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Kapazitätsmarkt - Einer tanzt aus der Reihe

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Kapazitätsmarkt - Einer tanzt aus der Reihe

29.03.14  11:20 | Artikel: 961345 | News-Artikel (Red)

Kapazitätsmarkt - Einer tanzt aus der ReiheMöchte man jemanden den Begriff Unisono erklären, dann musste man einfach die Forderungen der vier großen Kraftwerksbetreiber in Deutschland aufzeigen.

Mit einer Stimme wurde für oder gegen Laufzeitverlängerungen, für oder gegen die Stromwende kommuniziert.

ENBW im wilden Süd-Westen hat mit einer grünen Landesregierung als Chef ohnehin eine gewisse Sonderrolle.
Doch was melden die Fachmedien diese Woche von den Schweden…

Münster – In Sachen Energiewende und Stromversorgung sind sich die Energiekonzerne in Deutschland nicht einig. Während RWE und E.ON für die Einführung von Kapazitätsmärkten plädiert, hält Vattenfall derartige Forderungen offenbar für überflüssig.
(Quelle IWR).

Wer den Ausbau von Erneuerbaren will, muss eigentlich gegen einen Kapazitätsmarkt sein, denn die Rentabilitätsgrenze der nuklear/fossilen Geldverbrennung wird mit zurückgehenden Börsenpreisen nicht verschoben…

Der Kapazitätsmarkt
Mit der Stromrechnung wird Arbeit/Leistung bezahlt. D.h. entscheidet man sich für oder gegen den Verbrauch, so bezieht man entweder die Leistung, oder man lässt es sein. Lässt man es sein, so zahlt man auch nicht. Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag darin ein Problem gesehen. Sie will zukünftig, dass man auch auf das Vorhandensein von Kapazitäten etwas zahlen soll. Zeitweiliger Verzicht sorgt bei einem Kapazitätsmarkt nicht zur zeitweiligen Aussetzung der Zahlung/Kosten.

Die Festplatte
Der Markt von Computer-Festplatten ist eigentlich ein klassischer Handel mit Kapazitäten. Eine Festplatte hat eine bestimmte Größe, die zu einem bestimmten Preis angeboten wird. Ist die Kapazität erschöpft, dann muss man sich neue / mehr Kapazitäten kaufen. Würde man daraus eine Analogie für das Stromnetz bauen, dann könnte man dies so verstehen, dass ab einem bestimmten Stromverbrauch die Kapazität erschöpft ist und keine weiteren Geräte eingeschaltet werden können.

Technisch gibt es eine solche Grenze – so fliegt irgendwann die Sicherung raus, wenn die abgenommene Leistung zu hoch wird. Theoretisch könnte aber jeder “normale” Hausanschluss in Deutschland von einer Sekunde auf die andere von 0W auf 230V*60A=13.800W wechseln und so die verfügbare Kapazität nutzen. Erst bei diesem Wert ist die “Festplatte” voll.

Reales Lastprofil - Privathaushalt
Praktisch wird es eine solche Schwankung nie geben, ein tatsächliches Lastprofil zeigt einige wenige Spitzen über 1.000W und dümpelt die meiste Zeit des Tages um die 100-200W (je nach Haushalt/Geräte) rum.

Der Leistungsmarkt
Aktuell ist der Strommarkt konzipiert als Leistungsmarkt. Bezahlt wird für eine Leistung, die erbracht wird. Nicht gezahlt wird für die Möglichkeit einer Leistung zu erbringen. Die Betreiber von fossilen Kraftwerken – besonders von Gaskraftwerken – sehen darin ein Problem, da sie befürchten in Zukunft bei der Spitzenlast noch immer benötigt zu werden – die meiste Zeit allerdings nicht. Die Zeit, in denen sie nicht benötigt werden, werden auch keine Gewinne erwirtschaftet. Kosten fallen dennoch an, da man ein thermische Kraftwerk nicht einfach an und abschalten kann, wie das Licht, sondern es eine Anfahr- und Runterfahr-Rampe gibt, ähnlich dem aufheizen oder abkühlen eines Herdes.

