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Fell: Erneuerbare Energien verdrängen Atomstrom in Tschechien

07.07.14  08:00 | Artikel: 961701 | News-Artikel (Red)

Fell: Erneuerbare Energien verdrängen Atomstrom in Tschechien
Hans-Josef Fell,
Bündnis 90/Die Grünen
Die neuesten Entwicklungen in Tschechien zeigen: die Erneuerbaren Energien drängen die klimaschädlichen Kohlekapazitäten und die Atomkraft zurück.

Aufgrund des Ausbaus der Erneuerbaren Energien in Europa fallen die Börsenstrompreise, sodass staatliche Subventionen und private Investitionen in fossile und atomare Energie sich nicht mehr lohnen. Die tschechische Regierung reagiert nun darauf, indem sie laut dem neuen energiepolitischen Konzept des Industrieministeriums für die nächsten 25 Jahre die Stromproduktion aus Kohle schrittweise zurückfährt und den Atomausbau hinauszögert. Bereits jetzt sind manche konventionellen Kraftwerke nicht mehr rentabel. Neubaupläne für Atomkraftwerke werden aufgeschoben oder sogar verworfen.

Atominvestitionen sind Finanzruinen

Noch 2012 plante die Regierung Milliardeninvestitionen in die Atomenergie. Es wurde sogar ein AKW-Neubau in Temelin ausgeschrieben. Aufgrund des massiven Drucks der Atomlobby wurden die ehemals großzügigen Förderungen für Erneuerbare Energien radikal gekürzt. Heute hat sich das Blatt gewendet.

Die Ausschreibung für die zwei neuen AKW Blöcke am Standort Temelín wurde zurückgezogen. Im April hatte die neue tschechische Mitte-Links-Regierung beschlossen, neue AKW-Blöcke nicht mehr mit staatlich garantierten Strompreisen zu fördern und damit keine Finanzgarantien für Atomenergie insgesamt zugeben. Eine klare Absage zu Atomstromsubventionen! Der halbstaatliche Energiekonzern CEZ zog daraufhin den öffentlich ausgeschriebenen Auftrag für eine Anlagenerweiterung zurück.

Wieder zeigt sich, dass in Zeiten der Erneuerbaren Energien in Europa der Betrieb von Atomkraftanlagen auf lange Sicht nicht planbar ist und nationale Investitionen in Atomenergie vor allem eins sind: teuer.

Hätte die Regierung an ihren früheren ausgezeichneten Erneuerbare-Energien-Gesetzen festgehalten und den Ausbau konsequent vorangetrieben, könnte Tschechien auch weiterhin zu den fünf größten Stromexporteuren der Welt gehören. Stattdessen erwartet die Regierung nun, aufgrund des Rückgangs der fossilen Kapazitäten, 2040 ungefähr fünf Prozent des Strombedarfs zu importieren.

Beispiel Tschechiens sollte der Bundesregierung eine Warnung sein

Nun erkennt die tschechische Regierung offensichtlich, dass ihr Festhalten an Atom und Kohle sie selbst ins energiepolitische Abseits stellt. Allerdings sind noch keine Anzeichen zu sehen, dass die Regierung zu ihrer ehemals erfolgreichen Ökostrompolitik zurückkehrt, die sie zum Schutze von Atom und Kohle abgeschafft hatte. Für die Bundesregierung sollte diese Entwicklung eine Warnung sein:

Wer wie Minister Gabriel an der Kohle festhält und die Erneuerbaren Energien ausbremst, ist schlicht auf dem Holzweg. Inwiefern der hohe Anteil des exportierten deutschen Ökostromes in die Nachbarländer die Erzeugung von meist umweltschädlichem Kohle- und Atomstrom eindämmt, berichtete ich bereits im Mai (Link).

Mehr Infos auf der deutschen Homepage von Radio Prag.




Autor: Hans-Josef Fell

www.hans-josef-fell.de

Hans-Josef Fell war energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied des Bundestages von 1998 bis 2013. Er ist Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG. Wir veröffentlichen regelmäßig einen Teil der wöchentlichen Infobriefe zum Thema Energiepolitik.



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Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Energiepolitik | international

Schlagworte:

Atominvestitionen | Milliardeninvestitionen | Atomenergie (14) | Kohlekapazitäten | Tschechien




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