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Die Smart-Meter-Diskussion - Ein Kommentar

13.02.15  09:00 | Artikel: 962396 | News-Artikel (Red)

Die Smart-Meter-Diskussion - Ein KommentarAktuell reden ja alle über den Sinn und Unsinn von diesen intelligenten Stromzählern. Ausgelöst durch das Eckpunkte-Papier aus dem Wirtschaftsministerium. Die einen Sind dagegen - die anderen dafür. Was ist dran an dieser Debatte?

Die alten Stromzähler kennt jeder: schwarze Kisten, die im Zählerschrank im Keller verbaut sind mit der bekannten sich drehenden Scheibe mit der roten Markierung. Genannt werden sie Ferraris-Zähler, benannt nach dem italienischen Ingenieur Galileo Ferraris. Ein wenig Hintergrund zum diesen Zählern findet man in der Artikelliste am Ende dieses Beitrages.

Geht es nach dem Willen des BMWi, dann soll es in naher Zukunft intelligente Stromzähler in jedem Haushalt geben. Grund genug für die verschiedenen Interessenverbände dazu Stellung zu beziehen. So redet die Verbraucherzentrale von «Zwangsbeglückung» und auf der anderen Seite der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI) von «volkswirtschaftlichen Potenzialen».

Doch bringt es dem Kunden einen Nutzen, wenn er womöglich eine höhere Jahresgebühr für seinen Zähler zahlen muss, im Gegenzug aber nur seinen aktuellen Verbrauch via Website abrufen kann? Wohl eher nicht.

Der ZWEI hätte auch ehrlich schreiben können:
«Leute, überweist uns einfach eure Kohle.»

Denn die flächendeckende (Zwangs-)einführung solcher Zähler in Deutschland ist wohl so was wie ein feuchter Traum für Elektriker und die produzierende Elektronikindustrie. Aber «volkswirtschaftliche Potenziale» klingt halt besser.

Also sind diese Geräte völlig überflüssig? Und nur für die Leute interessant, die ihren Stromverbrauch genau analysieren oder jederzeit die Leistungswerte sehen möchten? Wäre eine Möglichkeit - ich habe auch so ein Smart-Meter im Keller, aber eher aus beruflichen Gründen ...

Der Witz ist, dass von den meisten Energieversorgern immer noch gefordert wird, man solle doch am Jahresende den Zähler ablesen und den Stand - womöglich per Postkarte - mitteilen. Obwohl das Gerät ja genau das selbst übernehmen (können) sollte.

Doch einem Großteil der Anbieter fehlt es schlichtweg an der technischen Infrastruktur, um alle diese Werte automatisiert erfassen zu können.
Das sieht sogar der BDEW als Herausforderung.

Wofür, fragt man sich, sind diese Dinger denn dann gut?

So ein intelligenter Zähler hat eine andere Art von Messwerk, als die alte Variante. Ein Smart-Meter kann nicht nur schnöde den summierten Verbrauch als Zahl darstellen sondern legt auch alle 15 Minuten die aktuellen Leistungs- und Verbrauchswerte in einer Datei ab. Das ergibt dann ein Lastprofil.

Dynamische-Stromtarife-AppellSo einen richtigen Nutzen, auch für den privaten Kunden, bringen diese 15 Minuten-Messungen aber erst dann, wenn es endlich dynamische Stromtarife gibt. Sprich, Tarife, die mit unterschiedlichen Verbrauchspreise pro Tag auswarten können.

Damit lässt sich dann besser entscheiden, wann denn die Waschmaschine oder der Backofen am billigsten betrieben werden kann.

Doch dynamische Tarife sind für Energieversorger so was, wie für den Teufel das Weihwasser. Man scheut den zusätzlichen Aufwand und die Einrichtung der Infrastruktur ... denn die Gewinne könnten ja weiter schrumpfen.

Doch das wäre auf Dauer volkswirtschaftlich sogar richtig gut. Denn dann könnten die gewaltigen Energiemengen der Erneuerbaren wesentlich besser verteilt werden und man könnte endlich auf das anachronistische Standard-Lastprofil des BDEW verzichten, an das sich dieser Verein so vehement klammert.

Es mag noch andere Gründe geben, die den Einsatz eines Smart-Meters rechtfertigen, doch die breite Masse der Endkunden kann noch gut darauf verzichten.

