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Blick hinter die Kulissen: Die Netzleitstelle in Esslingen

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Blick hinter die Kulissen: Die Netzleitstelle in Esslingen

16.03.15  13:30 | Artikel: 962472 | News-Artikel (Red)

Blick hinter die Kulissen: Die Netzleitstelle in Esslingen
Leitstelle der EnBw in Esslingen
© Netze BW
Jeder in unseren modernen Gesellschaft erwartet morgens nach dem Aufstehen, dass das Licht im Bad angeht, Föhn oder Rasierer funktionieren und das kleine rote Licht an der Kaffeemaschine angeht - alles auf Knopfdruck. Wir sind abhängig von dieser Art der Energie und das nicht nur aus Bequemlichkeit.

Damit das richtig funktioniert und der Strom erwartungsgemäß aus der Steckdose kommt, sind natürlich eine ganze Reihe von Stellen in der Kette von der Erzeugung bis zum Endverbraucher beteiligt. Eine wichtige Station sind die Netzleitstellen der Verteilnetzbetreiber. In Baden-Württemberg ist die Netze BW dafür verantwortlich, dass die Verteilung bis zum Kunden richtig und ohne Pannen funktioniert.

Stromexperte Thorsten Zoerner und ich haben die Netzleitstelle in Esslingen besucht und uns über die Aufgaben der Netze BW und die Struktur des baden-württembergischen Netzes informiert.

Kinofeeling zwischen Enterprise, Wargames und Multimedia

Der Raum ist ein wenig vergleichbar mit dem US-amerikanischen Strategic Air Command (SAC NORAD). Unwillkürlich muss ich an den Film Wargames aus den 80ern denken. Sicherheitsbereich mit Zutrittskontrolle. Ein gut zehn Meter breiter Wandbildschirm auf dem zentral in der Mitte eine Karte von Baden-Württemberg zu sehen ist. Links und rechts davon schematische Zeichnungen von verschiedenen Netzbereichen. In drei Inseln sind insgesamt sechs Arbeitsplätze in ganzer Breite vor der zentralen Anzeige angeordnet. Jeder Mitarbeiter hat 6-8 eigene Monitore vor sich und überwacht die eigenen Bereiche. Jederzeit kann eine Meldung auftauchen, die ein Problem signalisiert und Entscheidungen für die notwendigen Reaktionen erfordert. Doch an diesem Donnerstag Abend um kurz nach 18:00 Uhr sind die sechs Männer der Schicht entspannt. Bisher keine ungewöhnlichen Vorkommnisse.

Netzleitstelle Esslingen
© Netze BW

Über Energiewende wird hier nicht geredet. Die Leute machen Ihren Job und verteilen Energie, die teilweise von den Übertragungsnetzbetreibern geliefert oder im Ländle selbst erzeugt wird. Der Verteilnetzbetreiber ist verantwortlich für alle Leitungen von den Spannungsebenen 220 kV bis runter zur Haushaltsspannung.
Fast 400 Umspann- und Verteilstationen sind im ganzen Bundesland verteilt und werden von den Leitstellen überwacht und bedient. Bei der Netze BW gibt es insgesamt vier solcher redundant ausgelegten Leitstellen.

Mit drei Mausklicks in die Dunkelheit

Entspannt kommen wir ins Gespräch und Günter Daum (Teamleiter Netzführung Hochspannung) erklärt uns das System. Nahezu alles kann visualisiert werden. Von der Totaldarstellung des gesamten Bundeslandes bis hin zu jeder Verteilstation in Wohngebieten, wahlweise mit Luftbildern a la Google Maps hinterlegt, lässt sich das Netz im Detail auf dem Hauptschirm darstellen.

Schnell wird klar: Jeder Mitarbeiter kann mit drei Mausklicks ganze Städte in die Dunkelheit schicken. Romantik per Knopfdruck oder volkswirtschaftlicher Schaden in Millionenhöhe. Niemand hier trifft leichtfertige Entscheidungen, denn neben monetären Folgen kann es auch ganz schnell mal um Menschenleben gehen. Z.B. dann, wenn eigene Mitarbeiter an den Hochspannungsleitungen arbeiten müssen. Hier steht Sicherheit an erster Stelle und es gibt klare Regeln für die Kommunikation, damit Fehler ausgeschlossen werden können.

Wir wollen wissen, was denn passiert, wenn z.B. eine dieser Hochspannungsleitungen ausfällt; Stürme können so etwas verursachen.

