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Stromterroristen

04.08.14  08:30 | Artikel: 961780 | News-Artikel (Red)

StromterroristenDer große Vorteil an einem Blog ist, dass man auch mal etwas schreiben darf, was in die Kategorie Hirngespinst eingestuft werden kann.

Wie viel Euro braucht man, um in Deutschland einen Blackout herbeizuführen? Einen großflächigen Stromausfall über viele Stunden – vielleicht sogar Tage?

Erst diese Woche hat das Bundeswirtschaftministerium einen Bericht zum Strommarkt veröffentlicht (siehe Sonnenseite), was darauf hindeutet, dass spätestens im Herbst das Thema “Strommarktdesign” in aller Munde ist.

Egal welches Design der “Neue Markt” auch haben wird, es werden marktwirtschaftliche Regeln gelten.

Rückblick in den Februar 2012:

Der deutsche Strommarkt wurde offenbar während der Kältewelle durch gefährliche Handelsgeschäfte an den Rand eines Zusammenbruchs gebracht. Die Empörung ist groß – und die Bundesnetzagentur droht den Händlern mit Konsequenzen. (Quelle: Süddeutsche Zeitung)


Hat man nur einen Erzeuger und einen Verbraucher, so ist eine Marktwirtschaft recht leicht zu beschreiben, denn aus dem Erzeuger wird ein Verkäufer und aus dem Verbraucher ein Käufer. Der eigentliche Handel(~Vertrag) findet nur zwischen diesem einen Erzeuger und einem Verbraucher statt (bilateral). Der Preis, zu dem das Geschäft abgewickelt wird, ist allerdings von der Vielzahl der anderen Erzeuger und Verbraucher abhängig.

Gibt es im Markt eine große Anzahl von Käufer, die einen besseren Preis bieten würden, so wird das bilaterale Geschäft nicht zustande kommen. Da sowohl (alle) Erzeuger als auch (alle) Verbraucher der Spezies Homo Oeconomicus (vergl. Wikipedia) angehören, stellt das Bestreben nach einer Maximierung des Nutzens eine Waage zwischen den gehandelten Strommengen und dem Preis her.

Physikalisch muss im Stromnetz immer soviel Strom eingespeist werden, wie genau zum gleichen Zeitpunkt auch entnommen wird. Da niemand Strom verschenken möchte, gehen manche Kraftwerke bei zu niedrigen Preisen vom Netz, manche bieten zu geringen Preisen an. Auf der Nachfrageseite gilt die Regel umgekehrt (zum Teil…) – geht der Preis nach oben, so werden zum Beispiel Pumpspeicher nicht gefüllt, oder in der Prozessindustrie einige Abläufe auf einen anderen Zeitpunkt verlagert.

Der Stromterrorist hat die notwendigen Finanzmittel, um als einziger in diesem System nicht wie ein Homo Oeconomicus zu agieren. Er hat zum Zeitpunkt des Angriffs keine Gewinnerzielungsabsicht mit seiner Handlung, sondern lediglich die Absicht der Destabilisierung des Stromnetzes. Nach dem Angriff ist er natürlich kein Marktteilnehmer mehr, da er von allen Seiten gejagt wird…

Das richtige Zocken an der Börse funktioniert über Spekulation. Man spekuliert damit einen Wissensvorteil zu haben, den man durch Marktbeobachtung erhalten hat. Bei einem gelungenen Handelsgeschäft, konnte man den Wissensvorteil nutzen und in monetären Profit umwandeln. Der Wissensvorteil wird auch Signal genannt, Anzeichen, dass ein bestimmtes Ereignis eintritt. Der Händler nutzt die Signale dann um entsprechend zu handeln (kaufen/verkaufen). Der Stromterrorist kennt die Wirkung von Signalen und sendet diese aktiv in den Markt.

Vom Börsenhandel mit anderen Produkten als Strom, weiß man, dass Händler irgendwann den Bezug zur Realität verlieren, wenn sie Handelssignale aktiv ausnutzen können. So wird beim Ölpreis davon ausgegangen, dass etwa die Hälfte des Preises rein durch Spekulation aufgeschlagen wurde. Eine Kette aus Signal->Reaktion->Signal->Reaktion.

Ein Dialog

“Hast Du gehört, morgen ist der Strompreis an der Börse bei über 100€/MWh, kannst Du Dein altes Dieselaggregat anwerfen, ich glaube er steigt noch weiter?”

“Klar, verkaufe mal 5 MWh zwischen 12:00 und 12:15 Uhr in eurem Pool”

Ein Dieselaggregat würde niemals Strom für den regulären Strombedarf liefern. Ab einem bestimmten Preis rentiert sich dies. Wurde die Erzeugung einmalig verkauft, so muss auch geliefert werden. Im Zuge, dass immer teurere Stromerzeuger an den Markt kommen, nutzen die bereits bestehenden Anbieter die Chance ihren Preis nach oben zu optimieren (Signalwirkung).

Der Stromterrorist sorgt für einen Blackout, durch den Ankauf von Strom, den er niemals beabsichtigt zu verbrauchen. Ab einem bestimmten Punkt beginnt der Markt dann von selbst zu tanzen, da Signale generiert werden, die nicht durch eine reale Nachfrage gedeckt werden.

In der Theorie dürfte eine Markterhöhung um 10 GWh ausreichen, um eine Destabilisierung herbeizuführen. Günstiger zu haben, als die terroristischen Anschläge der Vergangenheit.

Der veröffentlichte Bericht des BMWi meint:

Die Gutachter kommen darin zum Ergebnis, dass der Strommarkt grundsätzlich funktionsfähig sei und Versorgungssicherheit gewährleisten könne.

Glauben wir es mal.





Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Netze | Sicherheit

Schlagworte:

Stromterroristen | Stromausfall (11) | Blackout (16) | Strommarkt (81) | BMWi (36) | Bundesnetzagentur (54)




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