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Mehr Spannung, Spiel und Liberalität im Strommarkt

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Mehr Spannung, Spiel und Liberalität im Strommarkt

07.12.14  14:00 | Artikel: 962152 | News-Artikel (Red)

Mehr Spannung, Spiel und Liberalität im Strommarkt
Bild: WikiImages
In der Adventszeit in einen der Cash & Carry Märkte des Handels zu gehen ist eine Zumutung.

Als ob eine akute Hungersnot drohen würde, wird versucht die vor dem Wochenende ohnehin nicht mehr vorhandene Restaufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Es nervt! Besonders dann, wenn wegen dem 0,1 Cent günstigerem Markt am anderen Ende der Tankfüllung noch die Finanzdirektion (auch Ehefrau genannt, Anm. d. Red.) einen “kleinen Schlenker extra” vor dem Heimweg plant. Die Lebenszeit ist wirklich mehr wert, daher lieber mehr Zahlen. Gewonnene Zeit ohne Zwangsverweihnachtung.

Christmas-Shopping für den Stromverbrauch? Bestimmt nicht! So schön kann der Strommarkt nicht sein. Auch nicht beim Hybridmarktmodell.

"Das Telefonbuch ist gut, aber logischerweise trocken. Spannung kann kaum aufkommen, weil es zu viele Darsteller und keine Handlung gibt."
(Christian Schwarz-Schilling – Postminister a.D.)

Ein paar Einheiten Strom zu handeln ist frei von jeglicher Emotion. Kein menschlicher Sinn wird auch nur im Ansatz gekitzelt, dennoch braucht jeder einen Anschluss und damit einen Marktzugang. Mit der Liberalisierung des Strommarktes darf man zwar zwischen 450 Darstellern wählen, viele bleiben dann doch lieber bei der Post, denn dort kostet die Einheit nur 21 Pfennige.

Kunden Emanzipation
"So viel Wettbewerb wie möglich – so viel Regulierung wie nötig."
(Devise nach Schwarz-Schilling / Quelle Peter Tauber)

Bei der Liberalisierung des Telefonmarktes gingen die Preise für den Endkunden deutlich zurück. Einige Verwirbelungen entstanden, als für ein paar Monate die Oma in Hamburg günstiger erreicht werden konnte, als der Kumpel um die Ecke. Von den Telefonkunden damals kann man lernen, wie anpassungsfähig der gemeine Kunde eigentlich ist. Call-By-Call war nur außerhalb des Ortsnetzes möglich. Im stillsten Örtchen musste man weiter per Post (jetzt Telekom AG) telefonieren. Dürfen und Musste macht den Unterschied bei der Aktivierung des emanzipierten Kunden.

Wenn über die Einführung eines neuen Strommarkt-Designs diskutiert wird, dann sollte der Letztverbraucher deutlich mehr dürfen, als dies heute möglich ist.

540 Milliarden Kilo-Wattstunden verbrauchen die Deutschen pro Jahr und zahlen dafür etwa 97,2 Milliarden Euro. Zum Vergleich liegt der Umsatz der Bekleidungsindustrie bei unter 30 Milliarden Euro (Quelle: Statista) – dort wünscht der Kunde, dass er mehr bestimmen darf als die Größe.

Ausgeschnitten und an den Kühlschrank gehängt
Als die Einheit zum Minutenpreis wurde, kam der Call-By-Call Sport auf. 18 Jahre nach den ersten Konzepten aus dem Postministerium war der Telefonkunde nicht nur dank gackernder Hühner und Füße mit nur 3 Zehen in TV-Spots am Bruchteile von Pfennigen sparen. Rückblickend doch ziemliche Verschwendung von Lebenszeit…

Die damals noch weit verbreiteten regionalen Tageszeitungen lieferten als extra Service diese praktischen Vergleichstabellen. Ausgeschnitten und an der Pinnwand oder Kühlschrank aufgehängt, machte man aus irgend einem Grund den kleinen extra Schlenker, bevor man die Oma angerufen hat.

Auf dem Agora der Energiewende gibt es Kritiker, die meinen, dass der Letztverbraucher beim Thema Strom keinen extra Schlenker machen würde. Hat Roswita Wehrle-Edelbach nicht auch die Samstagszeitung mit der Schere behandelt?

So wie damals, so wird es nicht mehr…
Wer bei dynamischen Stormpreisen, Call-By-Call für Strom oder dem Hybridstrommarkt-Design an die Servietten aus dem Markt am Ende der Tankfüllung, oder den Zettel mit des Sparvorwahlen denkt, hat eine grundlegende Eigenschaft leider nicht verstanden.

Elisabeth Ottenhagen-Nieberg darf entscheiden, muss es aber nicht. Eine der großen Stärken des Hybridstrommarktes ist die Möglichkeit einer Einführung, ohne Big-Bang. In der Sprache des Modells bekommen die Stromkunden am Tag 0 zu 100% Ausgleichenergie. Auch 20 Jahre später, darf Elisabeth noch 100% Ausgleichenergie erhalten. Selbst Bert oder Rainer, Enzo oder Justin – alle haben eine Wahlfreiheit.

Natürlich wird es asoziale, kinderlose Singlehaushalte geben, die ihre Waschmaschine kostenoptimiert über den Kapazitätsanteil betreiben, aber es wird auch die Gutbürger geben, denen Verfügbarkeit von Sonne und Wind am Geldbeutel vorbei geht.

Wählen ist eine spannende Handlung
Es ist schön, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Der extra Schlenker für die Servietten, wird durch den Finanzdirektor belohnt mit Anerkennung. Es tut gut…

Beim Telefonmarkt hat es 10 Jahre bis zur Liberalisierung gedauert, weitere 8 Jahre bis zu den ersten Flatrates und nach 30 Jahren kennt kaum noch jemand die Beschallung “Ferngespräch auf Leitung 7″ im Cash & Carry Markt. Die gesamte Beziehung zum Telefonieren hat sich verändert – eine Veränderung, die mit viel Innovation auch im Strommarkt möglich ist.

Liberalität bei einem Marktdesign, ist mehr als der Versuch der Besitzstandswahrung, sondern die Öffnung für mehr Darsteller. Denn: Im Gegensatz zum Telefonbuch, nimmt beim Strommarkt die Spannung zu, denn die Handlungen sind individuell wie das Leben.


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Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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Themenbereiche:

Energiepolitik | Strompreise | Strommarkt

Schlagworte:

Spannung (35) | Liberalität | Strommarkt (81) | Hybridmarktmodell | Ausgleichenergie (9)




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