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C. Kemfert: Wie geht es weiter mit der Energiewende nach dem Energiedialog in Bayern?

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C. Kemfert: Wie geht es weiter mit der Energiewende nach dem Energiedialog in Bayern?

25.02.15  09:11 | Artikel: 962419 | News-Artikel (Red)

C. Kemfert: Wie geht es weiter mit der Energiewende nach dem Energiedialog in Bayern?
Prof. Dr. Claudia Kemfert
© Oliver Eltinger
Energieökonomin Prof. Dr. Claudia Kemfert beantwortet in Ihre Kolumne «Tagesklima» ein paar Fragen rund um den Themenkomplex Energiedialog in Bayern.

Ist der Netzausbauplan in seiner jetzigen Form überdimensioniert?

Durchaus, da der Netzausbauplan davon ausgeht, dass in der Zukunft noch ein erheblicher Anteil des Stroms aus Kohlekraftwerke gewonnen werden wird. Kohlestrom passt jedoch nicht in eine nachhaltige Energiewende, da Kohlekraftwerke zu inflexibel sind in der Kombination mit erneuerbaren Energien und zudem zu viele Treibhausgase verursachen. Zudem muss das gesamte Stromsystem dezentralisiert, flexibilisiert und dynamisiert werden, in der Zukunft müssen auch mehr Speicher hinzukommen. Wenn all dies passiert, kann auf so manche neue Trasse verzichtet werden.

Welche Stromtrassen nach Bayern wären aus Ihrer Sicht sinnvoll?

Vor allem solche, die für die Energiewende unabdingbar sind: um Windstrom von Nord nach Süd transportieren zu können, kann es notwendig sein, dass zumindest eine zusätzliche Stromtrasse gebaut werden muss. Wichtig sind aber vor allem auch die Netzoptimierung, sowie der Ausbau intelligenter Verteilnetze, sowie der enge Stromverbund Bayerns mit Österreich.

Ist der Bau neuer Gaskraftwerke in Bayern sinnvoll?

Er kann sinnvoll sein, denn Gaskraftwerke sind anders als Kohlekraftwerke gut kombinierbar mit volatilen erneuerbaren Energien. Wichtig ist aber zudem, dass in Bayern der Ausbau erneuerbarer Energien weiter vorankommt, zudem mehr Pumpspeicher eingesetzt werden und innovative und intelligente Verteilnetze ausgebaut werden.

Würden subventionierte Gaskraftwerke den Strompreise unverantwortlich verteuern? Sie plädieren dafür, alte Kohlekraftwerke vom Netz zu nehmen. Inwiefern würde das moderne Gaskraftwerke rentabler machen? Könnte man dann sogar ohne Subventionen auskommen?

Derzeit gibt es einen massiven Stromangebotsüberschuss, vor allem dadurch dass noch immer alte ineffiziente Kohlekraftwerke am Netz sind. Dadurch ist der Strompreis an der Börse unnötig niedrig, was die Rentabilität aller Kraftwerke schmälert. Wenn alte ineffiziente Kohlekraftwerke vom Netz gehen würden, gäbe es eine doppelte Dividende: die Klimaziele können erfüllt werden, zudem steigt der Börsenstrompreis und somit die Wirtschaftlichkeit von Pumpspeicher- und Gaskraftwerken.

Somit könnte man auch ohne Subventionen – vor allem ohne einen ineffizienten und teuren Kapazitätsmarkt- auskommen. Aber selbst wenn man Gaskraftwerke in einer Größenordnung von 2 GW hinzubauen würde und dies über einen Extra-Bonus finanzieren würde, würde dies den Strompreis so gut wie gar nicht ansteigen lassen.

Ist die Position der CSU, sich gegen Stromtrassen zu sträuben und dafür Gaskraftwerke zu verlangen, aus Ihrer Sicht nachvollziehbar?

Bayern kann sich der Energiewende in ganz Deutschland nicht entziehen und sollte den Gesamtblick nicht komplett außen vor lassen. Zum einen ist es durchaus möglich, dass auch eine Stromtrasse von Nord nach Süd notwendig sein wird, um überschüssigen Windstrom abzutransportieren. Zum anderen darf es kein "entweder-oder" geben, Bayern muss selbst seine Hausaufgaben machen: mehr erneuerbare Energien, mehr Speicher, mehr Systemflexibilität auch mittels intelligenter Strom-Verteilnetze. Nur so kann die Energiewende in Bayern aber auch in ganz Deutschland gelingen.

Würden Sie dem Bund empfehlen, der bayerischen Position zu folgen?

Jedes Bundesland steht vor anderen Herausforderungen. Wenn Bayern seine Hausaufgaben macht und Vorreiter der Energiewende samt Innovationen und effektiven Rahmenbedingungen wird, können andere Bundesländer sicherlich von Bayern lernen. Vor allem der vorbildliche Energiedialog als Instrument für mehr Bürgerbeteiligung und Demokratie ist bundesweit vorbildlich und sollte viele Nachahmer finden.

Gefährdet es nicht die Klimaschutzziele der Energiewende, wenn man auf Dauer im großen Stil auf Gaskraftwerke setzt und nicht auf die Versorgung mit Ökostrom über neue Stromtrassen?

Grundsätzlich verursachen Gaskraftwerke weniger Treibhausgasemissionen als Kohlekraftwerke, zudem sind sie flexibel in der Kombination mit erneuerbaren Energien. Für eine erfolgreiche Energiewende sind aber vor allem der konsequente Ausbau der erneuerbaren Energien sowie Speicher und intelligente und flexible Stromsysteme notwendig. Nur neue Gaskraftwerke zu bauen macht keine erfolgreiche Energiewende aus.




Autor: Claudia Kemfert

www.claudiakemfert.de

Claudia Kemfert leitet die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), ist Professorin an der Hertie School of Governance in Berlin und berät immer wieder Politiker zum Thema Energie und Klimaschutz. Vor kurzem kam ihr Buch “Kampf um Strom” heraus, in dem sie mit den Ökomythen & Energie-Irrtümern aufräumt.



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Themenbereiche:

Energiepolitik | Netzet | Bayern

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