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Halbgedacht: Politik schickt mit Braunkohle-Subvention den Strommarkt zurück in die Vergangenheit

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Halbgedacht: Politik schickt mit Braunkohle-Subvention den Strommarkt zurück in die Vergangenheit

29.10.15  09:15 | Artikel: 963198 | News-Artikel (Red)

Halbgedacht: Politik schickt mit Braunkohle-Subvention den Strommarkt zurück in die VergangenheitNur wenige Wochen ist es her, als man die Betreiber von Braunkohlekraftwerke tiefer zur Kasse bitten wollte. Nach dem neusten Entwurf zum Strommarkt der Energiewende, sollen die Steuerzahler nun 1,6 Milliarden Euro an die Betreiber zahlen (Quelle Spiegel-Online). Die Bernd Müller schreibt in die Junge-Welt:

In den nächsten Jahren gehen acht Blöcke verschiedener Braunkohlekraftwerke schrittweise vom Netz. Darauf hat sich Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) am Wochenende mit den Energiekonzernen RWE, Vattenfall und Mibrag geeinigt. Die Kosten trägt der Verbraucher.

Der Strommarkt Referentenentwurf (Stand 23.10.2015) nennt auf Seite 23 (§13g) erstmals eine Liste von Kraftwerke und Zeitpunkte, zu dem diese Kraftwerke in eine sehr teure und fragwürdige Reserve überführt werden sollen. “Der Klimaschutz, für den das alles ausgedacht wurde, bleibt auf der Strecke”, schreibt der WDR in seinem Kommentar.

  1. bis zum 1. Oktober 2016:
    Kraftwerk Buschhaus,

  2. bis zum 1. Oktober 2017:
    a) Block P des Kraftwerks Frimmersdorf und
    b) Block Q des Kraftwerks Frimmersdorf,

  3. bis zum 1. Oktober 2018:
    a) Block E des Kraftwerks Niederaußem,
    b) Block F des Kraftwerks Niederaußem und
    c) Block F des Kraftwerks Jänschwalde,

  4. bis zum 1. Oktober 2019:
    a) Block C des Kraftwerks Neurath und
    b) Block E des Kraftwerks Jänschwalde

Diese Liste von Kraftwerken unterscheidet sich in weiten Punkten von der Liste, die im öffentlichen Memorandum Braunkohle im April von blog.stromhaltig vorgestellt wurde. Mit Hinblick auf die extremen Netzentgelte, die durch Braunkohlekraftwerke gerade in der Lausitz verursacht werden, bedeutet die nun vorgenommene Auswahl, dass der Strompreis für private Haushalte zusätzlich belastet wird. Erst im Jahre 2018 geht eines der Kraftwerke aus dem Memorandum vom Netz.

Die von RWE betriebenen Kraftwerke Frimmersdorf, Niederaußem und Neurath wurden damals bewusst nicht in die Liste aufgenommen, da deren Wert im Strommarkt gefestigt ist. In Zahlen ausgedrückt werden Bürger und Industrie in Deutschland 1,6 Milliarden Euro Subvention und etwa 3,2 Milliarden Euro Netzentgelte zusätzlich aufbringen müssen. Die restlichen 180 Seiten des Strommarkt 2.0 lassen jedoch keine Rückschlüsse zu, woher dieses Geld kommen soll. Im Memorandum wurde eine Finanzierung vorgeschlagen, welche ohne zusätzliches Kapital (Subventionen, Netzentgelte,…) abbildbar ist.

Reserve für nichts

“Kohle-Reserve taugt nicht für Notfall” titelte Stefan Schultz bei Spiegel-Online. Ein valider Einwand, sieht man das Strickmuster an, welches für den Abruf der Kraftwerke nach ihrer Stilllegung angedacht ist. Nach dem oben genannten Zeitraum werden diese zunächst in eine Sicherheitsbereitschaft überführt – weitere 4 Jahre später erfolgt dann die endgültige Stilllegung. In diesen 4 Jahren müssen die Betreiber garantieren, dass es innerhalb von 10 Tagen und 13 Stunden das Kraftwerk wieder Strom in das Netz einspeisen kann. Eine Zeitspanne, die beim Stromhandel eine Ewigkeit sind. Ein Engpass an der Strombörse, bei dem die Nachfrage nicht durch das Angebot gedeckt werden kann, wird frühstens 24 Stunden vor dem Lieferzeitpunkt erkennbar.

Bei welchem Szenario soll diese (teure) Reserve abgerufen werden? Aus hiesiger Sicht kommt hier nur ein Kriegsfall oder sonstiges monumentales Ereignis in Frage, bei dem ein Funktionieren des Marktes nicht mehr gegeben ist. Betrachtet man die Kapazitäten, welche hier vorgehalten werden, so muss langfristig und dauerhaft absehbar sein, dass im Gigawattbereich ein Kraftwerk nicht mehr zur Verfügung steht. Kleinere Ereignisse, wie der Ausfall eines Steinkohleblocks über Monate (Hafenkraftwerk, Walsum Block C ) rechtfertigen den zu betreibenden Aufwand nicht.

Im verlinkten Beitrag bei SPON steht:

Fachleute halten es für extrem unwahrscheinlich, dass jemals ein so langer Engpass auftritt, der die Kohle-Reserve wirklich erforderlich macht. Selbst aus dem Wirtschaftsministerium hieß es dazu mehrfach, die Stand-by-Kohlemeiler seien gewissermaßen nur der “Hosenträger zusätzlich zum Gürtel”.

In Friedenszeiten hat sich auch der europäische Stromhandel als sichere Reserve erwiesen. Deutschland als ein Export-Meister für elektrische Energie hat mit seiner zentralen Lage in Europa alle Möglichkeiten kurzfristig Strom zu importieren.

Fazit: Kommunikation fehlt

Als Bürger darf man besorgt sein, denn auch die aktuelle Fassung des Strommarkt 2.0 kann als ein Kniefall vor RWE und Vattenfall gesehen werden. Wird im Wirtschaftsministerium wirklich halbgedacht?




Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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Themenbereiche:

Energiepolitik | Strommarkt

Schlagworte:

Braunkohle (68) | Subvention (30) | Strommarkt (81) | Politik (54) | Steuerzahler (7) | Referentenentwurf (4) | RWE (55)




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