Ein Mitarbeiter schaltet kurzerhand eine dieser Leitungen ab. Wir sehen, wie sich die im Netz vorhandene Energie einen anderen Weg zum Ziel sucht und die Belastungen der Leitungen sich verschieben. Kleine Zahlen an den Verbindungslinien zeigen die Auslastung, kleine Pfeile die Richtung des Energieflusses dar. Das Netz ist so ausgelegt, dass es zu Ausfällen kommen kann, ohne dass gleich das Licht ausgeht. In unserem Falle war die Abschaltung der Leitung eine Simulation und zeigte, wie das System reagiert. Die Warn- und Bestätigungsmeldungen sind jedoch die gleichen wie unter Live-Bedingungen.

Der Weg in Richtung Dezentralisierung

Da wir uns viel mit der Energiewende beschäftigen, fragten wir natürlich auch nach den Strommengen aus dem Bereich der Erneuerbaren und auch, was sich im Laufe der Jahre geändert hat. "Früher war es übersichtlicher. Da wurde der Strom von der Erzeugung bis zum Verbraucher in einer Richtung verteilt. Heute fliest er häufig auch in die andere Richtung, weil große Energiemengen durch die Erneuerbaren eingespeist werden.", erzählt Thilo Elsner, Leiter Netzführung Strom/Gas.

Wir sehen Lastkurven, die sich wetterabhängig teilweise gravierend verändern: Photovoltaik-Strom. Die Leitstelle hat das im Griff und doch ist es eine stete Gratwanderung solch ein Netz stabil zu halten. Denn ein Stromnetz kann keine Energie speichern. So muss immer gleich viel Energie erzeugt werden, wie die Verbraucher fordern. Regelenergie heißt hier das Schlagwort. Ist zu wenig Strom im Netz, muss die Erzeugung erhöht werden. Bei zuviel Energie müssen Kraftwerke aller Art heruntergeregelt oder sogar abgeschaltet werden. Dabei werden die Reaktionsgeschwindigkeit und die räumliche Stellung bewertet.

Herausforderung Sonnenfinsternis

Für den Fall, das doch mal der Blackout kommt, existieren Notfallpläne für alle möglichen Szenarien, egal ob Ausfall der Mitarbeiter oder Angriffe auf die Infrastruktur. Der anstehenden Sonnenfinsternis blicken die Mitarbeiter eher ausgeglichen entgegen. Das Wetter spielt eine entscheidende Rolle. Bei schlechtem Wetter über Deutschland bleibt die Situation entspannt; bei strahlendem Sonnenschein könnte das ganze eine Herausforderung werden (Volker Quaschning erklärt das in seinem aktuellen Beitrag). Prognosen wagt indes niemand. Zu viele Variablen, die ungünstig aufeinander treffen, können die Situation schlagartig verändern. Die Übertragungsnetzbetreiber haben im Rahmen der Sonnenfinsternis ganz Deutschland im Blick und schon entsprechende Vorbereitungen getroffen.


Wir bedanken uns bei allen Beteiligten für den Einblick in die Leitstelle und die detaillierten Antworten auf unsere Fragen.

Thorsten Zoerner hat natürlich ebenfalls einen Betrag zu diesem Besuch geschrieben.

Netzleitstelle Esslingen
© Netze BW / Kai Decker




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



2 Kommentar(e) zum Artikel.
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Kilian Rüfer Mittwoch, 18. März 2015 um 12:42

Habt ihr mit den Kollegen auch über das Thema Netzausbau gesprochen? Wenn man 100 % Erneuerbare will, dann sind Übertragungsnetze wichtig. Wie viele Übertragungsnetze aber nötig sind, wenn man dazu nach und nach die Kohle verdrängt, das ist noch immer unklar. Unabhängige und qualifizierte Aussagen dazu sind rar. Wirklich Bescheid wissen eigentlich nur die abhängigen, die vom Bau oder Betrieb der Leitungen signifikant profitieren. Gerade in dieser Frage sind ernsthaft neutrale Beobachter sehr selten.

Kilian Rüfer Mittwoch, 18. März 2015 um 12:45

Ich meinte natürlich Verteilnetze und nicht Übertragungsnetze, die für die dezentrale Energiewende wichtig sind. Wie viele Übertragungsnetze nötig sind, dass ist die Frage um die sich Mythen ranken.


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Veranstaltung | Unternehmen | Technik

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Experten (27) | Netzleitstelle (3) | EnBw (23) | Esslingen (5) | Energieerzeugung (14) | Netzstabilität (19) | Regelung (4) | Frequenz (10) | Sicherheit (139)




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