Home UnternehmenProdukte
& Lösungen
Kompetenzen
& Services
erneuerbare
Energien
News
& Aktuelles
Impressum
& Kontakt
 
  

Strompreis unter 0

Nachrichten
Aktuelles
Presse
Vorträge, Seminare
& Workshops
Bildschirmauflösungen, Browser, Statistik & Co.
Datenschutz
Suche










Strompreis unter 0

02.09.13  09:30 | Artikel: 955900 | News-Artikel (Red)

Strompreis unter 0Negativer Börsenstrompreis. Gerne ein Horrorszenario, das von den Medien rauf und runter gebetet wird. Doch wer zahlt eigentlich? Die Kurzfassung: Meine Leser, die Bürger, der Stromkunde.

Kommt es zu einem negativen Strompreis, dann muss man zahlen, wenn man Strom in das Netz einspeist und über die Börse verkauft.

Würden Sie etwas verkaufen, wenn Sie dafür auch noch zahlen müssten? Was müssen das für edle Samariter sein, die für die Abnahme einer Ware sogar noch Geld mit dazu geben? Sind es die großen Stromkonzerne, die bei negativen Strompreisen an der Börse dafür sorgen, dass wir etwas von unseren Stromrechnungen “zurück” bekommen?

Die Börsenstrompreise gehen tendenziell nach unten, wovon vor allem die Stromkonzerne profitieren, da sie bereits geschlossene Lieferverträge günstiger durch zugekauften Strom realisieren können. Letztverbraucher spüren davon nichts, da die Netzentgelte steigen, die jedoch nicht auf allen Verbraucherschultern gleich verteilt ist (vergl. das 350 Millionen Euro Geschenk).

Strompreis ChartZwischen niedrig und negativem Strompreis ist noch ein weiter Weg. Ursächlich am niedrigen Strompreis sind die deutlich effizienteren Erzeugungskapazitäten, die durch Windkraft und Photovoltaik in den letzten Jahren zugebaut wurden. Effizienz im ursprünglichen Sinne als Wirtschaftlichkeit (die sich aus dem Verhältnis zwischen Nutzen und Aufwand ergibt). Kein Aufwand für die Verbrennung von Kohle, gepaart mit geringen Betriebskosten, sorgen für geringe Grenzkosten. Geringe Grenzkosten bedeuten, dass man ab einem niedrigeren Preis sein Produkt verkaufen kann.

Keiner speist Strom in das Netz ein, wenn er dafür auch noch etwas zahlen muss…
Was klingt wie eine generelle Aussage, stimmt auch für jenen Sonntag, oder für jeden beliebigen Zeitpunkt. Rein technisch hat jede Anlage die Möglichkeit ihre Einspeisung zu reduzieren, oder sogar vollständig vom Netz zu gehen. Dies gilt für PV-Anlagen, Windkrafträder genauso wie für Atomkraftwerke oder Braunkohlestromer. Die Illusion, dass es irgendwo ein Kraftwerk gibt, dessen Betreiber lustig Strom einspeist und dafür auch noch Geld bezahlt ist paradox.

In dem Moment, indem der Preis unter 0€ am betreffenden Markt (EPEXSpot) fällt, sieht man wie die gehandelte Mengen zurück geht. Irgend wann kommt, es dazu, dass bestimmend für den Preis eine Strommenge wird, die mit dem Wert des Produktes nichts mehr zu tun hat. Man kann sich denken, dass es zu diesem Zeitpunkt keinen Anbieter mehr gibt, der verkaufen will – aber viele, die kaufen würden. Das dennoch ein Preis ermittelt wird liegt an der Opferwurst,die man von der Zubereitung der Bayrischen Weißwurst kennt.

Das die Lichter in Deutschland bei einem negativen Strompreis nicht ausgehen, da es keine Anbieter mehr gibt, liegt an einem (kleinen) Strickfehler des EEG, welches eine Zwangsvermarktung des damit geförderten Stroms auf exakt einem Markt (EPEX Spot SE) vorsieht. Die Anlagenbetreiber können sich dagegen nicht wehren, die Übertragungsnetzbetreiber, sind dazu verpflichtet. Jeder klar denkende Ökonom würde die Vermarktung einstellen, sobald der Preis in den negativen Bereich rutscht. Einfach verschenken – oder die Produktion einstellen ist günstiger. So zahlt der private Stromverbraucher mit seiner EEG-Umlage für einen Differenzbetrag, der lediglich durch eine Opferwurst legitimiert wurde.

