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C. Kemfert: Was ist los auf dem Ölmarkt, warum fällt der Preis und wie geht es weiter?

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C. Kemfert: Was ist los auf dem Ölmarkt, warum fällt der Preis und wie geht es weiter?

17.01.15  12:00 | Artikel: 962289 | News-Artikel (Red)

C. Kemfert: Was ist los auf dem Ölmarkt, warum fällt der Preis und wie geht es weiter?
Prof. Dr. Claudia Kemfert
© Oliver Eltinger
Energieökonomin Prof. Dr. Claudia Kemfert beantwortet in Ihre Kolumne «Tagesklima» ein paar Fragen rund um den Themenkomplex Öl. Hier die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen:

Wie lässt sich der aktuelle Ölpreis erklären?

Der derzeitige Preisverfall ist in erster Linie spekulativ getrieben: offensichtlich gibt es einen starken Herdentrieb unter Spekulanten und Investoren, die fallende Preise erwarten. Die fundamentalen Marktdaten lassen einen derartigen Preisverfall kaum erklären: zwar fördern die USA mehr Öl als früher, die OPEC hat die Förderung kaum gekürzt, Nordafrika hat im gleichen Zeitraum jedoch deutlich weniger Öl als bisher gefördert, gleichzeitig steigt zudem auch die Ölnachfrage insbesondere durch die stark wachsenden Volkswirtschaften immer weiter an- wenn auch in geringeren Umfang als noch vor einem Jahr. Von einer "Ölangebotsschwemme" kann jedoch kaum die Rede sein. Es sind wohl eher Erwartungen, die die Preisreduktionen hervorbringen.

Woher rührt der derzeitige Ölüberschuss?

Die USA fördern mehr Öl mittels Fracking. Zeitgleich jedoch fördert Nordafrika deutlich weniger Öl, sodass man kaum eine starke globale Angebotsausweitung beobachten kann. Vielmehr ist die Nachfrage insbesondere in Asien weniger stark gestiegen. Dies führt zu einem leichten Angebotsüberschuss. Von einer "Ölschwemme" kann jedoch keine Rede sein, hier scheint vielmehr die Intention zu sein, dass der globale Weltmarkt glauben soll, es gäbe eine solche Ölschwemme um bestimmte Staaten wie z.B. Russland finanziell zu schaden. Es gibt sicherlich eine zielgerichtete Kommunikation mit rein geopolitischen Interessen bestimmter Markt-Akteure und Länder.

Öl ist eine endliche Ressource, wie kann es dann aktuell so günstig sein?

Es handelt sich um kurzfristig temporär spekulativ getriebene Preise. Öl bleibt auch eine endliche Ressource, die zukünftigen Ölförderungen werden aufwendiger und teurer (Fracking, Tiefsee, Permafrostboden), auch bei der Nachfrageentwicklung ist keine Trendumkehr in Sicht, da stark wachsende Volkswirtschaften insbesondere in Asien mögliche Öl-Nachfragerückgänge in OECD Ländern deutlich überkompensieren. Zukünftig werden die geopolitischen Konflikte um Öl eher zunehmen als abnehmen.

Warum drosseln die größten Ölexporteure nicht einfach ihre Fördermengen?

Viele OPEC Staaten haben kein Interesse an einer Förderkürzung, da ein Großteil der Staatseinnahmen durch den Verkauf von Öl erfolgen wie beispielsweise in Venezuela. Von den OPEC Staaten hätte allein Saudi Arabien die Möglichkeit, die Förderungen zu drosseln ohne bedrohliche finanzielle Verluste erleiden zu müssen. Dass es dies nicht tut, zeigt das Interesse, dass man die USA indirekt zwingen möchte, künftig weniger Öl mittels Fracking zu fördern. Dies wird auch geschehen, wie man heute schon beobachten kann, da die Fracking- Förderung sich schon derzeit vermindert.

Wie bewerten Sie die Praxis, dass Händler und Produzenten zurzeit offenbar Öl auf Schiffen lagern, bis der Preis wieder ansteigt?

Dies ist ein oftmals zu beobachtendes Phänomen in Zeiten stark schwankender Ölpreise. Da man in der Tat in der Zukunft mit wieder steigenden Ölpreisen wird rechnen können, lohnt sich das finanzielle Geschäft für Ölhändler, nun billig Öl zu kaufen, zu lagern und später zu einem höheren Preis zu verkaufen.

Gefährdet der aktuelle Ölpreis die Entwicklung in Sachen Elektromobilität und alternativen Antrieben, schließlich gehen davon doch völlig falsche Signale aus, oder?

Nicht unmittelbar, denn sowohl im Bereich Mobilität als auch im Bereich der energetischen Gebäudesanierung handelt es sich um langfristige Investitionen mit Investitionszyklen die mindestens ein Jahrzehnt umfassen. Sehr kurzfristige Ölpreisentwicklungen spielen keine übergeordnete Rolle. Man darf auch nicht vergessen, dass es sich beim Öl nach wie vor um eine endliche Ressource handelt, deren Förderung immer teurer werden wird. Somit lohnen sich die Investitionen ins Energiesparen und in alternative Antriebstechnologien mittelfristig auf jeden Fall.



Andere Artikel zum Thema Ölpreis:

05.01.15: Franz Alt: Der Ölpreis steigt auch wieder
13.01.15: Fell: Ölpreis im Keller - Anzeichen für eine jahrzehntelange Ölschwemme?



Autor: Claudia Kemfert

www.claudiakemfert.de

Claudia Kemfert leitet die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), ist Professorin an der Hertie School of Governance in Berlin und berät immer wieder Politiker zum Thema Energie und Klimaschutz. Vor kurzem kam ihr Buch “Kampf um Strom” heraus, in dem sie mit den Ökomythen & Energie-Irrtümern aufräumt.



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Themenbereiche:

Energiepolitik | Ressourcen

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Ölmarkt | Claudia Kemfert (13) | Ölpreis (4) | Ölüberschuss | Fracking (19) | Ressource (9) | Ölexporteure | Fördermengen




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