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Gerechte Verteilung von Infrastrukturkosten - Netzentgelte

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Gerechte Verteilung von Infrastrukturkosten - Netzentgelte

27.10.14  09:20 | Artikel: 962024 | News-Artikel (Red)

Gerechte Verteilung von Infrastrukturkosten - NetzentgelteBereits im Juni dieses Jahres hatte der Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Homann eine Steigerung der Netzentgelte für Eigenstromer gefordert (blog.stromhaltig berichtete). Nach der dürftigen Reduktion der EEG-Umlage fühlen sich jetzt auch viele Interessenvertreter alarmiert, dass in Sachen Letztverbrauchspreis etwas geschehen muss.

Ist die Infrastrukturumlage bereits beschlossen?

Fast 90% der Kosten auf der Stromrechnung eines Letztverbrauchers sind variable, d.h. sie hängen unmittelbar mit der verbrauchten Menge an elektrischer Energie zusammen. Mit dieser Praxis ergibt sich für die Netzbetreiber ein Dilemma, denn optimierter Strombezug und damit rückläufige Verbrauchsmengen (vergl. Deutschland verbraucht immer weniger Strom), lässt sich nicht mehr mit Schönrechnen wegdiskutieren.

Bittere Wahrheit: Sparen schadet der Infrastruktur
Wird weniger Strom verbraucht, nehmen die Netzbetreiber weniger Geld ein. Infrastrukturkomponenten wie Leitungen, Trafos und Umspannwerke altern immer gleich schnell – unabhängig davon, wie viel Strom dadurch zum Letztverbraucher transportiert wurde. Die in der Buchhaltung übliche Praxis der Abschreibung über die Lebzeit passt sehr gut – folgen die Einnahmen allerdings nicht parallel, so klafft irgendwann eine Lücke zwischen dem benötigten Verbrauch und dem tatsächlichen Verbrauch.

Im Spätjahr 2014 ist der Beginn einer Umwälzung erkennbar, welche zunächst durch einen spürbaren Anstieg der Netzentgelte erkennbar ist. Auf Kurz oder Lang wird wohl eine fixe Infrastrukturumlage kommen, die unabhängig von der Verbrauchten Strommenge ist.

Der Strom-Soli

“Die Wettbewerbsverzerrung bei den Stromkosten bekommt jetzt eine neue Dimension: Betriebe aus der Region Südwestfalen haben es demnächst nicht nur schwer, mit Betrieben aus Nachbarstaaten wie z.B. Frankreich oder Polen zu konkurrieren. Bei den Stromkosten haben jetzt auch noch Betriebe aus anderen Regionen Deutschlands die Nase vorn.” (WSM Hauptgeschäftsführer Christian Vietmeyer. Siehe auch Verlag Proteus Solutions)


Über 600 verschiedene Verteilnetze gibt es in Deutschland, ein Flickenteppich, bei dem zwar einige Netze durch den gleichen Netzbetreiber betrieben werden, jedoch durch eine Rekommunalisierung immer mehr zu Inseln werden.

Die 4 Übertragungsnetze liegen darüber wie lose Wasserstraßen. Verteilnetzbetreibern wird aktuell eine Eigenkapitalrendite von 9% zugestanden – geht der Stromverbrauch zurück, gehen die Netzentgelte in diesem Netz hoch, damit die Rendite gleich bleibt. Transferzahlungen für Gebiete, die vom Investitionswillen benachteiligt wurden, gibt es nicht. Die Stromnetzperle in Berlin hat mit einem Netz in Südwestfalen nichts zu tun.

Ein Strom-Soli wird es wohl früher oder später geben, damit veraltete Infrastruktur nicht einem wirtschaftliches Genickschlag zum Opfer fällt.

Nichts mit Energiewende
In Richtung der Energiewende zu schauen und den Umbau der Verteilnetze in den Bereich der Folgekosten von Strom aus Wind -und Solaranlagen zu stecken, ist eine Verdrehung der Tatsachen. Sargträger der Energiewende reden heute von Netzdienlichkeit, wenn in Wirklichkeit von zu geringen Investitionen in den vergangenen Jahrzehnten in das Stromnetz gesprochen werden kann. Wie ein AKW einem Verteilnetz in Südwestfalen dienlich sein kann, sollte gerne einmal geschrieben werden. Kostenverlagerung von den Betriebskosten zu Erzeugungskosten sind wohl treffender.

Rendite via Infrastrukturumlage
Kommt als nächste Stufe der Netzentgelte eine zentrale Infrastrukturumlage, dann ist die 9% Eigenkapitalrendite auch in Zukunft gesichert. Ohne Risiko steht Topf zur Verfügung. Auf eine Umlage mehr oder weniger kommt es auf der Stromrechnung nicht mehr an. Das trifft den Gewerbebetrieb – wie auch den privaten Stromkunden.

Die ideale Lösung wird wohl eine vollständige Umgestaltung der Tarifierung des Strombezugs. Die heutigen Produkte sind zu weit von den tatsächlich zu lösenden Problem entfernt.


24.10.14: Nächster Stromkostentreiber - ENERVIE erhöht Netzentgelte deutlich



Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Kapazitätsmärkte | EEG

Schlagworte:

Stromkostentreiber (3) | ENERVIE (2) | Netzentgelte (19) | Stromkosten (20) | Wettbewerb (54) | Infrastruktur-Umlage (2)




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