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Kommentar: Grabenkriege im Lobby-Journalismus

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Kommentar: Grabenkriege im Lobby-Journalismus

21.01.15  10:50 | Artikel: 962302 | News-Artikel (Red)

Kommentar: Grabenkriege im Lobby-JournalismusBerichterstattung in den Medien ist stets unabhängig, objektiv, wahrheitsgemäß und frei von der eigenen Meinung! - Wer das heute immer noch glaubt, der ist mehr als naiv.

Viele Berichte, Artikel oder Texte in den Medien sind es eben nicht.

Da wo der Polizeibericht noch den Unfall mit Fahrerflucht einigermaßen sachlich darstellen kann, ist eine gewisse Objektivität noch vorhanden. Geht es denn um wirtschaftliche Interessen - und die hat es ja fast bei jedem Thema - dann werden Objektivität und Unabhängigkeit schnell über Bord geworfen.

Die Diskussion über die Energiewende ist das beste Beispiel.

Die Wahrheit sollten oder dürfen Journalisten nicht verbiegen. Lügen gehört nicht zum Repertoire der Presse, auch wenn einige bösartige Gruppierungen von Lügenpresse reden. So wird denn auch die bewusste Verbreitung von Lügen vom Presserat schaft verurteilt.

Doch es müssen keine Lügen sein. Da wird schon mal ein Nebensatz in einem Zitat weggelassen, der relativierend gewesen wäre oder es wird immer wieder durch Wiederholungen vorgegaukelt, was das Beste wäre. Wenn die Presse ja so intensiv darüber schreibt, dann ist da wohl schon was dran.

Trotzdem wird der aufmerksame Leser wohl die Dschungelcamp-Nachlese in der Süddeutschen nicht im Kulturteil suchen ...

Aber es gibt eine viel bessere, sogar perfidere Methode, wie Journalisten heute über Themen berichten: Sie nutzen entsprechende Euphemismen. Worte und Formulierungen, die beschönigend, mildernd oder in verschleiernd sind. Schaut man genauer hin, dann fällt so etwas gleich ins Auge.

Kollege - und Energiewende-Gegner - Daniel Wetzel ist ein Musterbeispiel für solche Formulierungen: Flatterstrom, wucherndes Problemfeld der Energiewende, Subventionstatbestand, Stromautobahnen, Markteingriff, ...
(Eine kleine Liste mit seinen Artikeln findet man auch auf www.wetzels-welt.de.)

Andere Beispiele sind z.B. grundlastfähig, Windmonster, Stromlücke, ... und ganz aktuell von Frau Merkel: «die Atempause der Photovoltaik».

Wir Befürworter von Zappelstrom & Co. verhalten uns natürlich nicht anders. Würden wir rein objektiv berichten - was per se schwierig wäre -, hätte der eine oder andere Artikel kaum Leser. Mindestens eine heftige Schlagzeile ist notwendig. So redet das andere Lager dann auch von Kohle-Amigos, 4G, dunkler Macht, Dreckschleudern ...

Als Leser sollte man daher genau hinsehen, was in Punkto Beeinflussung so alles in einem Text steht. Belege für gemachte Aussagen oder Behauptungen können da möglicherweise nützlich sein.

Ändern wird sich die Situation vermutlich nicht.



Anmerkung:
Daniel Wetzels Überschrift in der Welt Die Strombranche versteht ihren Minister nicht mehr ist eigentlich schon cool, weil diese ja haarscharf an der Grenze ist.
Oder hat die Strombranche tatsächlich ihren "eigenen" Minister? Kann man die kaufen?



Das Netzwerk MetropolSolar Rhein-Neckar hat übrigens das Thema schon vor ein paar Tagen aufgegriffen und sammelt derzeit diese Euphemismen in einer Übersicht. Wer etwas beitragen möchte schreibt eine Mail an: info@metropolsolar.de oder kommentiert hier unter diesem Artikel.


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19.07.13: Fell: Gefallen an Gefälligkeiten über Journalismus und Korruption
07.12.13: Journalismus für die Energiewende: brotlose Kunst
21.02.14: Journalistenzentrum fordert: Akkreditierung muss Bloggern wie allen anderen Berichterstattern offenstehen



Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



1 Kommentar(e) zum Artikel.
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Kilian Rüfer Mittwoch, 21. Januar 2015 um 11:50

Es ist ein Dilemma.
Erstens haben wir eine freie Presse. Das ist sehr gut.
Im Zusammenhang mit #Charlie Hebdo und #Pegida haben wir noch etwas anderes gesehen. Diese freie Presse hat viel Verantwortung und Einfluss. Es muss also auch präzise Kritik an der Presse möglich sein ohne das dies verzerrt als Einschränkung wargenommen wird.
Hier ist aber auch der eigene Anspruch mit im Spiel: Es ist eine übertriebene Erwartung, dass Journalisten wirklich alle Themen ausreichend durchdringen könnten. Diejenigen, die sich darum redlich bemühen, will ich ausdrücklich in Schutz nehmen.
Dennoch sind auch ein paar Blindgänger unterwegs - ohne aussortiert zu werden!


Themenbereiche:

Journalismus | Kommentar | Medien

Schlagworte:

Grabenkriege | Lobby (24) | Journalismus (12) | Berichterstattung (3) | Euphemismen (2)




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