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In 30 Stunden schalte ich das Licht ein (Teil 2)

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In 30 Stunden schalte ich das Licht ein (Teil 2)

24.07.13  09:00 | Artikel: 955773 | News-Artikel (Red)

In 30 Stunden schalte ich das Licht ein (Teil 2)Ausgehend vom Verbraucher, der in 30 Stunden das Licht einschaltet, wird in diesem Teil der Artikelserie auf die beiden “Kundenschnittstellen” der Lastprognose eingegangen: Die Verteilnetzbetreiber und die Stromanbieter (Tarif). Beide führen einen sogenannten Bilanzkreis. Eine solche Bilanz gibt an, wie viel elektrische Energie zu einem Zeitpunkt benötigt wird. Die Bilanzsumme muss immer Null sein. Ist sie unter Null, wird von einer Unterdeckung gesprochen (zuwenig Strom). Ist die größer Null, dann wird von einer Überdeckung gesprochen (zuviel Strom).

Spätestens einen Tag im Voraus erstellen die Bilanzkreisverantwortlichen (BKV) für ihren Zuständigkeitsbereich eine Prognose, wie viel sie in das Übertragungsnetz am Folgetag einspeisen oder entnehmen. Es wird jeweils ein Wert für jede 15 Minuten des Tages ermittelt. Der Verbrauch des einzuschaltenden Lichtes ist in dieser Prognose als kleiner Wert vorhanden. Da über alle Erzeuger und Verbraucher des Bilanzkreises die Prognose erstellt wird, gleicht sich der Fehler im Idealfall aus. Man könnte sich vorstellen, als ob das Licht anstelle bei mir bei meinem Nachbarn eingeschaltet wird.

Da mein Nachbar einen anderen Stromanbieter haben kann wie ich, fängt hier allerdings die erste Herausforderung an. Der Stromanbieter (Tarif) deckt sich unabhängig von meinem tatsächlichen Verbrauch ein. Angewendet wird ein statistisches Verfahren, welches einen typischen “Max Mustermann” Lastgang beschreibt. Der Anbieter, bei dem mein Tarif ist verwendet dafür meinen Jahresverbrauch und teilt diesen in 15 Minuten Blöcke auf. Dieses als Standardlastprofil-Verfahren wird bei (fast) allen Privatkunden angewendet.

In der Summe wird dies irgendwie aufgehen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass am Abend ein Licht eingeschaltet wird ist höher, als um 15 Uhr mittags. Im konkreten Falle (in 30 Stunden) kann dies aber deutlich auseinander laufen. Der Stromanbieter wird den ermittelten Standardwert in seinem Bilanzkreis zur Verfügung stellen.

Es trennt sich das reale Ereignis vom Geldfluss. Ich zahle einen festen Strompreis, der unabhängig vom Aufwand und der Verfügbarkeit elektrischer Energie ist. Mein Stromanbieter deckt sich mit Strom entsprechend dem standardisierten Verbrauchsprofil ein. Im Teil 1 wurde bereits beschrieben, dass das Stromnetz immer in Balance bleiben muss (Summe aus Einspeisung und Summe aus Entnahme gleich groß).. Mein Stromanbieter ist nicht in der Verantwortung dies sicherzustellen.

Der Verteilnetzbetreiber muss aber zur Haltung der Balance mit den realen Verbrauchswerten prognostizieren und sich ebenfalls eindecken. Die Abweichung zwischen dem Standardlastprofil, welcher mit dem Stromanbieter (Tarif) abgerechnet wird und dem realen Lastgang wird vom Verteilnetzbetreiber im Differenzbilanzkreis geführt.

Dieses Konstrukt ist zwar mit der Stromwende entstanden, hat seine Ursache aber eher in der Liberalisierung des Strommarktes, bei dem die “Netze” von den Versorgern (Anbieter) getrennt wurden. Zur Vollständigkeit sei auch gesagt, dass es eine Möglichkeit gibt, dass Verteilnetzbetreiber ohne einen Differenzbilanzkreis auskommen – in der Praxis gibt es diesen Fall allerdings deutlich seltener. Ohne dieses Konstrukt wird ein analytisches Lastprofil verwendet die Notwendigkeit auf Prognosefehler zu reagieren bleibt davon aber gundsätzlich erhalten.

Der Differenzbilanzkreis wird bewirtschaftet, d.h. geht in die Prognose der Entnahme/Einspeisung des Folgetages bei den Übetragungsnetzbetreibern ein. Trifft diese Prognose nicht zu, so muss der Verteilnetzbetreiber positive bzw.. negative Ausgleichenergie zukaufen, wodurch Kosten entstehen.

Der Verteilnetzbetreiber entlastet sich in Form der Netzentgelte gegenüber den Stromkunden. Da ein Verteilnetzbetreiber immer ein Gebiets-Monopolist ist, existiert ein Wettbewerb lediglich bei der Vergabe der Konzessionen. Dort spielen in den Vergabekriterien die Netzentgelte bislang nur eine untergeordnete Rolle.

100% Zufriedenheit setzt sich zusammen aus…
30% Netzsicherheit
25% Effiziente, preisgünstige und verbraucherfreundliche Versorgung
20% Bedingungen des Konzessionsvertrages
15% Kommunale Teilhabe (Energiebeirat)
10% Umweltverträglichkeit
(Quelle: Vergabe der Konzession im Elsenztal)

Im dritten Teil geht es bei der Konsolidierung aller Anfragen im Bereich der Regelzone in Deutschland weiter. Eine Aufgabe, welche von den Übertragungsnetzbetreibern im Zusammenspiel mit den Verteilnetzbetreibern durchgeführt wird.

lesen Sie auch:

23.07.13: In 30 Stunden schalte ich das Licht ein (Teil 1)



Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Energiepolitik | Netze

Schlagworte:

Prognose (40) | Modelle (2) | Stromwende (6) | Geschäftsmodell (34) | Amprion (10) | Prognosefehler (3) | Fördergeldmission (2) | Stromkunde (45) | Wertschöpfungskette (4)




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