Dabei ist grundsätzlich positiv, dass gesicherte Leistung zunächst auf Basis bereits existierender Instrumente (Netzreserve, Reservekraftwerksverordnung) gewährleistet werden soll. Zu bezweifeln ist allerdings, ob die im Koalitionsvertrag angekündigte Einführung eines Kapazitätsmechanismus wirklich notwendig wird und zielführend wäre.
(Kommentierung von Eurosolar zu Koalitionsvertrag der GroKo)

Zur Überführung von einem Leistungsmarkt hin zu einem Kapazitätsmarkt hat sich die Bundesregierung einen Trick überlegt. Kapazitätsmarkt durch die Hintertür bedeutet im Koalitionsvertrag, dass Betreiber von Solar- und Windkraftwerken in Zukunft verpflichtet werden sollen “gesicherte Leistung” zuzukaufen. Nichts anderes als für das Vorhandensein des Herdes in der Küche zu zahlen.

Gesicherte Leistung
Wenn ein Windkraftbetreiber für 03:00-04:00 Uhr in der Nacht eine Mega-Watt-Stunde verkauft, dann ist er auch in einem Leistungsmarkt verpflichtet dieser Lieferzusage nachzukommen. Irrt er sich in der Ertragsprognose, oder kommt es zu einem “Zwischenfall”, dann muss er die Zusage durch Kauf von Strom aus anderen Quellen befriedigen. Ob dieser Strom dann teurer ist und somit ein Verlust gemacht wird, ist dem Betreiber sein Problem.

Auf der Verbraucherseite geht das Spiel ähnlich. Der Netzbetreiber muss abschätzen, wie viel der Kapazität die Letztverbraucher zu jedem Zeitpunkt benötigen. Im Rahmen des sogenannten Bilanzkreismanagements wird der Verteilnetzbetreiber entsprechende Lieferzusagen einkaufen.

Gewinner und Verlierer
Würde man vollständig – über Nacht – von einem Leistungsmarkt zu einem Kapazitätsmarkt wechseln, dann müssten alle Verträge angepasst, die Stromtarife neu verhandelt und vom Kunden abgeschlossen werden, EDV Systeme umgestellt und und und …

Der Wechsel zu einem reinen Kapazitätsmarkt kann daher als utopisch angesehen werden. Alternativ ist eine teilweise Kapazitätsmarkt, dieser bietet dann aber genügend Intransparenz und Möglichkeiten zur “Justierung”, dass es beim Wähler wohl zu einiger Verwirrung kommen würde.

Bleibt die Wahlfreiheit. Praktisch ist dies vergleichbar mit einer echten Flatrate für das Internet. Dort erhält man eine Übertragungskapazität für einen festen Preis. Parallel gibt es allerdings weiterhin die Möglichkeit eine Minuten/Mengen Abrechnung zu erhalten. Fängt man hingegen auf Seite der Erzeugung von Strom an, einen Kapazitätsmarkt einzuführen, dann…

Vattenfall und die Anderen

Kraftwerksmix EON
Kraftwerksmix EON

Kraftwerksmix ENBW
Kraftwerksmix ENBW

Kraftwerksmix RWE
Kraftwerksmix RWE

Kraftwerksmix Vattenfall
Kraftwerksmix Vattenfall

Zur Erstellung der Diagramme wurde die Kraftwerksliste der Bundesnetzagentur vom Februar 2014 verwendet. Gefiltert wurden jeweils die Kraftwerke, bei denen die Unternehmen alleiniger Betreiber sind. Bei etlichen Kraftwerken gibt es eine dedizierte Betreibergesellschaft, bei denen die vier Unternehmen zum Teil beteiligt sind.

Mit 53,5% hat Vattenfall den größten Anteil an Braunkohlekraftwerken in seinem Portfolio und mit 10,2% den geringsten Anteil an Erdgas. Schaut man sich an, welche Kraftwerkstypen von einem Leistungsmarkt am meisten benachteiligt sind, dann sind dies die Gaskraftwerke.




Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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Themenbereiche:

Energie | Strom | Netze

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Kapazitätsmarkt (38) | Kraftwerksbetreiber (6) | Energiewende (372) | Stromversorgung (41) | Energiekonzerne (14) | Stromnetz (103)




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