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Claudia Kemfert: Steigende EEG Umlage - Kostenbremse nur mit Kohlebremse

16.10.15  11:15 | Artikel: 963167 | News-Artikel (Red)

Claudia Kemfert: Steigende EEG Umlage - Kostenbremse nur mit Kohlebremse
Prof. Dr. Claudia Kemfert
© Oliver Eltinger
Die EEG-Umlage steigt auf Rekordhöhe. Welche Mehrkosten bedeutet das für einen durchschnittlichen Privathaushalt?

Wenn die Umlage vollständig auf den Strompreis überwälzt wird und die kostensenkenden Effekte nicht weitergegeben werden, dann könnte es um bis zu 50 Cent pro Monat für eine 4 köpfige Familie teurer werden- die Kosten wären überschaubar. Wenn jedoch die gesunkenen Börsenpreise an die Verbraucher weiter gegeben werden würden, dürfte der Strompreis gar nicht steigen, sondern müsste sogar sinken!

Wie erklärt sich der Anstieg dieses Mal?

Vor allem aufgrund des historisch niedrigen Strombörsenpreises. Wir haben einen großen Strom-Angebots-Überschuss, vor allem weil alte ineffiziente Kohlekraftwerke nicht abgeschaltet werden. Die EEG Umlage errechnet sich aus der Differenz zum Börsenpreis, dadurch steigt sie leicht. Paradoxerweise sind ja nicht die erneuerbaren Energien für einen Großteil der EEG Umlagesteigerungen verantwortlich, sondern alte Kohlekraftwerke.

Rechnen Sie für die nächsten Jahren mit einem weiteren kräftigen Anstieg der EEG-Umlage? Welche Höhe wird 2020 erreicht sein?

Die EEG Umlage könnte sogar sinken, wenn man es schaffen würde, den Anteil konventionellen Stroms runterzufahren und so für stabile Strombörsenpreise zu sorgen. Derzeit konzentriert man sich jedoch eher darauf, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu bremsen, was die Energiewende an sich gefährdet, aber die Verbraucher gar nicht entlastet.

Niedrige Börsenpreise führen zu einer höheren Umlage – ist das nicht ein Fehlkonstruktion?

Eine gewünschte Fehlkonstruktion, da man so den erneuerbaren Energien zum Sündenbock für höhere Preise machen kann. Man könnte es anders machen, man will aber nicht.

EEG-Umlage, teure Windparks auf hoher See, dazu eine steigende Netz-Umlage wegen der geplanten Erdverkabelung in Deutschland – wo bleibt die Kostenbremse für die Energiewende?

Die bisherige Kostenbremse der Regierung zielte auf ein Abwürgen der erneuerbaren Energien, was bei Biomasse und Solar auch erfolgreich war. Jedoch nicht der Zubau von erneuerbare Energien ist für die Kostensteigerungen verantwortlich, sondern alte Strukturen, die den Weg nicht frei machen wollen für die Zukunft. Wenn man alte ineffiziente Kohlekraftwerke vom Netz nehmen würde, könnte der Strompreis an der Börse steigen, die Wirtschaftlichkeit der verbleibenden Kraftwerke würde sich verbessern und die EEG Umlage würde sinken. Eine wahre Kostenbremse geht nur mit einer Kohlebremse


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Autor: Claudia Kemfert

www.claudiakemfert.de

Claudia Kemfert leitet die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), ist Professorin an der Hertie School of Governance in Berlin und berät immer wieder Politiker zum Thema Energie und Klimaschutz. Vor kurzem kam ihr Buch “Kampf um Strom” heraus, in dem sie mit den Ökomythen & Energie-Irrtümern aufräumt.



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Themenbereiche:

Energiepolitik | EEG

Schlagworte:

Kohlekraftwerke (49) | Claudia Kemfert (13) | EEG Umlage (4) | Börsenpreise (5)




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