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Warum der Strom nicht in die Tüte passt …

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Warum der Strom nicht in die Tüte passt …

07.12.14  10:30 | Artikel: 962150 | News-Artikel (Red)

Warum der Strom nicht in die Tüte passt …Die Sache mit dem Strompreis ist eine ganz feine Sache, denn es kommt viel in die Tüte:

“Roswita Wehrle-Edelbach steht mit den Kollegen Elisabeth Ottenhagen-Nieberg und Enzo Blackwater auf dem Parkett der Strombörse. So nach und nach kommen die ersten Anbieter von Solarstrom rein. Tütenweise schleppen sie ihre Ware zum Verkauf rein. Laut Prognose soll die Tüte heute bei 50 € liegen, aber ein Blick nach draußen – strahlender Sonnenschein – lässt schon vermuten, dass wohl ein paar mehr Verkäufer auftauchen. Und so entwickelt sich das ganze auch. Immer mehr Solarstromtüten stehen zum Verkauf. ”
(Auszug aus Tricks der Energieversorger)

Das Modell, wie heute über die Bezahlung von elektrischer Energie gedacht wird, ist eindeutig in die Jahre gekommen. Sie stammt aus einer Zeit, als Brennstoffkosten entscheidend waren, und Klimaschutz eine Null-Nummer. Arbeit (Wattstunde) wollte belohnt werden.

Das gesamte Konstrukt der sogenannten Merit Order beruht darauf, dass die Nachfrage auf die Erzeugung einwirkt, indem der Strom teurer verkauft werden kann, wenn die Nachfrage steigt. Ist der Strom teurer, dann können auch Kraftwerke mit teureren Brennstoffen (Steinkohle, Gas, Öl) zum Einsatz kommen.

Leider existiert keine Umkehrfunktion am Markt, d.h. wenn Brennstoffkosten gespart werden, gibt es keine fallenden Preise für den Letztverbraucher. Die historische Merit Order versagt an einem Markt, sobald die verfügbare Menge an Stromtüten in einer Preisstufe variabel ist.

Strom: Neu Denken!
Würde man den Strommarkt heute neu denken, dann käme man nicht mehr auf einen Arbeitsmarkt - die Bezahlung von elektrischer Arbeit. Das Modell eines Stückgutes – oder einer zeitlichen Dienstleistung geht nicht mehr auf. Miet- und Eigentumsmodelle bieten eine Alternative (Beispiel: Hybridstrommarkt für private Letztverbraucher).

Ausflug zum Friseur
Lässt man sich die Haare schneiden, dann bezahlt man einmal einen Preis. Verrechnet wird mit diesem Preis die Arbeitszeit. Zweimal die Haare kürzen, bedeutet zweimal den Preis bezahlen. Es gibt eine klare Umrechnung zwischen Zeitaufwand und bezahltem Entgelt. Wird Zeit gespart, weil man zum Beispiel die Haare selbst föhnt, so zahlt man weniger. Braucht man mehr Arbeitszeit, weil man zum Beispiel die Haare färben lässt, so zahlt man entsprechend mehr.

Weiterflug ins Autohaus
Kauft man ein neues Auto, so ist der Preis hauptsächlich von der Ausstattung abhängig. Einmalig wird ein Preis bezahlt, für die Arbeit, die für den Zusammenbau notwendig gewesen ist. Ob man das Auto tatsächlich fährt – hat auf den Preis, den man zahlen muss, keine Auswirkungen.

Geht die bezahlte Arbeit zurück, so hört man in den Medien entweder von der Mindestlohndebatte (im Friseurhandwerk), oder Stellenstreichungen (in der Automobilindustrie). In beiden Fällen wird Arbeit verrichtet, wie es auch ein Brennstoff bei einem Kraftwerk macht.

Überflug zum Automobilverleiher
Ein Mietwagenunternehmen muss anders seine Preise gestalten. Zwar fallen hier auch Kosten für die Arbeit zum Zeitpunkt der Anmietung oder der Rückgabe an, jedoch ist die Mietdauer der wichtigste Posten auf der Rechnung. Der Verleiher berechnet die Kosten für die Gesamtzeit, in der ein Fahrzeug im Fuhrpark ist – und teilt diese durch die Dauer, die er es verleihen kann. Es entsteht ein Mietpreis.

Diese Art die Kosten umzulegen ist ein Grund, warum man bei der Automiete die Brennstoffkosten nicht mit bezahlt, sondern bei der Rückgabe den Tank mit gleichem Füllstand zurück gibt.

Landeanflug zum Strompreis
Verbraucht man seinen Strom direkt neben einem Kohlekraftwerk, so geht die bisherige Rechnung mit der bezahlten Arbeit tatsächlich auf. Da allerdings der Wind und die Sonne keine Rechnung schicken, klappt ein Modell, wie beim Friseur nicht.

Dem Betreiber eines Sonnen- oder Windkraftwerkes fallen Kosten bei der Errichtung der Anlage an. Dies würde eigentlich dem Modell aus dem Autohaus recht nahe kommen…

Für einen Netzbetreiber ist es relativ egal, ob gerade viel Strom oder wenig Strom durch seine Leitungen fließt. Der Trafo, das Umspannwerk und die Stromzähler verursachen Kosten bei der Anschaffung, die auf die Lebzeit umgelegt werden müssen. Dies würde einer Kostenverrechnung des Mietwagenunternehmens recht nahe kommen…

Bei Braunkohlekraftwerken und Steinkohlekraftwerken fallen durch die Abgaben auf CO2 variable Kosten an, die abhängig sind von dererzeugten Strommenge. Dieser Typus des Kraftwerks findet seinen Platz bei der sogenannten Ausgleichenergie, bei der ein Preis auf Basis des aktuellen Bedarfs entsteht.

Landung beim Strommarkt
Soll der Letztverbraucher nicht die Zeche für Designfehler im Strommarkt zahlen, ist ein ganzheitlicher Ansatz, der die Stärken und Schwächen jeder Komponente der Stromlogistik berücksichtig, empfehlenswert. Im Hybridstrommarkt wird dies realisiert, indem jeder Letztverbraucher selbst auf dem Markt tätig werden kann (aber nicht muss) und Teile des Strombedarfs durch ein Mietmodell eindecken kann - den restlichen Teil durch eine Verrechnung von Arbeit.

blog.stromhaltig wird in der kommenden Woche bei der Veranstaltung Trialog "Grünbuch Strommarktdesign – von nationalen Klimaschutzzielen zu nachhaltiger europäischer Stromerzeugung" die Ausführung des Beitrages als Diskussionsgrundlage verwenden. Gerne werden Stimmen (und Fragen) von den Lesern entgegengenommen.

05.11.14: Tricks der Energieversorger: Schnäppchen mit Tütenstrom und Co. (1/2)



Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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Themenbereiche:

Energiepolitik | Strommarkt | Stromhandel

Schlagworte:

Strompreis (217) | Roswita Wehrle-Edelbach | Merit Order (3) | Hybridstrommarkt (15) | Arbeitszeit (4) | Brennstoffe (3) | Letztverbraucher (8)




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