Home UnternehmenProdukte
& Lösungen
Kompetenzen
& Services
erneuerbare
Energien
News
& Aktuelles
Impressum
& Kontakt
 
  

Lokale Bundestagskandidaten im Interview - Edmond Jäger (Die Linke)

Nachrichten
Aktuelles
Presse
Vorträge, Seminare
& Workshops
Bildschirmauflösungen, Browser, Statistik & Co.
Datenschutz
Suche










Lokale Bundestagskandidaten im Interview - Edmond Jäger (Die Linke)

02.09.13  11:20 | Artikel: 955901 | News-Artikel (Red)

Lokale Bundestagskandidaten im Interview - Edmond Jäger (Die Linke)
Edmond Jäger (Die Linke),
Kandidat im Wahlkreis
Rottweil-Tuttlingen
© linke-bw.de
Windkraft im Ländle und auf hoher See, die aktuelle Diskussion über Strompreise und Ausnahmeregelungen für die Industrie und nicht zuletzt die Energiewende sind zentrale Themen im Wahlkampf geworden und es vergeht kaum ein Tag, an dem diese Themen nicht in den Medien zu finden sind.

Die Bundesparteien haben ein festgeschriebenes Programm. Oft genug jedoch weichen die Meinungen einzelner Kandidaten auf Landes- oder Kommunalebene von diesem Programm ab. Wir haben unsere lokalen Spitzenkandidaten für den Wahlkreis Rottweil - Tuttlingen (285) zum Thema Energiewende befragt.

Der Wahlkreis Rottweil - Tuttlingen verfügt über ca. 200.000 Wahlberechtigte (2009: 200726) und umfasst insgesamt 57 Städte und Gemeinden.

Im vierten Teil veröffentlichen wir die Antworten von Herrn Edmond Jäger, Spitzenkandidat der Linken. Herr Jäger ist 31 Jahre alt, seit 2011 als Gymnasiallehrer tätig und wohnt in Tuttlingen. (weitere Infos zur Person)

Herr Jäger antwortete auf unsere Interviewfragen zu den Themen OffShore-Windkraft und Strompreise mit einer Stellungnahme.

Themenkomplex Offshore-Windenergieanlagen:

Edmond Jäger: Extrem hohe Kosten für Bau und Unterhalt im Vergleich zu Onshore-Windenergie. Die Kosten für den ersten EnBW-Windpark Baltic 1 sind beispielsweise von 200 auf 300 Millionen Euro im Entstehungsprozess explodiert.

Offshore ist ein Investitionsmodell für die vier großen Energiekonzerne, nicht für die neuen Akteure wie z.B. Stadtwerke oder Energiegenossenschaften. Offshore ist damit ein Rettungsanker für die Konzerne, die den Atomausstieg bekämpft haben und nun in wirtschaftliche Not geraten sind.

Die Netzeinspeisung ist bislang nicht gewährleistet. Für den Einnahmeausfall zahlen die Endverbraucher durch die Haftungsumlage. Es ist noch nicht abzusehen, wann der Netzanschluss steht.

Der Bundesverband Windenergie weist darauf hin, dass die Erzeugungskosten durch Offshore-Windenergieanlagen in Verbindung mit der Beanspruchung der Hoch- und Höchstspannungsnetze dreimal so hoch sind wie Onshore-Windenergie. Offshore-Windenergie treibt also maßgeblich die Strompreise für Endverbraucher.

Eine lastferne Energieerzeugung in Norddeutschland (massiver Neubau von Kohlekraftwerken und den Offshore-Windparks) bedeutet einen massiven Ausbau der Übertragungsnetze. Die Betreiber freuen sich natürlich, da der Gesetzgeber ihnen qua Gesetz Renditen zwischen 7 und 9 Prozent garantiert. Zudem soll der Netzausbau als Billigstvariante kommen, d.h. es gibt keinen Zwang zum Einsatz moderner HGÜ-Leitungen (Gleichstrom) oder Erdkabel, sondern es werden die üblichen Oberleitungen in die Landschaft getrieben.

Offshore ist ein massiver Eingriff in die Tierwelt und alles andere als konfliktfrei. Insbesondere die 55.000 Schweinswale in der Nordsee sind massiv gefährdet durch die Schallemissionen der Anlagen und der Baumaßnahmen.

Wo steht DIE LINKE?