In 4 Jahren Schwarz-Gelber Energiepolitik wurde zwar das Problem bereits erkannt, die EEG Novelle 2012 lässt aber eine weitere Hintertür offen. Das Marktprämienmodell wird bei Wikipedia wie folgt beschrieben:

Differenz zwischen der anlagenspezifischen EEG-Vergütung und dem monatlich nachlaufend ermittelten durchschnittlichen Börsenpreis für Strom wird als Marktprämie erstattet, zusätzlich werden die Aufwendungen für die Direktvermarktung durch eine Managementprämie ausgeglichen (neuer Teil der EEG-Umlage)

Es sei gesagt, dass die Direktvermarktung für Strom aus Sonne und Wind der Weg in die richtige Richtung ist. Viele Unternehmen haben sich im vergangenen Jahr zu diesem Modell entschlossen. Eine potentielle Gefahr besteht allerdings, wenn es jemandem gelingt den Strompreis künstlich niedrig oder sogar unter Null zu halten. Mit einer marktbeherrschenden Größe ist dies durchaus ein denkbares Szenario. Der Anbieter würde primär über langfristige Verträge seinen Strom vermarkten zu einem Preis leicht über dem eigenen Grenzkosten aus fossilen Kraftwerken. Über die Börse wird dann vergünstigt – am besten durch EEG-Anlagen im eigenen Besitz (eigene Vermarktung). Zu diesem Zeitpunkt sorgt das fossile Kraftwerk für eine Absenkung der Strompreise, welche durch die EEG-Anlage (Marktprämienmodell) wieder rückvergütet wird. Für den Kraftwerksbetreiber ist es ein Fluss von der rechten Tasche in die linke Tasche.




Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



0 Kommentar(e) zum Artikel.
Kommentar schreiben


Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Energiepolitik | Netze | Stromhandel

Schlagworte:

Börsenstrompreis (19) | Horrorszenario | Stromrechnungen (3) | Erzeugungskapazitäten (3) | Grenzkosten (3) | EPEXSpot (9) | Strommenge (21)




Seite per Mail versenden

Kurz-Link zu dieser Seite: http://psrd.de/@955900







© by Proteus Solutions GbR 2017


Alle hier veröffentlichten Texte, Dokumente und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
Bitte beachten Sie dazu auch die weiteren Informationen unter dem Menüpunkt Mediadaten.
Informationen zum Datenschutz finden Sie in unserem Impressum.



Proteus Solutions GbR , Allmandsteige 11, 78564 Reichenbach
Tel: (0 74 29) 876 91 - 70 oder 0800-50506055, Fax (0 74 29) 876 91 - 77
Spam@proteus-solutions.de

80.147.220.63 - (04.05.2016 14:30:00)


 

verwandte Themen
25.1.17 | Artikel: 980002
bne zum Stromsteuergesetz: «Richtige Entscheidung»

Zum Verzicht auf die Ausdehnung der Stromsteuer auf Solaranlagen im Stromsteuergesetz, erklärt Robert Busch, Geschäftsführer des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft (bne):…

7.7.16 | Artikel: 970060
6 Millionen Euro für neues Forschungsprogramm zur Energiewende

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft hat ein neues Forschungsprogramm namens «Transformation des Energiesystems in Baden-Württemberg – Trafo BW» gestartet.

Diagramme & Infografiken
aus dem Bereich erneuerbare Energien
12.7.16 | Artikel: 970061
SolarContact-Index: Photovoltaik-Nachfrage stürzt ins Sommerloch

Das Interesse an PV-Anlagen ist im zurückliegenden Juni ins Sommerloch gefallen. Mit rund 90 Punkten verharrt der Index unter seinem 12-Monats-Durchschnitt.

15.7.16 | Artikel: 970062
Fell: Deutsche Bank steigt aus der Kohle aus

Seit einiger Zeit findet ein starkes Divestment großer Banken aus der Kohle statt. Getrieben von Verlusten und dem Druck von Umweltorganisationen verlassen immer mehr Unternehmen das umweltschädliche Geschäft.

PVStatistik Deutschland:
installierte Anlagenleistung online abfragen.
11.8.16 | Artikel: 970075
Börsen-Zeitung: Doppelter Milliardenschock - Kommentar zu Eon

Die Verwerfungen der Energiewende treffen Eon mit voller Wucht. Der Energiekonzern wähnte den Kapitalmarkt gut vorbereitet auf den Milliardenschock in der Bilanz.

2.8.16 | Artikel: 970068
30 Prozent Zuschuss für Heizungsoptimierung seit 1. August

Das Bundeswirtschaftsministerium bezuschusst mit einem neuen Förderprogramm den Einbau effizienter Pumpen und die Optimierung der Heizungsanlage.

Besser im Netz gefunden werden.
Optimieren Sie jetzt Ihre Website!
28.9.16 | Artikel: 970084
Südwest Presse: Kommentar zu Energienetz Unter Strom

Im Norden bläst der Wind, so kräftig, dass viel mehr Ökostrom produziert werden kann, als vor Ort benötigt wird. Im Süden dagegen droht elektrische Energie zur Mangelware zu werden, weil hier die letzten Kernkraftwerke 2022 abgeschaltet werden.

25.7.16 | Artikel: 970065
Wenn der Toaster seinen Strom selbst bestellt ...

Auf den Tag genau vor zwei Monaten war blog.stromhaltig auf einer Veranstaltung zum Thema Strommarkt und dessen Digitalisierung. Einer der Diskussionspunkte, die ein Besucher aufbrachte, war «Was ist eigentlich, wenn der Toaster seinen Strom selbst bestellt?».