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Leitartikel: Die unabhängige Presse und Ihre Geschäftsmodelle

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Leitartikel: Die unabhängige Presse und Ihre Geschäftsmodelle

30.10.15  13:00 | Artikel: 963201 | News-Artikel (Red)

Leitartikel: Die unabhängige Presse und Ihre GeschäftsmodelleErinnern Sie sich noch an das Leistungsschutzrecht für Presseverleger? Nein?

Egal. Ist zwar zum Gesetz geworden aber so richtig glücklich ist damit niemand. Dazu später mehr. Doch jetzt haben journalistische Lobbyverbände wieder eine neue Geschäftsidee - diesmal auf Kosten der Öffentlichkeit.


Das sog. Leistungsschutzrecht für Presseverleger (LSR) soll Verlagen und Verlegern - zumeist die Eigentümer unserer Zeitungen - davor schützen, dass sich Dritte die Inhalte dieser Medien zu eigen machen, damit Geld verdienen und so letztendlich den Qualitätsjournalismus in Deutschland schwächen.

Wir selbst hatten durchaus im Verlauf des Gesetzgebungsverfahrens verschiedene Meinungen zu diesem Thema. Doch muss man wie in vielen Bereichen auch hier etwas genauer hinsehen und die Intentionen trennen. Zum einen ist das LSR eine gute Sache, denn einfach Inhalte klauen, die andere erarbeitet haben ist eher schlechtes Benehmen, wenn wir das Urheberrecht mal außen vor lassen. Recherchen kosten Arbeitszeit und damit Geld. Und Geld wird mit Journalismus immer weniger verdient, denn das gemeine Volk will ja via Netz kostenlos berieselt werden. Doch das ist eher eine andere Baustelle.

Dann haben Google und ein paar andere angefangen NAchrichten von diversen Verlagen zu aggregieren und übersichtlich auf einer Seite zusammen zu stellen. Einige dieser Anbieter haben diese Zusammenstellung dann als kostenpflichtige Dienstleistung angeboten und sich damit die goldene Nase verdient. Genau hier setzen jetzt die Verlage an und wollten von diesen Gewinnen mit profitieren. Denn das Geschäftsmodell basiere ja schließlich auf deren Inhalten.

Doch ausgeblendet wurde, dass die Verlage solchen Anbietern jahrelang ihre Inhalte quasi kostenlos hinterher geworfen haben. Doch dann wurde Geld damit verdient und das weckte dann Begehrlichkeiten und man fing an über Lobbyarbeit die Politik in Berlin und Brüssel gefügig zu machen. Ein Gesetz sollte her, damit man sich bei den Besserverdienern entsprechend bereichern könne. Doch letztendlich haben viele - auch Google - den Spieß umgedreht und die Übernahme von Inhalten einfach abgestellt. Geld ist bisher nur marginal geflossen. In jedem Falle weniger, als sich die Verleger erhofft hatten.

Das Problem, dass immer weniger gedruckte Zeitungen verkauft werden ist dem Netz geschuldet. Dass Verlage jedoch über ihre Online-Plattformen nicht die erwarteten Gewinne generieren, ist ein hausgemachtes Problem. Unlängst sagte ein Vertreter des Axel-Springer-Verlages (BILD), dass die Nachrichteninhalte ja nur den Zweck hätten, die Werbung auf der Seite zu transportieren. Immerhin das ist ehrlich.

Fakt ist, dass journalistische Verlage zunehmend nach neuen Geschäftsmodellen Ausschau halten müssen. Doch diese sind gar nicht so leicht und schon gar nicht über Nacht umsetzbar. Was liegt also näher, als eine erneute Forderung an die Politik?

Es hat ja quasi in Deutschland schon fast Tradition das man sich, wenn es wirtschaftlich in Konzernen oder Wirtschaftszweigen nicht so gut läuft, auf eine Pilgerreise nach Berlin begibt. Dort fordert man Unterstützung in eigener Sache und droht - auch das ist Tradition - mit dem Verlust von Arbeitsplätzen und bringt auch so schön klingende Euphemismen wie «Standort Deutschland» mit ein. Im Falle der Verleger und Journalisten kommt noch der Begriff «Qualitätsjournalismus» mit dazu.

Der Deutsche Journalistenverband (DJV), der ausschließlich Vollzeitangestellte als ernsthafte Journalisten betrachtet, fordert nun eine Haushaltsabgabe, ähnlich wie die GEZ es für das Seniorenfernsehen geschafft hat. Jeder Bürger solle gefälligst für diesen «Qualitätsjournalismus» eine Abgabe entrichten, denn sonst könne ja der Informationsauftrag gegenüber der Öffentlichkeit nicht erfüllt werden.

Es ist schon überraschend, mit welcher Dreistigkeit hier Gelder eingefordert werden, wenn das Ende der eigenen Geschäftsmodelle erkennbar werden. Zunehmend informieren sich hauptberufliche Journalisten und die Öffentlichkeit bei etablierten Bloggern im Netz, weil diese besser recherchieren und auch mehr Zeit dafür haben. Das Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit kann also durchaus auch darüber befriedigt werden.

Man darf also gespannt sein, wie sich diese Forderung weiter entwickelt.



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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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Themenbereiche:

Internet | Gesellschaft | Journalismus

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Presse (170) | Geschäftsmodelle (20) | Journalismus (12) | Zeitungen (4) | Blogger (16) | Haushaltsabgabe




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