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Katharina Nocun: Die tägliche Überdosis

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Katharina Nocun: Die tägliche Überdosis

10.09.14  13:36 | Artikel: 961906 | News-Artikel (Red)

Katharina Nocun: Die tägliche ÜberdosisQualität und intelligente Inhalte sind eine Marktlücke.

Und Online ist der Markt für intelligente Unterhaltung gigantisch. Das haben nicht nur Netflix und Co. erkannt. Sie besetzen nun genau das Feld, das gerade die Öffentlich-Rechtlichen online erst zu lange verschmäht und in ihrem eigenen Sendeprogramm anschließend langsam Stück für Stück zusammengestrichen haben.

Ja, ich habe dieses Jahr GEZahlt. Doch wofür eigentlich?

Zu Gast in der Parallel-Welt Fernsehen

Ein ganz normaler Tag: Der Wecker klingelt. Ich stehe auf. Erstmal Kaffee. In der Küche schalte ich das Radio an. Dann wieder aus. Damit habe ich meine tägliche Dosis öffentlich-rechtlicher Medien bereits zu mir genommen.

Ich war in den letzten 12 Monaten in vielen Talk-Shows zu Gast. Über die meisten Sendungen musste ich mich ehrlich gesagt erst einmal online informieren – sie waren mir bis da hin vollkommen unbekannt. Fernsehen ist für mich eine Parallel-Welt ohne Berührungspunkt mit meinem Alltag. Dafür gibt es gute Gründe. Gute Serien oder Filme, die mir nicht das Gefühl geben mich systematisch zu verdummen, sind selten.

Gefühlt versickert ein Großteil meiner GEZ-Gebühren in Fußball-Lizenzen, Schmonzetten und Schlager-Conventions. Und "Jugend"-Sendungen, die niemand unter 30 ernsthaft schaut. Deren Lockerheit so verkrampft ist, dass einen unwillkürlich Mitleid überkommt. Vorgelesenen Tweets im Fernsehen wirken irgendwie hilflos.

Längst ist es kein intellektuelles Alleinstellungsmerkmal mehr, keinen Fernseher zu besitzen. Man befindet sich in bester Gesellschaft. Ein Tatort die Woche ist das höchste der Gefühle. Ansonsten stehen bei mir eher Produktionen aus Übersee wie "House of Cards" oder "Borgen" oder "Kommissarin Lund" auf dem Programm.

Wenn man doch öffentlich-rechtliche Inhalte konsumiert, dann nur selten bei den Anbietern. Eine funktionierende Mediathek ohne Löschroutine ist in den meisten Fällen in diesem Land nicht verfügbar. Wer intelligente Unterhaltung will, wird so fast automatisch in die Grauzone dubioser Streaming-Dienste gedrängt.

Das Netz ist mein Leitmedium



Die Welt verändert sich. Es gibt ganz normale Leute, die mit ihren Youtube-Channels heute mehr Zuschauer erreichen als RTL 2 zur Primetime. Ich habe Freunde, die lieber dem Youtuber gronkh beim Zocken und Philosophieren zuschauen, als sich von RTL2 erklären zu lassen, was man geil zu finden hat. Statt das zu bedauern und dem Medium Fernsehen hinterherzutrauern begrüße ich diese Entwicklung sehr.

Vor einem Jahr holte gronkh meinen Blog vom Netz, indem er auf einen Artikel über Generationengerechtigkeit von mir verlinkte – so ein ernstes Thema findet aus der Perspektive Junger Menschen im TV meist nur in der Nische statt.

Statt mich nach der Schule mit Andreas Türk und Barbara Salesch berieseln zu lassen wählte ich meine Quests lieber selbst am Rechner aus. Das Konzept von Fernsehen ist mir längst fremd. Es ist bevormundend. Ich will selbst entscheiden, ob mir gerade nach Doku oder Verdummung, Gehirnfick oder Nachrichten ist.

