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Undefinierte Selbstgenügsamkeit

27.07.15  10:33 | Artikel: 962867 | News-Artikel (Red)

Undefinierte SelbstgenügsamkeitDer Begriff Autarkie kann man sehr leicht erklären, wenn man irgendwo in den Alpen auf einer einsamen Berghütte sitzt. Diese ist wahrscheinlich zu 100% autark, denn sie ist nicht an das Stromnetz angeschlossen. Strom gibt es am Tag durch eine PV-Inselanlage und Wasser kommt aus dem Bach daneben. Der Streben nach Selbständigkeit – Autarkie – ist in der PV-Branche zum Treiber für Speicher geworden. Was steckt dahinter? Worum geht es eigentlich? Was wollen Menschen eigentlich erreichen, wenn sie in einen (elektrischen) Speicher investieren?

Klickt man sich im SMA SunnyPortal nach der Werbung zur Garantieverlängerung und den Hinweisen zu Wartungsarbeiten weiter, so kommt man recht schnell zu einer Anzeige der Autarkiequote. Dem Eigenstromnutzer wird ein Wert zwischen 0 und 100% präsentiert, der je nach Tagesform mal etwas höher – mal etwas niederer ausfällt.

Donnerstag 23.07.2015 – ein ganz normaler Sommertag im Casa Stromhaltig. Das Portal verrät uns, eine Autarkiequote von 64%

Tagesverbrauch13,06 kWh
Netzbezug4,70 kWh
Eigenversorgung8,36 kWh
Tagesertrag27,65 kWh
Eigenverbrauch8,36 kWh
Netzeinspeisung19,29 kWh
Autarkiequote64 %
Eigenverbrauchsquote30 %

Was bedeutet 64% eigentlich. Klar, die Almhütte hätte ein Problem, denn alles was weniger als 100% ist würde ein Problem sein. SMA rechnet die Autarkiequote mit folgender Formel:

(1/Tagesverbrauch)*Eigenversorgung=Autarkiequote

Die fehlenden 36% unterscheiden das Casa Stromhaltig von einer Almhütte. Bedeutet dies, dass es in der Nachbarschaft weniger Kühe gibt? - Würde man diesen Wert in einen Textgenerator stecken, so käme dabei folgende Formulierung raus: Das Casa Stromhaltig besitzt zu 64% die Selbstgenügsamkeit einer Alm.

Warum sollte man noch mehr einer Alm entsprechen, indem man einige 1000 Euro in einen Speicher investiert? Wenn Bedürfnis darin besteht, dass man 100% versorgt ist, dann ergibt sich ein sogenanntes Grenzwertproblem. Gesellschaft fördert den Austausch untereinander und damit einen geringeren Aufwand für jeden. Entsprechend ist 10% Autarkie, wie sie zum Beispiel mit einem Mini-PV (Balkon) Modul erreichbar sind, sehr preiswert. Mit einer PV-Anlage kommt man auf 30-40% – mit einem Speicher noch etwas höher. Das Problem sind die fehlenden Prozente, bei denen man nicht mehr die Ersparnis durch Tausch nutzen kann.

Der Bedarf am Donnerstag war 13,06 kWh. Um diesen zu decken, stand ein bestimmter Geldbetrag zur Verfügung. Dieser Betrag ist Konstant, egal ob die vollen 13,06 kWh eingekauft werden müssen, oder lediglich 4,7. Solange man keine 100% hat, verteilt sich der Wert, den man bereit ist für 13,07 kWh lediglich auf eine kleinere Strommenge. Würden über Nacht alle Bundesbürger eine Autarkiequote von 50% erreichen, so würde der Strompreis sich verdoppeln.

Wenn man schon Bedarf, Wert und Geld zusammen würfelt, dann darf auch eine andere Rechnung erlaubt sein, die man beim Messstellenbetreiber Discovergy findet:

Kosten für Strombezug1,12€
Ersparnis durch Eigenverbrauch1,57€

Der Wert der 13,06 kWh beträgt 2,69€. Wobei dafür lediglich 1,12€ ausgegeben werden mussten. Macht eine wirtschaftliche Selbstgenügsamkeitsquote von 58%. Die Einnahmen aus der Netzeinspeisung wurden mit Absicht nicht berücksichtigt, da diese auch für den 100% Fall der Alm keine Relevanz haben.






Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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Themenbereiche:

Netze | Technik

Schlagworte:

Autarkie (3) | Selbstversorgung (2) | Eigenverbrauch (37) | Stromnetz (103) | Definition




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