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Regelleistung oder: das Eier-Problem

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Regelleistung oder: das Eier-Problem

19.12.13  20:00 | Artikel: 956236 | News-Artikel (Red)

Regelleistung oder: das Eier-ProblemEinfache Begriffe aus der Energiewirtschaft einfach erklärt.

In vielen Diskussionen und Gesprächen im Zusammenhang mit den erneuerbaren Energien tauchen immer wieder Begriffe auf, die zwar jeder schon mal gehört hat, die aber unter Umständen gar nicht so leicht zu beschreiben sind. Wir versuchen Ihnen diese Begriffe näher zu bringen. Heute: Regelleistung.

Regelleistung ist ein Begriff aus dem Berech des Kraftwerksmanagements. Die Definition auf Wikipedia gibt erste Informationen:

Die Regelleistung, auch als Reserveleistung oder unpräzise als Regelenergie bezeichnet, gewährleistet die Versorgung der Stromkunden mit genau der benötigten elektrischen Leistung bei unvorhergesehenen Ereignissen im Stromnetz. Dazu können kurzfristig Leistungsanpassungen bei regelfähigen Kraftwerken durchgeführt werden, schnell anlaufende Kraftwerke (z. B. Gasturbinenkraftwerke) gestartet oder Pumpspeicherkraftwerke eingesetzt werden. Alternativ können bestimmte Stromkunden mit Laststeuerung kurzfristig vom Netz getrennt werden.

Regelleistung ist ein Teil der Ausgleichsleistungen, die im Rahmen der Bereitstellung von Energie zur Deckung von Verlusten und für den Ausgleich von Differenzen zwischen Ein- und Ausspeisung) benötigt wird (§ 3 EnWG). Häufig wird der Begriff Regelenergie auch für die Energie verwendet, die die Übertragungsnetzbetreiber zur Bereitstellung von Systemdienstleistungen einkaufen. In diesem Sinne ist dann Ausgleichsenergie ein Teil der Systemdienstleistungen, die die Übertragungsnetzbetreiber den unterlagerten Netzbetreibern zur Verfügung stellen.

Das klingt erstmal recht übersichtlich, ist aber noch vielleicht ein wenig abstrakt. Prinzipiell kann man Regelleistung in zwei Bereiche einteilen: positive und negative Regelleistung. Ein Beispiel dafür:

Sonntagnachmittag, kurz vor halb zwei. Einer Hausfrau - nennen wir Sie Lisbeth - fällt spontan ein, dass sie noch einen Kuchen backen wollte, da gegen 15:00 Uhr Besuch ins Haus steht. Also flugs die Zutaten rausgelegt ... und: keine Eier mehr da! Dumme Situation. Was tun?

Also, auch wenn es schwer fällt, der Gang zum Nachbarn, um sich ein paar Eier zu besorgen. Und natürlich hat der Nachbar - nennen wir ihn Hans Händler - ein paar Eier. Die will er aber nicht ausborgen (und dafür neue bekommen) sondern sich bezahlen lassen. Und da es Sonntag ist und sonst keine Einer mehr in Sicht kosten die drei benötigten Eier auch drei Euro. Lisbeth denkt sich ihren Teil, aber zahlt zähneknirschend. Immerhin kommen ja auch die Enkelkinder und die lieben ihren Kuchen. Gar nicht auszudenken, was passiert, wenn es mit dem Kuchen nicht klappt.


Dieses Beispiel steht nun für positive Regelleistung: Irgendwo fehlen ganz kurzfristig Eier oder eben auch Strom, weil sonst was Schlimmes passiert. Fehlender Strom in unserem Leitungsnetz macht sich dann durch eine sinkende Netzfrequenz bemerkbar. Als Endkunde merkt man das natürlich nicht, aber diese Schwankungen können an Kraftwerken oder Komponenten des Stromnetzes Schaden verursachen. Deshalb muss in diesem Fall auch Strom - besser gesagt Leistung - kurzfristig gekauft werden. Wer dann anbieten kann, profitiert recht gut davon, wie unser Beispiel zeigt.

Die negative Regelleistung - Sie ahnen es schon - hat nun was mit zuviel Eiern zu tun.

Tage später kauft Lisbeth fast 50 Eier. Es geht ja auf Weihnachten zu und die Plätzchenbäckerei fängt an. Doch wie der Zufall so will, es kommt immer was dazwischen. Und als Sie endlich beginnt braucht sie gerade mal 5 der eingekauften Eier. Den Rest muss sie wohl oder übel wegwerfen. Lange halten die nicht mehr. Doch da kommt Ihr die Idee, die Eier an den unliebsamen Nachbarn Hans Handel zu verkaufen. Der ist jedoch erstaunt und sagt er brauche ja gar keine Eier, würde Sie aber abnehmen wenn Lisbeth ihm für die 45 Eier noch 5 Euro geben würde.

Lisbeth ist entsetzt. Dafür zahlen, dass Sie die Eier loswerden kann? Aber abermals zähneknirschend zahlt sie die 5 Euro. - Lebensmittel wegwerfen geht ja gar nicht.


Zugegeben, der Vergleich hinkt ein wenig. Aber dieses Beispiel steht nun für negative Regelleistung. Ist irgendwo ein Überschuss an Einern oder Energie vorhanden, muss dieser verbraucht werden. Auch zu viel Energie schadet unserem Stromnetz und es müssen schnell Abnehmer gefunden werden. Und da man Strom nicht einfach wegwerfen kann, muss letztendlich für das Geschenkt bezahlt werden.

Warum das Ganze?

Der Grund für dieses ganze Szenario ist die Tatsache, dass Stromnetze keine Energie speichern können - es besteht ja nur aus einfachen Leitungen. Daher sind sämtliche Kraftwerksbetreiber bestrebt, immer so viel an Leistung zu produzieren, wie gerade auch wirklich benötigt wird. Kommt es dann durch nicht vorhersehbare Umstände zu einem Engpass oder einem Überschuss, so muss Energie abgegeben oder zugekauft werden.

Aber das ist dann ein anderes Thema: Die Frequenzregelung im europäischen Netzverbund.







Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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Regelleistung (21) | Energiewirtschaft (43) | Kraftwerksmanagement | Strom (842) | Difinition | Basiswissen




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