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Kämmerer und Kommunen: «Mutti, mein Spielzeug ist kaputt, ich will ein neues!»

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Kämmerer und Kommunen: «Mutti, mein Spielzeug ist kaputt, ich will ein neues!»

29.01.15  10:30 | Artikel: 962330 | News-Artikel (Red)

Kämmerer und Kommunen: «Mutti, mein Spielzeug ist kaputt, ich will ein neues!»Nordrhein-Westfalen ist von den Auswirkungen der Energiewende mehr betroffen, als andere Bundesländer. Nicht zuletzt, weil Energieriese RWE dort seine Heimat hat.

Dem Konzern geht es zunehmend schlechter und Stadtwerke und Kommunen haben teilweise auf das falsche Pferd bei Investitionen gesetzt.

Die WAZ schreibt in einem aktuellen Kommentar, dass jetzt Berlin helfen müsse.


Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung veröffentlichte gestern:

Man kann den Stadtwerken sicher einiges vorhalten. Wie die großen Konzerne haben auch die kommunalen Versorger die Folgen der Energiewende zunächst sträflich unterschätzt. Hinzu kommen ein paar hausgemachte Fehler. Die Verträge beim Pleite-Kraftwerk in Hamm hätten sich die damals beteiligten Stadtwerke-Manager genauer ansehen müssen. Es war purer Leichtsinn, das nicht zu tun.
Nun heißt es für die betroffenen Kommunen: mitgefangen, mitgehangen.

Hoffentlich haben die sechs Revier-Städte mit der Übernahme des Kohleverstromers Steag mehr Glück.

Dennoch: Stadtwerke und ihre in die Tausende gehenden Belegschaften arbeiten hochprofessionell. Sie gehören zu den Leistungsträgern unserer Region. Allein in Duisburg redet man über eine jährliche Wertschöpfung von rund 200 Millionen Euro zugunsten der Stadt: Gehälter, Konzessionsabgaben, Dienstleistungen. Die Energiewende aber nimmt unsere Region regelrecht in die Zange. RWE strauchelt und jetzt bekommen auch einige Stadtwerke Probleme.

Höchste Zeit, dass Düsseldorf in Berlin vorstellig wird.

Quelle: WAZ | Michael Kohlstadt


Nun soll es also Berlin wieder richten. Frei nach dem Motto: «Mutti, mein Spielzeug ist kaputt, ich will ein neues!»

Doch der Ruf nach Hilfe wäre schon dreist, sollte er denn kommen. Kämmerer und Kommunen haben bereits in der Vergangenheit gezeigt, wie sie versuchen die klammen Kassen zu füllen. Allein in der letzten Krise haben sich viele Kommunen verzockt, weil sie auf Lehman Brothers und ähnliche Anbieter vertraut haben. Hier stand einzig die Rendite im Vordergrund.

Dabei sollte für jeden intelligenten Menschen mit ein wenig Grütze im Kopf klar sein, dass Anlagefonds, die 10, 12 oder mehr Prozent Rendite versprechen hochriskante Spekulationen sind. Dabei scheint es den Anlegern auch völlig egal zu sein, dass sie in Fonds investieren, die Waffengeschäfte unterstützen, ganze Landstriche ökologisch vernichten oder Menschenrechte mißachten. Gerade US-Unternehmen wie z.B. Blackrock, KKR oder Goldman-Sachs sind da nicht zimperlich.

Geht dann was schief, dann kennt man die Entsprechenden Stellungnahmen ja zur Genüge: «Damit konnte ja keiner rechnen», «Wir hatten die besten Absichten» oder «Wir hatten ja keine Ahnung».
Richtig, und davon jede Menge! Gerade Kämmerer, die Buchhalter einer Kommune, waren in der Vergangenheit stark von der Spielsucht befallen.

Jeder Privatkunde muss ein Papier unterschreiben, wenn er nur seine VWL in einen Fonds einzahlt, dass es sich um eine hochriskante Anlageform handelt. Verspekuliert er sich damit, muss er eben mit den Folgen leben.

Bei öffentlichen Einrichtungen oder großen Unternehmen scheint sich zunehmend die Verhaltensweise zu etablieren, nach stattlicher Hilfe zu rufen, wenn es den Bach runter geht. Klar, hängen da mitunter Angestellte dran. Trotzdem ist die Situation durch die Zockerei einiger weniger Personen entstanden: zumeist Kämmerer, Bürgermeister und Gemeinderäte.

Solange es in diesem Bereich keinerlei persönliche Haftung gibt, wird sich die Situation in Zukunft kaum ändern. Hier sollten Gesetze durchaus auf den Prüfstand gestellt werden. Bei kleinen Unternehmen haftet der Geschäftsführer oder Inhaber bei grober Fahrlässigkeit voll mit dem privaten Vermögen. Große Unternehmen oder öffentliche Stellen, denen das Geld anderer Leute anvertraut wird, rufen nach staatlicher Hilfe: Spielsucht auf Kosten von Kunden und Bürgern.




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Energiepolitik | Gesellschaft

Schlagworte:

Kämmerer | Kommunen (7) | Nordrhein-Westfalen (2) | Investitionen (20) | Zockerei




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