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Kosten der Ausgleichsenergie (reBAP)

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Kosten der Ausgleichsenergie (reBAP)

13.06.14  08:30 | Artikel: 961611 | News-Artikel (Red)

define:reBAP

Wenn 10 Stromabnehmer in einer Lieferviertelstunde je 1 MWh mehr aus dem Netz entnehmen als am Vortag angekündigt, gleichzeitig aber 4 Stromproduzenten je 1 MWh mehr einspeisen als am Vortag prognostiziert, ist nur eine Differenz von 6 MWh entstanden, die nun durch Anforderung von Regelenergie physisch im Netz ausgeglichen wird. Jedoch wird allen 10 Stromabnehmer in unserem Beispiel je 1 MWh an reBAP in Rechnung gestellt, wovon die vier Stromproduzenten mit Überspeisung – also mit einer fehlerhaften Prognose, die aber zufällig das Stromnetz gestützt hat – je ein MWh an reBAP erhalten und die restlichen 6 MWh an reBAP dem Lieferanten der Regelenergie ausgezahlt werden.
(Quelle: Next-Kraftwerke)

Es ist wahrscheinlich die einfachste Beschreibung eines der kompliziertesten Zusammenhänge im heutigen Strommarkt (in anderen Worten auch im Blog von Next-Kraftwerke zu finden). Von einem Leser ist blog.stromhaltig gebeten worden, das Thema reBAP einmal näher zu beleuchten. Zunächst aber einmal ein paar Hintergründe und weitergehende Versuche der Erklärung.

Physikalisch ist elektrische Energie wie ein Wasser und bahnt sich seinen Weg, wenn für ausreichend Nachschub gesorgt ist. Solange ein Stromnetz gut ausgesteuert ist, bekommt jeder, der an diesem Netz hängt immer den Strom, den er gerade anfordert. Die Übertragungsnetzbetreiber tragen sorge, dass die Erzeugung immer an den Verbrauch ausgerichtet wird. Auf Basis der Netzfrequenz erkennen Sie, ob elektrische Energie fehlt, oder zuviel vorhanden ist. Die dann zur Stabilisierung der Netzfrequenz eingesetzte Energie nennt man Regelenergie, oder Ausgleichsenergie.

Im Beitrag Stromfluss des Geldes wurden die Komponenten der Stromrechnung bereits beschrieben, doch die über 88 Millionen Euro jeden Monat, die im Rahmen des reBAP umverteilt werden, wo stehen diese? Fast 1€ pro Monat und Stromkunde. Wo zahlt der Endverbraucher die Zeche für Regelenergie?

Stromversorger und Netzbetreiber bewirtschaften sogenannte Bilanzkreise (vergl. Wikipedia). Ein Energiekonto, bei dem es wie bei einer kaufmännischen Bilanz einen Saldo aus Erzeugung und Verbrauch innerhalb des Bilanzkreises gibt. Jeder Stromkunde gehört meist zwei Bilanzkreisen an. Ein Bilanzkreis bei seinem Versorger, einer beim Verteilnetzbetreiber. Kosten für Ausgleichsenergie fallen theoretisch in beiden Bilanzkreisen an. Bei privaten Stromkunden hat es der Stromversorger eigentlich recht einfach, denn er kann sehr genau vorhersehen, wann er welche Strommenge für den Kunden einspeisen muss. Es werden (eher) weniger Kosten für Ausgleichsenergie anfallen. Etwas mehr Kosten haben Anbieter, die Windenergie oder PV-Strom in ihren Tarifen anbieten. Diese Anbieter müssen bei der Bewirtschaftung des Bilanzkreises auch die Erzeugung im Blick haben – stimmt die Prognose nicht, so kann es zum Bedarf von Ausgleichsenergie kommen.

25% der Entscheidung für einen Verteilnetzbetreiber sind abhängig von Preis und Effizienz (Kandidatenfrage – Kommisionsvergabe Stromnetz)


Der größte Teil der Ausgleichsenergie geht jedoch an die Verteilnetzbetreiber. Für den Endkunden ist es der Posten “Netzentgelte”, bei dem notwendigen Kosten abgerechnet werden. Der Grund für den höheren Bedarf ist, dass Verteilnetzbetreiber den tatsächlichen Verbrauch der Stromkunden abschätzen müssen und entsprechend die Energie beschaffen müssen. Stimmt diese Menge nicht mit dem tatsächlichen Bedarf überein, so gehen nicht etwa die Lichter im Netz aus, sondern der Verteilnetzbetreiber bekommt eine “Rechnung” für den Bezug von Ausgleichsenergie.

Wie im Beispiel von Next-Kraftwerke bereits beschrieben existieren auch Bilanzkreise für die Erzeuger. Stimmt deren Prognose nicht mit der tatsächlich eingespeisten Strommenge überein, so können sie auch eine Rechnung für Ausgleichenergie erhalten. Wirtschaftlich betrachtet, wird sich der Einstandspreis der Zukunft verändern, durch die Kosten, die für Ausgleichenergie getragen werden müssen.

Da alle Teilnehmer am Strommarkt bemüht sind, kaum Kosten für Ausgleichenergie tragen zu müssen, steigt in den letzten Jahren der Bedarf am Intra-Day (Spotmarkt) Handel. Die Würfel fallen zum Beginn der Viertelstunde. Abweichungen, die dann zwischen Soll und Ist bestehen werden eine Zahlung von Ausgleichsenergie mit sich bringen (mit allen Risiken).

Bei fast 6000€ je MWh lag der Preis für Ausgleichenergie am 16.04.2014 um 02:00-02:15 Uhr (vergleiche reBAP Daten bei TransnetBW). Zum gleichen Zeitpunkt hätte man an der EPEXSpot lediglich 29,47€ je MWh gezahlt. Bilanzkreise, die ihren Bedarf/Einspeisung zu diesem Zeitpunkt lediglich um 1 MWh falsch vorher gesagt hatten, müssten theoretisch zukünftige 6.000 MWh mit einem Euro mehr kalkuliert werden.

Auch wenn die Abweichungen im Normalfall nicht ganz so extrem sind, zeigt sich doch, welchen Hebel die Güte von Verbrauchsprognosen (Lastprofilen) und Erzeugungsprognosen auf die Wirtschaftlichkeit haben – und im Gegenzug, wie wenig man auf die Spotmarkpreise achten muss.

Merksatz reBAP

Kosten für Ausgleichenergie ist höchst relevant für die Führung eines Bilanzkreises. Investitionen in ein gutes Risiko-Management/Prognosesystem rechnen schon vor der nächsten Abrechnung des Netzbetreibers.




Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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Themenbereiche:

Stromhandel

Schlagworte:

Ausgleichsenergie (3) | reBAP | Stromabnehmer | Regelenergie (12)




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