Während Online-Sender wie Netflix mit intelligenter Unterhaltung on Demand einen Erfolg nach dem anderen feiern, schafft sich das Fernsehen weiter ab. Die GEZ-Einnahmen lagen 2012 bei 7,49 Milliarden Euro. Die Novelle des Rundfunkbeitrag-Einzugs spült noch einmal gehörig Geld in die Kassen. Doch immer mehr Zahler haben das Gefühl, die GEZ-Gebühren wären eine Art Maut an eine Parallelwelt, die man eh nie betritt. Wozu dann zahlen?

Qualität kommt nicht von Quote



Wenn die wenigen anspruchsvollen Sendungen meist Nachts ausgestrahlt werden, dann lohnt es sich als Sender über die Erfüllung des eigenen Bildungsauftrags nachzudenken. Ich brauche als Beitragszahler ehrlich gesagt kein Wetten-Dass. Und auch keinen neuen "Quotenhit”, der intellektuell mit Bauer-sucht-Frau konkurriert. Und erst recht keine Liebesschmonzetten, die mir eine heile Welt vorgaukeln, die 40 Jahre zurück liegt. Das alles und noch viel mehr bekäme ich auch wo anders serviert, wenn es nicht bei den Öffentlich-Rechtlichen laufen würde. Dafür braucht man keine GEZ.

Was ich für mein Geld erwarte ist jedoch mehr kritischer unabhängiger Journalismus und investigative Reportagen. Journalisten die nicht locker lassen statt Stichwortgeber für Politiker zu spielen. Und Intelligente Filme und Serien, die meine Sicht auf die Welt verändern. Die mich überraschen statt in meinem Weltbild zu bestätigen. Und vielleicht eines Tages die Chance, Vorlesungen per Stream schauen zu können.

Kurzum: Etwas, dass mich als Zuschauer fordert. Und ernst nimmt. Etwas, dass in der reinen Marktlogik keinen Platz hat und doch gesellschaftlich wertvoll ist. Jeder will mal abschalten und sich auch manchmal einfach nur berieseln lassen. Doch zahlen wir dafür GEZ? Ich denke nicht.

Denn simple Realitätsflucht kann man schließlich auch wo anders deutlich günstiger haben. Meine Medienrealität findet online statt. Derzeit habe ich das Gefühl, 17,98€ wandern jeden Monat zum Großteil in eine virtuelle Parallelwelt. Mit der mich immer weniger verbindet. Erst recht nicht die kaputte Mediathek.

Das meiste davon mag ich mir nicht einmal illegal im Stream anschauen.

Irgendwann schlafe ich vor dem Rechner im Bett ein. Der Wecker klingelt. Ich stehe auf. Erstmal Kaffee. In der Küche schalte ich das Radio an. Dann schalte ich es aus. Damit habe ich meine tägliche Dosis öffentlich-rechtlicher Medien zu mir genommen. In meinem Freundeskreis macht mich das zum Exoten – die meisten hören nicht mal mehr Radio.



(Alles CC-BY-2.0 Bild1: Sarah Reid | Bild 2: BiblioArchives / LibraryArch | Bild3:Steve Jurvetson Bild4: Martin Howard)




Autor: Katharina Nocun

kattascha.de

Katharina Nocun (@kattascha) ist Netzaktivistin und war von Mai bis November 2013 politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland. Aktuell ist sie Themenbeauftragte für Datenschutz der Piratenpartei Deutschland. In ihrem Blog schreibt sie über Themen wie Netzpolitik, Datenschutz, Informationsfreiheit und digitale Menschenrechte.
Die hier genehmigten und veröffentlichten Artikel dienen der stärkeren Informationsverbreitung.



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Themenbereiche:

Medien | soziales | Gesellschaft

Schlagworte:

Qualität (17) | Inhalte (11) | Unterhaltung (5) | Fernsehen (4) | Mediathek | Youtube (7) | Radio (5)




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