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EEX: Physik trifft Handel

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EEX: Physik trifft Handel

23.04.14  09:30 | Artikel: 961437 | News-Artikel (Red)

EEX: Physik trifft Handel
City-Hochhaus Leipzig
Sitz der EEX/Strombörse
(© Ralph Koch)
Am Osterwochenende hatte blog.stromhaltig das Video Portrait der EEX vorgestellt und die darin enthaltenen Aussagen etwas beleuchtet. Da dies ein Blog ist – und somit ein Dialog-Medium – hatte ich die Pressestelle der Strombörse über den Beitrag informiert, mit der Bitte vielleicht einige Hintergründe zu liefern. Postwendend kamen diese heute per Mail. Danke!

Antwort und Erklärung der EEX:

Die physische Abwicklung der Geschäfte, die an der EEX und EPEX SPOT gehandelt werden, erfolgt durch das Clearinghaus European Commodity Clearing (ECC). Zu diesem Zweck hat die ECC Verträge mit 14 europäischen Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) für Strom abgeschlossen. Die ECC nominiert die Position in dem entsprechenden Produkt an den jeweiligen ÜNB (sogenannte "Fahrpläne"), die für die physische Lieferung des Stroms und für die Netzstabilität verantwortlich sind. Etwaige Abweichungen der Strommengen werden durch Ausgleichsenergie ausgeglichen und durch die ÜNB dem jeweiligen Marktteilnehmer in Rechnung gestellt. (Pressestelle der EEX)

Das European Commodiy Clearing (ECC / Wikipedia Beitrag) wurde bislang bei blog.stromhaltig noch nicht vorgestellt. Nach eigenen Angaben wurde im Jahr 2014 bereits mehr als 593 TWh an Strom durch das Unternehmen abgewickelt. Dies entspricht in etwa dem Jahresverbrauch von Deutschland. Ein Clearinghaus sorgt (etwas vereinfacht) dafür, dass der Handel nicht nur kaufmännisch ausgeführt wird, sondern auch ein Waren/Geld-Tausch stattfindet. Für Strom bedeutet dies: Wer verkauft hat, der muss liefern – wer gekauft hat muss abnehmen (und zahlen). Das ECC mit Sitz in Leipzig ist ein Tochterunternehmen der EEX und wird unter anderem durch den EEX Vorstand Dr. Steffen Köhler geleitet.

Das Strommenge bereits im April größer ist, als der physikalischer Verbrauch eines Jahres, muss nicht weiter verwunden. So wird beim Stromhandel gerne mehr gekauft/verkauft, als tatsächlich vorhanden/benötigt wird. Dies führt zum Abverkauf/Zukauf, der eine neue Handelstransaktion hervorruft und das Handelsvolumen über das physikalische Volumen ansteigen lässt. Das es hierbei nicht zur Mehrfachabrechnung von Vergütungen wie der Marktmanagementprämie kommt, überwacht die Bundesnetzagentur.

Das Ergebnis der Arbeit des Clearinghaus ist somit eine kaufmännische Liefermenge jedes der 1.600 Kraftwerke in Deutschland zuzüglich der EEG Einspeisemengen aus der Direktvermarktung. Auf Verbrauchsseite ist bekannt, welche Strommengen an jeden Bilanzkreis geliefert werden sollten. Dies dürften die in der Antwort genannten “nominierten Positionen” sein, die an die Übertragungsnetzbetreiber übergeben werden. Bei den Übertragungsnetzbetreiber sind die Nomierungen nun Fahrpläne für den Netzbetrieb.

Ist es fair zu sagen, dass es den Übertragungsnetzbetreiber schlicht egal ist, dass die Netzfrequenz aus dem Takt gerät?

Für die Stabilität der Netzfrequenz sind tatsächlich die Netzbetreiber verantwortlich. Zur Stützung der Frequenz wird Regelleistung verwendet, die automatisiert abgerufen wird. Eines der Kraftwerke, welches Regelenergie Anbietet ist das virtuelle Next-Kraftwerk – dort findet man im Blog eine Beschreibung, wie dies mit Biogaskraftwerken bewerkstelligt wird.

blog.stromhaltig verwendet etwas trennscharf den Begriff Ausgleichenergie und Regelenergie. Ausgleichenergie wird hier für Strommengen verwendet, die für Prognoseabweichungen bei der Führung von Bilanzkreisen eingesetzt wird. Ausgleichenergie dient nicht zur Stützung der Netzfrequenz.

Zur Ausgleichenergie zählt allerdings die Strommengen, die im Zuge eines Re-Dispatch umverteilt werden. Bei einer solchen Maßnahme zur Verorgungssicherheit, wird durch den Übertragungsnetzbetreiber eine einem Kraftwerk zugewiesen Strommenge auf ein anderes Kraftwerk verteilt.

Ist es fair zu sagen, dass der Erfolg des Stromhandels an der Zunahme der Re-Dispatch Maßnahmen ablesbar ist?

Der Handel an der EEX – umgesetzt durch das ECC – geht von einer “Kupferplatte” aus, bei der es egal ist, an welcher Stelle Strom eingespeist oder entnommen wird. Erst im Zuge der Netzstabilität ist der Standort tatsächlich von Bedeutung, denn die physikalischen Leitungen müssen vorhanden sein. Nehmen die Re-Dispatch Maßnahmen der Übetragungsnetzbetreiber zu, so zeigt dies, dass das Stromnetz weniger einer Kupferplatte entspricht.

Erfolg der steigenden Handelsvolumen, oder des fehlenden Netzausbau?




Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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erneuerbare Energien | Energiepolitik | Stromhandel

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