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Fell: Energiekonzerne haben Energiewende verschlafen und Erneuerbare Energien unterschätzt

01.03.14  10:50 | Artikel: 961258 | News-Artikel (Red)

Fell: Energiekonzerne haben Energiewende verschlafen und Erneuerbare Energien unterschätzt
Hans-Josef Fell,
Bündnis 90/Die Grünen
Der Energieversorger RWE wird nach Informationen des Handelsblatts in der nächsten Woche die ersten Nettoverluste in der Unternehmensgeschichte verkünden.

RWE schreibt demnach einen Verlust von knapp drei Milliarden Euro und wird keine Dividende auszahlen können.

Grund für die überraschenden Gewinneinbußen ist der stark gewachsene Anteil der Erneuerbaren Energien in Deutschland (aber nicht bei RWE), die den Börsenpreis senken und RWEs schmutzige konventionelle Kraftwerke verdrängen.

Jetzt rächen sich fatal die Managementfehler des letzten Jahrzehnts. Die großen Energieversorger haben die Investitionen in Erneuerbare Energien weitgehend den neuen gesellschaftlichen Akteuren überlassen hatte.

Fast 50 Prozent der installierten Erneuerbare-Energien-Leistung sind in Deutschland in Bürgerhand, die Energiekonzerne halten nur 12 Prozent (Stand 2012). Stattdessen hatte RWE in den letzten zehn Jahren, als sich der Aufschwung der Erneuerbaren Energien längst schon vollzog, ca. 12 Mrd. Euro in neue Kohle- und Gaskraftwerke investiert. Diese stehen heute nach Fertigstellung meist als Investitionsruine da, weil Ökostrom billiger ist und niemand diesen Strom braucht.

Ihre Ignoranz gegenüber den Fragen des Klimaschutzes und anderen Umweltproblemen hat die Energiekonzerne jahrelang an Kohle- und Atomkraft festhalten lassen. Wir erinnern uns noch wie der ehemalige RWE-Vorstand Großmann sogar mit Frau Merkel im Hinterzimmer die Laufzeitverlängerung für die Atomreaktoren ausgehandelt hatte.

Diese Fehlleistungen von RWE-Managern, die mit Millionen-Gehältern bezahlt wurden, müssen endlich aufs Tapet. Die Aktionäre und Beteiligten von RWE sollten dies thematisieren und Regressforderungen aufgrund dieser Fehlentscheidungen stellen.

Der rapide Weg in die roten Zahlen und perspektivisch sogar die Möglichkeit einer Insolvenz von RWE sollte allen Konzernen eine Mahnung sein, die heute noch in neue Gas-, Kohle- oder Atomkraftwerke investieren. Dass einer der Energieriesen in Deutschland rote Zahlen schreibt, ist der beste Beweis dafür, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht nur aus Klima- und Ressourcenschutzgründen geboten, sondern auch ökonomisch sinnvoll ist.

Der Siegeszug der Erneuerbaren Energien wird wegen der starken Kostensenkungen nicht mehr aufzuhalten sein – das werden jetzt wohl auch endlich die Manager in den Chefetagen der alten Kohle- und Atomkonzernen begreifen. Wenn nicht, dann geht es ihnen in Zukunft eben wie RWE.




Autor: Hans-Josef Fell

www.hans-josef-fell.de

Hans-Josef Fell war energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied des Bundestages von 1998 bis 2013. Er ist Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG. Wir veröffentlichen regelmäßig einen Teil der wöchentlichen Infobriefe zum Thema Energiepolitik.



1 Kommentar(e) zum Artikel.
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Roger Kanzenbach Samstag, 1. März 2014 um 15:30

Ich halte die Verluste für nicht mehr benötigte fossile Kraftwerke für einen einmaligen Abschreibungsbedarf. RWE ist auch ein großer Netzbetreiber. Solar- und Windenergie Produzenten benötigen intelligente Netze, schnelle Reservekraftwerke und Speicher. Das ist ein lukratives Geschäftsfeld für die Energiekonzerne.


Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Energiepolitik | Unternehmen

Schlagworte:

Energieversorger (74) | RWE (55) | Nettoverluste | konventionelle Kraftwerke (6) | Managementfehler (3) | Atomkonzerne (4)




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