DIE LINKE setzt sich für eine dezentrale und lastnahe Energieerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien ein. Die Offshore-Windkraft ist ein Modell zum "Greening" der großen fossil-atomaren Energiekonzerne und kein sinnvoller Ansatz für eine echte Energiewende, insbesondere weil es die Vormachtstellung der großen Konzerne verfestigt. Der Netzausbau ist nach Meinung von Energieexperten nicht notwendig, wenn in Süddeutschland die Erzeugungskapazitäten deutlich ausgebaut werden und Energie eingespart wird. Diese Minderheitsmeinung unter den Experten teilt auch die Linksfraktion im Bundestag.

Neben der dezentralen Energieerzeugung muss aber auch die dezentrale Energiespeicherung dringend gefördert und ein Anreizmodell geschaffen werden. Vielversprechend sind beispielsweise Power-to-Gas-Anlagen, die momentan erprobt werden. Energiespeicher müssen zukünftig die Schwankungen im Netz auffangen, damit das Problem des Systemwechsels von fossiler Grundlast zu Erneuerbaren aufgelöst werden kann. Das stärkt außerdem lokale Wirtschaftskreisläufe und gibt Optionen zur Konversion der Produktion, gerade im automobilorientierten Maschinenbau.

Was die Abschaltung von Anlagen betrifft: hier wird der Einspeisevorrang im EEG aufgehoben um die großen Konzerne zu schützen. Das ist vielfach reiner Klientelismus und muss untersagt werden. Allerdings bin ich durchaus dafür, dass energieintensive öffentliche Daseinsvorsorge privilegiert wird, z.B. kommunale Verkehrsunternehmen. Wir wollen weiterhin die Abschaltung aller AKW im Jahr 2014 und haben dazu ein Konzept vorgelegt. Und wir wollen den Atomausstieg im Grundgesetz verankern. Neue Kohlekraftwerke darf es nicht geben. Da jedoch der Emissionshandel (geplant) gescheitert ist, muss der Gesetzgeber hier nachlegen und ein Kohleausstiegsgesetz verabschieden (Forderung der Linksfraktion).

Die Landesregierung plant 1.200 Windenergieanlagen in BW zu errichten um 10 % des Stroms bis 2020 aus Wind zu erzeugen. Das Potential liegt hingegen bei über 4.000 Anlagen, die Forderung ist also ziemlich gemäßigt. Momentan sind es noch 0,9 % Energieerzeugung aus Wind in BW, wir tragen damit die rote Laterne im Ländervergleich. Das Ziel der Landesregierung, 90 % EE bis 2050, kann nur durch massive Energieeinsparung erreicht werden. Da passiert quasi nichts. Der Energieverbrauch steigt weiter drastisch an, obwohl die Bevölkerung schrumpft. Die Landesregierung versagt zudem als großer Eigner der fossil-atomaren EnBW.

Themenkomplex Energiepreise:

Edmond Jäger: Die Privilegien der stromintensiven Unternehmen gehören abgeschafft (ca. 9 Mrd Euro pro Jahr). Manche Unternehmen zahlen so real nur 4-5 Cent je kWh, während die normalen Nutzer 26-27 Cent zahlen. Das würde die Endverbraucherpreise deutlich entlasten, denn die tragen die zusätzliche Last. Grundsätzlich muss aber die staatliche Strompreiskontrolle wieder eingeführt werden und die Besteuerung von Energie zur Preisstabilisierung reduziert werden. Für Haushalte in prekärer Wirtschaftslage wollen wir Sozialtarife, damit es keine Energiearmut gibt die heute grassiert mit hunderttausenden Strom- und Gassperren.

Tatsächlich gibt es Fehlanreize für Energiekunden. Wer mehr verbraucht, der spart am Preis. Das sollte umgekehrt werden.

Die Preisgestaltung läuft falsch. Der Preis den ein Erzeuger für die Einspeisung sollte sich an den tatsächlichen Umwelt- und Ewigkeitskosten der Erzeugungsart orientieren. Denn würde man die Ewigkeitskosten der Kohle, oder die Endlagerkosten der Atomkraft einpreisen, so wären sie am "freien Markt" nicht konkurrenzfähig. Deshalb sind der Klimawandel, das Artensterben und die real stattfindenden neokolonialen Ressourcenkriege Teile der Gesamtproblematik, die sich aus einem Marktmodell das die externalisierten Kosten durch die Energieerzeugung nicht einpreist, herleiten. Frieden, faire Lastenverteilung und ökologische Nachhaltigkeit gibt es nur mit 100 % Erneuerbaren Energien.


