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Grundsätzlich unterstützen wir ja die Energiewende ...

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Grundsätzlich unterstützen wir ja die Energiewende ...

26.03.15  11:33 | Artikel: 962516 | News-Artikel (Red)

Grundsätzlich unterstützen wir ja die Energiewende ...Gabriels Eckpunktepapier «Strommarkt» sorgt derzeit wieder für Diskussionen über alte Kraftwerke und Klimaschutz. Jede Lobbygruppe und jeder Verband nutzt natürlich die Gelegenheit, die eigene Fahne zu schwenken. Doch die Polemik und Argumentationsketten können auf Dauer schon ziemlich nerven.

Im Eckpunktepapier aus dem BMWi wird gefordert, zusätzlich 22 Millionen Tonnen Kohlendioxid einzusparen. Dazu sollen Kraftwerke, die älter als 20 Jahre sind, mit ausgleichenden Kosten für Emissionen belegt werden.

Polen, Panik und Polemik

Schaut man sich verschiedene Stellungnahmen von den betroffenen Industriezweigen oder Vertretern - Braunkohletagebau, Kraftwerksbetreiber, Energieversorger - an, so stellt man recht schnell fest, dass die Argumentationen mehr in Richtung Polemik gehen.

Arbeitsplätze, Versorgungssicherheit, Wirtschaftsstandort Deutschland und nationaler Alleingang sind die Schlagworte der Stunde, die allerdings mittlerweile recht inflationär ihre Verwendung finden. Und momentan auch wieder ganz gerne genutzt: das was ich ganz gerne die reverse NIMBY-Begründung nenne.

Reverse NIMBY-Begründung? Qu'est que c'est?

NIMBY steht bekanntlich für das Akronym: Not In My Backyard - also nicht in meinem Hinterhof oder auch Garten.

In vielen Pressemitteilungen muss man dann die Formulierung verwenden: Grundsätzlich unterstützen wir ja die Energiewende ... aber doch bitte wo anders und nicht bei uns. Das betrifft z.B. Stromleitungen, Windenergieanlagen oder Endlager in der Nachbarschaft. Wenn es weit genug weg ist von zu Hause, dann ist es toll. Am besten wäre es, wenn das im Ausland passiert; Stichwort Atommüll-Entsorgung.

Beim Reverse-NIMBY heißt es jetzt: wenn wir es nicht machen, dann machen es die anderen. Wenn wir alte Kohlekraftwerke abschalten, dann wird in Polen oder anderswo billiger Braunkohlestrom erzeugt. Das bringt den Klimawandel nicht weiter, denn Luft kennt ja bekanntlich keine Grenzen.

Die Logik ist ja grundsätzlich nicht verkehrt, doch die Intention dahinter ist eine andere. Genauso wie beim Argument der Arbeitsplätze, wird genau die Begründung genommen, die den Parteien gerade wichtig erscheint.

Das ist ja im Prinzip auch in Ordnung. Doch muss ein klimaschädlicher Industriezweig auf Kosten der Umwelt gerettet werden? Genauso, wie wir seit Jahren Milliarden in die deutsche Steinkohle als Subventionen stecken, obwohl die Industrie immer abfällig von Subventionspolitik gegenüber den Erneuerbaren redet?

Wenn natürlich die Milliarden in die eigene Tasche wandern ...

Lippenbekenntnisse reichen nicht

In der ganzen Energiewende-Diskussion verlieren viele das Ziel aus den Augen, bei dem ja alle grundsätzlich zustimmen: Umbau der Energieversorgung auf erneuerbare Energien und nachhaltiger Klimaschutz gegen den globalen Klimawandel. Sogar die Amis haben mittlerweile eingeräumt, dass sich in Sachen Klima was verändert ...

Aber im Tagesgeschäft sind dann Arbeitsplätze von Betroffenen wichtiger als Klimaschutz, Konzerngewinne wichtiger als Problemlösungen. Jeder kämpft um einen Teil des Kuchens und votiert für eigene Interessen, anstatt gemeinschaftlich Lösungen zu finden. Welcher Konzern verzichtet heute für nachfolgende Generationen auf Profite? Eben. Der nächste Monatsbericht steht an und die Aktionäre wollen Geld sehen.

Die Technik ist ja auch aus vielen anderen Bereichen bekannt: Im Handel wird immer gerne die Begründung «der Kunde will das so» herangezogen. Die wenigsten Unternehmen fragen den Kunden. Vielmehr werden die Entscheidungen im Hinblick auf Gewinnmaximierung getroffen.

Das ist übrigens bei den Erneuerbaren nicht anders, als bei der fossilen Industrie. Bei den Energiewende-Unterstützern findet man durchaus teilweise die gleichen Phrasen plus Ausdrücke wie z.B. «Marktanreize» ... auch nicht besser.

Letztendlich bedeuten die Begründungen in den verschiedenen Diskussionen zur Energiewende, dass die Ehrlichkeit völlig ausgeblendet wird.
Klar, wer schreibt schon in eine Pressemitteilung:
Es ist uns scheißegal, was da mit Klima und so gelabert wird, wir haben einfach nur eigennützige Interessen zu vertreten.

Kommt wohl nicht gut, würde aber die wahre Natur des Menschen besser darstellen.
Blöd ist, dass sich dadurch viele Menschen auch beeinflussen lassen.






Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Energiepolitik | Klimaschutz

Schlagworte:

Arbeitsplätze (33) | Klimaschutz (128) | Braunkohle (52) | Versorgungssicherheit (50) | Polemik (5)




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