.

Die Summe von 929 Mio. € ergibt sich aus dem Nettobetrag (0,231). Die Rechnung sollte also richtig sein.
Die Ausgangsgröße 1 kW ist ein Beispiel. In der Realität passt 1 kW tatsächlich nicht auf einen Balkon. Aber die durchschnittliche Größe lässt sich ja nicht berechnen. Insofern haben wir "runde" Zahlen genommen.

Andreas Dienstag, 23. Juli 2013 um 18:37

Zitat [verkürzt: gesamter Text oben inkl. Antwort] Zitat Ende

Hendrik hat recht mit der Steuer (vergleiche die beiden u.g. Zitate)

Zitat aus dem Schreiben: " Bei einem Strompreis von durchschnittlich 27,5 €-Cent sind das dann stolze 929 Mio. Euro plus 176 Mio. Euro Mehrwertsteuer."

Zitat- Kommentar Autor zu Hendtik: «Die Summe von 929 Mio. € ergibt sich aus dem Nettobetrag (0,231). Die Rechnung sollte also richtig sein.»

es sollte wohl heißen «...929 Mio. Euro INCL. 176 Mio. Euro Mwst.»
;-)

Hallo Hendrik, hallo Andreas,
bei solchen Zahlen kann man schon durcheinander kommen und ich gebe zu, dass die Formulierung ein wenig missverständlich ist.

Trotzdem: 27,5 €-Cent brutto sind 23,1 €ct netto plus 4,4 ct Mehrwertsteuer.
Rechnerisch, bitte Taschenrechner rausholen, sind 4.020.324.000 kWh * 23,1 €ct netto = 929.066.470 € netto
Die darauf fällige Mehrwertsteuer beträgt 176.522.629 €
Daraus ergibt sich in der Summe: 1.105.589.099 €.
Gegenprobe: 4.020.324.000 kWh * 27,5 €ct netto = 1.105.589.100 € netto (1€ Rundungsdifferenz).

Könnt ihr das jetzt nachvollziehen bzw. bestätigen oder hab ich noch einen Denkfehler?

Rudolf Mittwoch, 24. Juli 2013 um 14:12

Eine wichtige Angabe fehlt in dem Artikel: Was kosten denn die ganzen PV-Anlagen incl. Montage, Netzanbindung, Zähler-Umbau usw..?
Und wie wird es sich auf die Netzkosten auswirken? Denn jeder "Häuslebesitzer" wird auch weiterhin auf den Versorger angewiesen sein, wenn er nachts das Licht anmachen oder seine Pizza aufbacken will. Oder wenn er im Winter nicht frieren will.

Hallo Rudolf,
bis jetzt war das ganze eine theoretische Betrachtung, weil ja die rechtlichen Anschlussbedingungen noch unklar sind.
Aber danke für den Hinweis. Ich denke über einen Nachfolgeartikel zu dieser Problematik nach.
So ganz unproblematisch ist das ja nicht, das hatte ich schon vor einiger Zeit geschrieben:
Volkswirtschaftliche Gefahren: Eigenverbrauch und Speichersysteme


Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Energiepolitik | international

Schlagworte:

Europäisches Parlement | Kleinanlagen (2) | Photovoltaik (210) | Musterrechnung (2) | Energiewende (372) | Entschliessungsantrag




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