Wahlkreis Rottweil Tuttlingen (285)
Wahlkreis Rottweil Tuttlingen (285)

Statements der Gegenseite:

21.08.13: Lokale Bundestagskandidaten im Interview - Dr. Mechthild Wolber (FDP)
22.08.13: Lokale Bundestagskandidaten im Interview - Susanne Kieckbusch (Bündnis 90/ DIE GRÜNEN)
28.08.13: Lokale Bundestagskandidaten im Interview - Volker Kauder (CDU)



Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



0 Kommentar(e) zum Artikel.
Kommentar schreiben


Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Energiepolitik | BTW2013

Schlagworte:

Bundestagskandidaten (4) | BTW2013 (9) | Edmond Jäger | Die Linke (2) | Wahlkreis 285 (4) | Kommunal (7) | Tuttlingen (4) | Rottweil (4) | Interview (27) | Energiewende (372) | OffShore (30) | Strompreise (62)




Seite per Mail versenden

Kurz-Link zu dieser Seite: http://psrd.de/@955901







© by Proteus Solutions GbR 2017


Alle hier veröffentlichten Texte, Dokumente und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
Bitte beachten Sie dazu auch die weiteren Informationen unter dem Menüpunkt Mediadaten.
Informationen zum Datenschutz finden Sie in unserem Impressum.



Proteus Solutions GbR , Allmandsteige 11, 78564 Reichenbach
Tel: (0 74 29) 876 91 - 70 oder 0800-50506055, Fax (0 74 29) 876 91 - 77
Spam@proteus-solutions.de

80.147.220.63 - (04.05.2016 14:30:00)


 

verwandte Themen
25.1.17 | Artikel: 980002
bne zum Stromsteuergesetz: «Richtige Entscheidung»

Zum Verzicht auf die Ausdehnung der Stromsteuer auf Solaranlagen im Stromsteuergesetz, erklärt Robert Busch, Geschäftsführer des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft (bne):…

7.7.16 | Artikel: 970060
6 Millionen Euro für neues Forschungsprogramm zur Energiewende

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft hat ein neues Forschungsprogramm namens «Transformation des Energiesystems in Baden-Württemberg – Trafo BW» gestartet.

Ihr eigenes Buch veröffentlichen.
Wir helden Ihnen dabei.
12.7.16 | Artikel: 970061
SolarContact-Index: Photovoltaik-Nachfrage stürzt ins Sommerloch

Das Interesse an PV-Anlagen ist im zurückliegenden Juni ins Sommerloch gefallen. Mit rund 90 Punkten verharrt der Index unter seinem 12-Monats-Durchschnitt.

25.8.16 | Artikel: 970080
Fell: Bundessicherheitskonzept bringt keine neuen Lösungen

Die Bundesregierung nutzt in ihrem neuen Bundessicherheitskonzept «Konzeption zur Zivilen Verteidigung (KZV)» nicht die Chance neuer Technologien, um gravierende Probleme bei großen gesellschaftlichen Ereignissen zu vermeiden.

PVStatistik Deutschland:
installierte Anlagenleistung online abfragen.
11.8.16 | Artikel: 970075
Börsen-Zeitung: Doppelter Milliardenschock - Kommentar zu Eon

Die Verwerfungen der Energiewende treffen Eon mit voller Wucht. Der Energiekonzern wähnte den Kapitalmarkt gut vorbereitet auf den Milliardenschock in der Bilanz.

8.8.16 | Artikel: 970072
neues deutschland: zum Erdüberlastungstag

Auf Mallorca sind die Trinkwasserreservoirs stark geschrumpft. Die Behörden haben den Verbrauch in einigen Gegenden rationiert - für Bewohner.

Besser im Netz gefunden werden.
Optimieren Sie jetzt Ihre Website!
7.2.17 | Artikel: 980004
Bundesbürger wünschen sich innovative Strom-Angebote

Tarife, bei denen Strom weniger kostet, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint, intelligente Geräte, die sich dann einschalten, wenn Strom günstig ist und bessere Informationen über den eigenen Energieverbrauch - eine Mehrheit der Bundesbürger interessiert sich für innovative Stromangebote, die durch die Digitalisierung der Energienetze möglich werden. …

20.10.16 | Artikel: 970090
Wie Tesla die Autobranche das Fürchten lehrt

Während sich die großen Automobilkonzerne weiterhin schwer tun, den großen Wurf im Bereich der E-Mobilität zu landen, feiert Tesla mit seinen reinen Elektrofahrzeugen weltweit Erfolge.