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Kommentar: Die RWE AG - eine Erfolgsgeschichte mit kleinen Schönheitsfehlern

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Kommentar: Die RWE AG - eine Erfolgsgeschichte mit kleinen Schönheitsfehlern

05.03.14  09:25 | Artikel: 961261 | Proteus Statement

Kommentar: Die RWE AG - eine Erfolgsgeschichte mit kleinen SchönheitsfehlernAuf 116 Jahre Unternehmensgeschichte kann die 1898 in Essen gegründete Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk Aktiengesellschaft stolz zurückblicken. Das heute unter dem Namen RWE AG agierende Unternehmen hat sich in den letzten 100 Jahren zu einem multinationalen Konzern in Sachen Energie entwickelt. Doch was bei Senioren und Altbauten gleichermaßen passiert, setzt auch dem Energieriesen zu: Der Putz fängt an zu bröckeln, denn die Substanz ist marode geworden.

Schon als kleiner Junge war ich durchaus beeindruckt von den einst so imposanten Gebäuden, die einen durch die Jugend begleitet haben: Das RWE Hochhaus in der Kruppstraße, das Gebäude der Ruhrkohle AG in der Rellinghauser Straße oder auch das Thyssenhaus der ehemaligen Rheinstahl AG zeugten von Geld und Macht.

RWE Hochhaus
Kruppstraße 5,
Essen-Südviertel
[Bild: Wiki05]
Heute kommt die Erkenntnis und das Wissen hinzu, dass die Geschichte des Unternehmens schon seit damals mit Korruption und politischer Einflussnahme verbunden war. Kommunale Beteiligungen und Seilschaften aus dem Bereich der Stahl- und der Montanindustrie ergänzten sich Jahrzehnte lang optimal. Fairerweise muss man auch zugeben, dass dies durchaus zum Wohle der Region geschah. (Die genaue Geschichte der RWE AG findet sich bei Wikipedia)

Doch große Konzerne, die es schon seit jeher gewohnt sind, große Gewinne zu erzielen, machen irgendwann den Fehler, sich auf den traditionellen Werten auszuruhen und wenig bis gar nicht innovativ zu sein; oder schlichtweg die Zeichen der Zeit falsch zu deuten.

Genau das passiert gerade mit dem einst so mächtigen Stromversorger. Wurden im Jahr 2012 noch 1,3 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet, so muss Vorstandvorsitzender Peter Terium den Aktionären für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro erklären.

Durchaus mit ein Erbe seines Vorgängers Jürgen Großmann, der ein Verfechter der Kernenergie war («Solarstrom in Deutschland zu erzeugen sei so wie Ananas in Grönland zu pflanzen») und trotz beschlossener Energiewende eine Laufzeitverlängerung der bestehenden Kraftwerke forderte.

Die Atomkatastrophe von Fukushima machte dem Erfolg Großmanns jedoch einen Strich durch die Rechnung, als dann der Atomausstieg beschlossen und die Laufzeitverlängerung durch den Bundestag wieder rückgängig gemacht wurde. Zwar war diese Rücknahme nicht ganz legal, doch die Energiewende ist nicht mehr aufzuhalten. Das erkannte wohl auch der seit Mitte 2012 berufene Vorstandvorsitzende Peter Terium und leitete eine Wende in der Unternehmensstrategie ein: Die erneuerbaren Energien standen mit einem Male im Fokus des Konzerns und waren kein Tabuthema mehr.

Trotzdem ist es fraglich, ob das Umdenken den Konzern auf Dauer noch zusammenhalten kann. Traditionell sind auch viele Kommunen Anteilseigner der Gesellschaft. Kommen hier weniger Dividende an, so überlegt sich so mancher Kämmerer, in solventere Unternehmen zu investieren. Eine Reaktion, der die Aktie des Unternehmens weiter negativ beeinflussen könnte.

Die Energiewende geht trotz politischer Bremsmanöver in Deutschland mit schnellen Schritten voran. Zwar wird das Essener E-Werk wohl wieder bei Mutti Merkel vorstellig werden und trotzig mit Entlassungen drohen, aber ob langfristig die Zeit - und die finanziellen Mittel - für einen Konzernumbau vorhanden sind, ist eher fraglich.

Das traditionelle Geschäftsmodell - die heimische Kohle ins Kraftwerk zu schaufeln und damit Strom zu produzieren - ist mittlerweile fast obsolet geworden. Irgendwann stirbt jede Species mal aus, wenn sich diese nicht an die Umweltbedingungen anpassen kann.

Vielleicht wird ja aus dem 1961 erbauten RWE-Hochhaus in der Kruppstraße 5 mal ein geschichtliches Energiemuseum.



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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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