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Brauchen wir Staatsnetze? Die Stromwende in der Fläche ist das Problem.

05.05.14  09:00 | Artikel: 961478 | News-Artikel (Red)

Brauchen wir Staatsnetze? Die Stromwende in der Fläche ist das Problem.
Peter Terium
seit 1. Juli 2012 Vorstands-
vorsitzender der RWE AG.
Bold: EssentNieuws
Als Peter Terium Anfang 2012 seine Arbeit an der Konzernspitze von RWE aufgenommen hat, brachte er es in einem Zitat gegenüber der FAZ auf den Punkt:

“Mit dem Einzug von Mikrokraftwerken im Keller und noch mehr Solarpaneelen auf den Dächern wird es immer mehr Produzenten geben, weit verteilt in der Fläche. Das deutsche Stromnetz ist dafür noch nicht ausreichend ausgelegt. Investitionen in ein intelligentes Stromnetz haben für mich deshalb höchste Priorität.”

Weit verteilt in der Fläche. Ein Konzept, eine Anforderung, die dem normalen Verfahren eines Industrieunternehmens widerspricht, welches auf Rendite getrimmt werden soll. Nicht nur beim Stromnetz stößt die Marktwirtschaft an ihre Grenzen, wenn es darum geht, Gewinne auch durch Gebietsabdeckung zu erreichen.

“Von allen Vergessen” lautet der Titel eines Beitrags von PlusMinus, der am vergangenen Mittwoch in der ARD ausgestrahlt wurde. Noch immer gibt es in Deutschland Ortschaften, bei denen es kein Handyempfang gibt. Es ist für die privatwirtschaftlich organisierten Netzbetreiber schlicht unrentabel die notwendigen Sendemasten zu installieren. Kommt ein nachteiliges Landschaftsprofil dazu, dann heißt es “Kein Netz” auf den Mobiltelefonen. Die eigentliche Ursache des Problems ist, dass man kein Unternehmen zu Investitionen zwingen kann. 99% Abdeckung – bedeutet eben auch 1%, die nicht versorgt sind.

Im Stromnetz sieht ist das Problem zum Glück nicht ganz so dramatisch. Auch ein abgelegener landwirtschaftlicher Betrieb kann durch eine recht günstige Überlandleitung an das Stromnetz angeschlossen werden. Die Anschlusskosten fallen einmalig an – kaum Betriebskosten. So wurde in den 1910er-1950er Jahre jeder Ort und jeder Hof mit Elektrizität versorgt.

Stark vereinfacht kann man sich den Aufbau des klassischen Stromnetzes so vorstellen, als ob große Kraftwerke hat, die in die in das Hochspannungsnetz einspeisen. Alle Kraftwerke sind untereinander verbunden, so dass beim Ausfall einer Leitung der Strom “in die andere Richtung” fließen kann. Es wird die sogenannte “n-1″ Sicherheit hergestellt, die zu jedem Zeitpunkt den Ausfall von mindestens einem Weg erlaubt. Die Niederspannungsnetze sehen dagegen aus wie eine Baumstruktur. Ausgehend vom Umspannwerk verästeln sie sich bis zum entferntesten Winkel des einzelnen Verteilnetzes, bis zum landwirtschaftlichen Betrieb ganz weit draußen. Eine “n-1″ Sicherheit gibt es in den klassischen Netzstrukturen der Niederspannung nicht.

Der Verteilnetzbetreiber Alliander zeigt, in einem Video, wie die sogenannte n-1 Sicherheit von der Höchstspannung auf die Mittelspannung “heruntergezogen” werden kann. Das intelligente Verteilnetz, welches Terium fordert, kann aber auch hier nicht ohne Investitionen erzielt werden. Irgendwie muss der “Ring” durch Leitungen geschlossen werden, die in einer Baumstruktur nicht existieren. Das kostet Geld…

Geld, welches sich sehr schnell rechnet, wenn man von Verteilnetzen wie das in Berlin, München, Stuttgart, Hamburg weniger ein Problem ist. Noch nie wurde das ein Netz im ländlichen Raum als Perle im Portfolio bezeichnet, wie das Netz in Berlin von Vattenfall genannt wurde. Auch im ländlichen Raum gibt es Ausschreibungen für den Netzbetrieb, auch hier haben alle Unternehmen eine Möglichkeit sich zu bewerben, wenn die Konzession ausläuft. Doch hier bewerben sich ganz andere Unternehmen – deutlich weniger, mit deutlich höherem Risikoaufschlag.

Das Problem, vor dem die Verteilnetzbetreiber auf dem Land heute stehen, ist der vernachlässigte Ausbau und fehlende Investitionen in den 1990er Jahre. Noch im Jahre 2005 wurde der Ausbau von Wind- und Solarkraft in Deutschland unterschätzt. Die Zeche muss jetzt auf dem Land gezahlt werden, wenn lieber die Gewinne abgeschöpft, anstelle investiert wurde.

Heute ist das Dilema vorhanden. Auf der einen Seite existiert die Stromerzeugung dezentral – auf der anderen Seite die wirtschaftlichen Interessen möglichst viel zentral zu regeln. Wenn auch in diesem Jahr 5000 Konzessionsverträge auslaufen, dann stellt sich für die Kommunen die Frage, ob sie den Netzbetrieb nicht selbst übernehmen.

Leider wird es kaum noch Perlen geben, sondern zunehmend Opfer der Libaralisierung. Ein Staatsnetz? Vielleicht eine Lösung, um wirtschaftlich lukrative Netze und Verlustbringer für die Bürger ausgewogen abbilden zu können.




Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Strom | Netze

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