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Grundsatzentscheidung: Strommarkt 2.0 oder Kapazitätsmarkt (oder doch anders?)

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Grundsatzentscheidung: Strommarkt 2.0 oder Kapazitätsmarkt (oder doch anders?)

05.01.15  10:15 | Artikel: 962237 | News-Artikel (Red)

Grundsatzentscheidung: Strommarkt 2.0 oder Kapazitätsmarkt (oder doch anders?)“Wenn Gesellschaft und Politik zu einer derartigen Weiterentwicklung des Strommarktes mit Knappheitspreisen nicht bereit sind, bedarf es eines Kapazitätsmarktes”
(Quelle: Kapitel 9 des BMWi Grünbuchs)

Bereits in einem voran gegangenen Beitrag hatte blog.stromhaltig versucht eine Antwort auf die Frage zu geben, warum es eigentlich einen neues Strommarkt-Design in Deutschland benötigt. Viel wichtiger ist jedoch die Frage: Warum sollte man sich darum kümmern?

Der "vollkommene Markt" muss dazu nur endlich von bisherigen Unvollkommenheiten befreit werden. Dazu werden die Vorschriftenwerke und Gesetze immer noch weiter ausgedehnt und mit einer Detailtiefe versehen, die letztlich sich wie eine totale Entmündigung der Branche sowie der "Letztverbraucher" auswirkt.
(Dr. Franz Hein – Einreichung zum Grünbuch)

Wenn Gesellschaft und Politik nicht bereit sind…
Bereits in der Prämisse des Bundes-Wirtschaftsministeriums stehen Signalbegriffe, die einen aufhören lassen. Kümmert man sich nicht heute darum etwas zu verändern, dann hat dies zur Folge, dass man mehr zahlen darf (und sich bitte nicht beschweren soll). Eine (weitere) Entmündigung des Stromkunden mit Ankündigung. In anderen Worten: ein Aufruf zur Artikulation der Bedürfnisse – jetzt und heute!

Gesellschaft und Politik haben bislang nur wenig mit dem Strommarkt zu tun. Entsprechend sind Begrifflichkeiten und Zusammenhänge unbekannt und suchen nach einer Definition. Geliefert wird diese Definition nur zu gerne von Vertretern der Interessensgruppen. Die Aufgabe der Medien ist es, hier einen Schritt weiter zu blicken.

Wir müssen daher eine Grundsatzentscheidung treffen…
… steht ebenfalls im Kapitel 9 des BMWi Dokumentes. Müssen wir? Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist hervorragend. Trotz aller Unkenrufe hat der Ausbau von Strom aus Wind- und Sonnenenergie keine Verschlechterung der Verfügbarkeit oder sogar Blackouts mit sich gebracht. Deutschland hat es geschafft einen soliden Ausstieg aus der Atomenergie auf den Weg zu bringen, bei gleichzeitigem Ausbau der Erneuerbaren. Möglich wurde dies durch enorme Überkapazitäten im bereich der fossilen Kraftwerke. Ab einem Punkt (der im Jahre 2014 erreicht wurde), kompensiert die Ökostromerzeugung nicht mehr allein den Atomausstieg, sondern übernimmt Teile der Berechtigung konventioneller Kraftwerke. Eine Branche befindet sich im Wandel, welche bis dato versucht wurde fernzusteuern.

“Orchestrierung statt Steuerung von außen” (Dr. Franz Hein)

Es ist eine einmalige Chance, die sich mit dem Grünbuch “Strommarkt zur Energiewende” und dem späteren Weißbuch eröffnet. Es besteht die Möglichkeit, dass Politik und Gesellschaft ihre Erwartungen und Wünsche definieren. Für eine allgemeine Grundsatzentscheidung fehlt hingegen das Handwerkszeug. Soll dies Anlass genug sein, das Spielfeld der Branche selbst zu überlassen?

Übersehener Stromkunde
Der Aufruf zur öffentlichen Konsultation des Wirtschaftsministeriums hat mittlerweile 31 Einreichungen gebracht. Darunter ganze Designvorschläge wie der dezentrale Leistungsmarkt des BDEW, EOM des EFET oder der Flexmarkt des BNE. Selbstverständlich wurde auch der Hybridstrommarkt bereits eingebracht.

Auf die Grundsatzentscheidung antwortet die Friedrich Ebert Stiftung:

Folgen also den durchaus gut begründeten, befristeten Subventionen zur Markteinführung Erneuerbarer demnächst unbefristete Subventionen für Konventionelle? (Quelle)

Eine Frage, die sich durchaus aufdrängt, wenn man sich einige Statistiken zu den verwendeten Begrifflichkeiten ansieht. Im Hinblick auf das Strommarkt-Design können einige Schlagworte als Synonym betrachtet werden:

Gruppe: Gesellschaft
Gesellschaft, Stromkunde, Letztverbraucher, Bürger, Endverbraucher

Bei der Einreichung des BNE wird der Stromkunde reduziert auf einen intelligenten Stromzähler:

Für alle Kunden unterhalb dieser Schwelle ist dafür ein intelligentes Messsystem i.S.d. § 21d EnWG Voraussetzung

Damit klammert der Bundesverband Neue Energiewirtschaft die Gesellschaft (Letztverbraucher, Stromkunde) aus der Gruppe der Akteure aus. Daraus ergibt sich die Frage, wieso jemand (=Gesellschaft) die Regeln für ein Spiel definieren soll, bei dem andere Spieler vorhanden sind. Für die Politik ist dies vielleicht Alltagsgeschäft, der normale Bürger dürfte damit seine Schwierigkeiten haben.

Der Verband Deutscher Gas- und Stromhändler (EFET) spricht sich für eine weitgehende Liberalisierung des Marktes aus. Hinsichtlich der Stromkunden wird die Aussage gemacht:

Bestehende Hemmnisse für die Endverbraucher, am Markt teilzunehmen, sollten abgebaut werden.

Online Umfrage – Stromkunde
Beim Hybridstrommarkt wird der Letztverbraucher, Stromkunde, Bürger in den Fokus gestellt. Die Grundsatzentscheidung wird nichtig, da die Möglichkeit zur individuellen Gestaltung eingeräumt wird.

ZUR ONLINE UMFRAGE




Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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erneuerbare Energien | Kapazitätsmärkte | Netze

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