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Paris, Politik und Provokation: Eine (leicht) satirische Zusammenfassung

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Paris, Politik und Provokation: Eine (leicht) satirische Zusammenfassung

22.11.15  11:00 | Artikel: 963273 | News-Artikel (Red)

Paris, Politik und Provokation: Eine (leicht) satirische ZusammenfassungDie letzten Tage waren ja medial eher anstrengend. Die Flüchtlingsdiskussion wurde durch die Paris-Problematik abgelöst und nachdem das Thema auch durch war, wird über Xavier Naidoo hergezogen. Ein satirischer Blick auf die Ereignisse der letzten Tage.

So ein Hashtag gibt es ja heute für alles. #Refugeeswelcome war in den letzten Wochen irgendwie dominierend. Dann haben die Franzosen dieser Tage ein wenig Pech gehabt und es gab #NousSommesUnis. Das klingt ja so richtig mächtig. Beim letzten Pariser Zwischenfall hat es nur für #JeSuisCharlie gereicht. Damals war ICH Charlie, heute sind WIR vereint. So will es ja auch die Politik.

Wie viele Heiratsanträge und Liebesbekundungen gab es wohl vor der Kulisse der romantischen, blau-weiß-rot beleuchteten Gebäude weltweit?

Die Medien stürzten sich natürlich wieder auf das Ereignis wie ein katholischer Pfarrer auf ein Knabeninternat. Live-Berichterstattung und jede Menge Terrorismus-Experten; die Hälfte davon wohl selbst ernannt. Doch was sich nicht ziert live auf Sendung zu gehen, wird vor Kamera und Mikrofon gezerrt. Dann kommt noch die EU und regt die Schweigeminute an - für die Opfer. Wohl aus Pietätsgründen, denn den Opfern ist das wohl eher egal.

Und natürlich schlägt auch der brave deutsche die Hacken zusammen und geht in Grundstellung, wenn ganz Europa das tut.

Aber irgendwie macht sich so keiner Gedanken darüber, dass es eben aus dem Wald herausschallt, wie man hinein ruft. Die Lage in Syrien ist heute nur durch die Einmischung - und Profitgier - westlicher Staaten so weit eskaliert. Diese Art von Einflussnahme wird ja seit langem von Regierungen gerne genutzt - allen voran können die USA darüber Bücher schreiben (die wurden sogar schon geschrieben).

Klar, diese Charlie-Hebdo-Kiste war irgendwie blöd. Ein bisschen mehr Toleranz in Sachen Religion hätte man von den Gotteskriegern schon erwarten dürfen. Immerhin ist es bei denen auch Mode, westliche Flaggen abzufackeln. Doch wegen der ganzen Aktionen eine ganze Religion zu verurteilen ist auch eher Stammtisch und grenzdebil. Wobei man ja auch nicht unsere Kreuzzüge vergessen darf. Schon damals hatten wir ein Problem mit dem nahen Osten und waren «unterwegs im Namen des Herrn». Heute nennt man das radikal fanatisch. Ist wohl immer eine Frage der Perspektive. Gott sei Dank bin ich Atheist (schönes Wortspiel). Die sollten solche theatralischen Auftritte mal nach Berlin verschieben. Im Reichstag trifft es bestimmt einige Dutzend korrupte Amigos und Kinderporno-Konsumenten, dann gibt es wenigstens keine zivilen Kollateralschäden.

Die Geschichte beweist: Religion und Rationalität passen nicht zusammen: wer ersterer hinterherläuft, der hat für letzteres keinen Platz mehr in der Birne.

Und dann kommen solche Leute wie unsere Kanzlerin; die reden dann von einem feigen terroristischen Akt. Mal abgesehen, das so was eine mutmaßliche Landesverräterin sagt, stellt sich die Frage, was denn daran feige ist.

Es braucht schon viel Mut und Arsch in der Hose - oder natürlich Indoktrination - um sich mit einem Päckchen Sprengstoff zu den Jungfrauen zu bomben. Der amerikanische Drohnenoperator, der tausende Kilometer weit weg sitzt und nur ein Knöpfchen drückt, macht um vier dann Feierabend, nachdem er ein paar böse Jungs über den Jordan geschickt hat. So what?

Auf der anderen Seite gibt es natürlich wieder die Diskussionen über die Internet- und Kommunikationsüberwachung. Dieses Mal hat die GdP das Rennen gewonnen. Kaum Stunden später forderte Jörg Radek mehr Überwachungsbefugnisse und die Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung. Blöd ist, das die Franzosen so was schon haben. Da wird so ziemlich alles gespeichert, was Bürger tun, doch so wirklich genutzt hat es nix.

Vielleicht sollte man sich eher fragen, wie denn Waffen und Sprengstoffe ins Land kamen? Mit Sicherheit nicht via eBay - denn da wird überwacht.

So werden nun Milliarden ausgegeben für eine Bedrohung, die wir zum Teil selbst verschuldet haben. Bürger werden überwacht und bespitzelt und nun sollen in guter alter DDR-Blockwart-Manier auch noch die Nachbarn wachsam sein und denunzieren. Stellt sich die Frage, wie es dann mit der Beweislast aussieht, wenn die Jungs mit den schwarzen Masken anrücken.

Ist das alles den Aufwand wert? In einem totalen Überwachungsstaat zu leben, in dem Sicherheit nicht mal im Ansatz garantiert werden kann aber Geheimdienste immer noch mehr Daten fordern, die sie gar nicht auswerten können? Für ein paar Opfer?

Diesmal waren es knapp 130 in Paris. Zum Vergleich: im September 2015 starben im Straßenverkehr in Deutschland 321 Menschen - im laufenden Jahr waren es 2.591. Bedauerlich, aber besser als 2.500 Arbeitslose mehr. Wo ist die Relation?

Aber jetzt lassen wir das alles hinter uns. Denn zum Ende der Woche ist medial die Frage spannender, was dieser komische Xavier Naidoo so alles von sich gegeben hat und wie er das wohl meint. Also die Tricolore mal wieder abschalten und sich anderen Ereignissen hingeben, denn: auch «dieser Weg wird kein leichter sein».

... und auch für diesen Themenkomplex hat das Radio wieder Experten vors Mikro gezerrt. Scheinbar gibt es für jeden Scheiß in Deutschland Experten.















Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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Themenbereiche:

Gesellschaft | Sicherheit | Journalismus

Schlagworte:

Paris (17) | Politik (54) | Terror (44) | Datenschutz (151) | NousSommesUnis




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