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Stromkosten: Bürger fangen an sich Gedanken zu machen

13.03.15  14:15 | Artikel: 962477 | News-Artikel (Red)

Stromkosten: Bürger fangen an sich Gedanken zu machenSeit Jahren wird im Zusammenhang mit der Energiewende das Thema Stromkosten immer heftig diskutiert.

Für Privatkunden ist es relativ leicht, sich einen günstigeren Anbieter zu suchen.
Doch wer aus beruflichen Gründen viel Strom benötigt, der zahlt auch trotz Anbieterwechsel oftmals große Beträge.

Der Leidensdruck scheint zunehmend bei Handwerkern und kleinen Unternehmen angekommen zu sein, so dass diese Personen jetzt versuchen, die Kosten zu senken. Und da wird kaum eine Idee ausgelassen.


Am Mittwoch klingelte bei mir das Telefon. Eine junge Frau stellte sich vor. Ihr Mann sei Metzger, sie hätten eine Metzgerei mit Kühltheke und Kühlraum, benötigen ca. 30.000 kWh Strom pro Jahr und hätten jetzt Interesse daran, den Strom direkt an der Strombörse einzukaufen; denn da, sei dieser ja viel billiger, als bei ihrem jetzigen Anbieter. Die Preise und die Entwicklung hätte sie auf unserer Börsenstrompreisseite gesehen.

Da geht einem viel durch den Kopf im ersten Moment, denn so einfach und unkompliziert ist das Leben in Deutschland leider nicht. Doch obwohl so mancher, der mit der ganzen Materie vertraut ist, diese Idee als naiv bezeichnen würde, musste ich meiner Anruferin Respekt zollen.

Vermutlich kam da in den letzten Tage die Stromrechnung und die dort aufgeführten Beträge waren kein Grund zur Freude. Womöglich war der Anruf beim Stromanbieter auch nicht von Erfolg gekrönt und so versuchte man Alternativen zu suchen. Dass die Börsenstrompreise da verlockend sind, ist verständlich.

Doch im Schnelldurchlauf die entsprechende Ausbildung zu machen, sich eine Börsenzulassung zu besorgen und als Stromhändler aufzutreten kommt wohl eher nicht in Frage.

Wieder ein Erlebnis war dann die Reaktion auf meinen Einwand, man müsse auch schon ein gewisses Handelsvolumen umsetzen: Dann holt man eben ein paar Gleichgesinnte mit ins Boot, dann sollte das reichen!

Und schon sind wir bei den Grundlagen der Genossenschaft angekommen. Genau so haben vor langer Zeit Landwirte angefangen sich zu Einkaufskooperationen zusammen zu schließen. Heute kennen wir die als Volks- und Raiffeisenbanken.

Natürlich könnte die einfachste Lösung die Installation einer Solaranlage sein. Ein Kühlraum im eigenen Betrieb ist das Paradebeispiel für einen Speicher. Tagsüber wird der Raum mit dem Solarstrom etwas weiter runtergekühlt, so dass es in der Nacht so gut wie keine Leistungsaufnahme mehr braucht.

Sofort tauchte dann die Frage nach der Anlagengröße und dem Einsparpotential auf. Doch das lässt sich so pauschal nicht beantworten, denn Dachgröße, örtliche Gegebenheiten und andere Kleinigkeiten müssen hierzu berücksichtigt werden.

Und eine weitere Frage tauchte im Zusammenhang mit den Gleichgesinnten auf: Man könnte doch eine größere Anlage bauen, von der dann jeder seinen Strom beziehen kann. Mein Einwand, das man nicht einfach so ein Kabel durch die Stadt legen dürfe oder das Gebühren fällig seien, wenn das örtliche Netz benutzt werden würde, stieß auch nicht an Gegenliebe.

Vermutlich wird jetzt ein ansässiger Solarteur die Gegebenheiten vor Ort prüfen und dann ein konkretes Angebot erstellen...

Aber grundsätzlich gingen mir zwei Gedanken durch den Kopf:

Zum einen ist der von Thorsten Zoerner entwickelte Hyridstrommarkt genau die Lösung für dieses Problem. Und genau solche Unternehmer gibt es in Deutschland Tausende, die eine solche Lösung realisieren würden.

Zum anderen sagte mir dieses Telefonat wieder, dass wir Bürger die Ideen und Konzepte intuitiv entwickeln und irgendwann umsetzen werden. Möglicherweise auch gegen Industrie und Politik. Denn der Genossenschaftsgedanke war schon vor langer Zeit sehr erfolgreich und ist auch heute immer noch aktuell: Was du alleine nicht schaffst, das realisiere zusammen mit anderen.

Insofern konnte ich letztendlich über dieses Telefonat nur staunen.

Jetzt müssen wir diese Ideen nur noch in die Köpfe der Politiker prügeln. Denn diese Konzepte sind nachhaltig und haben mehr Bestand als die Shareholder Value-Konzepte der Konzerne.







Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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Strompreise | Bürger | Energiepolitik

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