Andere Artikel zum Themenkomplex:

27.02.14: Basiswissen - Mein Stromzähler gehört ... ja, wem eigentlich?
08.05.13: Was machen eigentlich diese Smart Meters, die intelligenten Stromzähler?
18.07.12: Datenschützer fordert datenschutzfreundliche Umsetzung von Smart-Metern
21.01.15: Kommentar: Die Serviceleistungen der Energieversorger
13.09.13: Wechsel des Stromanbieters! Macht des Kunden oder machtloser Kunde
23.10.12: Kostenlose Studie zu Smart Metering in Europa
10.07.14: Smart Meter können Stromnetze entlasten und Verteilnetzausbau reduzieren



Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



3 Kommentar(e) zum Artikel.
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Rainer Freitag, 13. Februar 2015 um 16:02

Nun ja, täusche ich mich oder kennen keiner die Grundlage „warum“ „intelligente Messsysteme und - Zähler auf europäischer Ebene“ eingeführt werden sollen – die „EU-Energieeffizienzrichtlinie (2012/27/EU)“ ?

Das D hier nicht zu „Potte“ kommt, sagt viel über die hiesige Mentalität, aber sehr wenig über die Möglichkeiten „technischer Intelligenz“ aus, welche wohl dem fehlen menschlichen Intelligenz abhelfen soll.

Nachdem jeder – nahezu jeder – über z.B. ein Smartphone verfügt, wären auch andere „smarte Lösungen“ auf Basis dieser Zähler denkbar. Wenn das „meine Daten“ sind, warum soll ich nicht selbst darüber verfügen und lediglich dem EVU das freigeben, was denen zu einer Abrechnung wohl schon zusteht ? Warum muss alles dazu vernetzt sein ? Lokale Anbindung an den in Bälde in jedem Haushalt vorhandenen „DSL-Router“ ist komplett auch lokal möglich. Wer jetzt behaupten möchte, nicht jeder Haushalt würde über einen „DSL-Router“ verfügen, mag sich mal zunächst über die Zukunft der Telefonie in D orientieren. Nicht mehr wirklich lange und jeder Haushalt wir nur noch über IP – Telefonie verfügen.

Noch ein „smartes Endgerät“ über (vorzugsweise LAN) oder eben WLAN zum Zähler, entsprechende Software und schon hat jeder der das möchte, eine Schnittstelle auf der ganz andere feine Sachen „aufgesetzt“ werden könnten.

Daran könnten sich durchaus hiesige Firmen austoben und smarte Dinge – Hard – und Software verkaufen. Mich würde das freuen, darauf warte ich schon seit längerem...

Rainer Montag, 16. Februar 2015 um 00:35

Ein wenig OT – oder doch nicht ?

Zum zweiten mal stimmt meine PV-Jahresabrechnung nicht – beim letzten Mal wurde die selbst genutzte und brav von „zuständigen“ Smartmeter gezählten kWh mit denen welche eigentlich die Überschusseinspeisung darstellen vertauscht.

Traumhafte Eigennutzung aber ~ 350 €uronen teurer :shock: Nach sehr viel Zusatzarbeit ging es dann doch noch in die richtige Richtung.

In diesem Jahr verlangt mein geschätztes netzbetreibendes EVU, gleich sämtliche Pauschalzahlungen wieder zurück. Das erstaunliche dabei, obwohl alle Daten diesmal in der richtigen Reihenfolge vollkommen stimmig auch auf der Rechnung stehen, wurde nix verrechnet und ich soll bis in 10 Tagen den „saldierten Betrag“ überweisen – oder schlimmes passiert !

Immerhin 2,5 Mille !

Weil ich (auf dem Papier) nix produziert habe, gibt’s ab sofort auch keine pauschalen Vorauszahlungen mehr............

Da ist zu befürchten, falls sich das Smartmeter auch in D weiter „ausrollt“ wird wohl gleich garnix mehr klappen. Vermutlich werden bei meinem Netzbetreiber die Rechnungen vollautomatisch erstellt und ebenso eingetütet – wer weiß das in unseren modernen Zeiten schon......

Einziger Lichtblick, ich musste meine Tabellenkalkulation nur wenig verändern um meine Protest Mail nachhaltig zu gestalten.

Ajaz Shah Mittwoch, 18. Februar 2015 um 10:29

Wenn ich das richtig verstanden habe, dann gibt es zumindest bei Care Energy dynamische Stromtarife.
Also ist der Anfang diesbezüglich schon gemacht. Nun hat aber die Erfahrung bisher gezeigt, dass der Verbraucher beim Thema Strom sehr wechselfaul ist.

Dieses Problem muss von solchen alternativen Anbietern noch besser gelöst werden.


Hallo,
Ja, das sind eigentlich die einzigen, die das anbieten. Müsste man mal in der Praxis erproben, ob das ok ist.
Die Firma war ja in der Vergangenheit schon heftig in den Medien....
Aber das ist ein guter Ansatz.


Themenbereiche:

Datenschutz | Sicherheit | Strom

Schlagworte:

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